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Roman Bosch (2.v.l.) hat sich mit Unterstützung seines Arbeitgebers, der Firma Krause in Alsfeld, weiterqualifiziert. Er erläutert Besuchern die Abläufe im Betrieb.

Chancen für Wachstum

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Ein Viertel der Vogelsberger ist im Rentenalter, die Geburtenrate ist gering. Aber wer soll die Arbeit machen? Aus- und Weiterbildung können helfen. Dass es weitere positive Ansätze gibt, darauf verweist Thomas Schaumberg, Geschäftsführer von Vogelsberg Consult. Schaumberg: "Der Vogelsberg schrumpft weiter, doch längst nicht mehr in dem vor Jahren vorher gesagten Ausmaß."

Aus der Redaktion

Beim Anteil der unter Sechsjährigen ist der Vogelsbergkreis hessenweit mit dem Werra-Meißner-Kreis das Schlusslicht. Ihr Anteil an der Bevölkerung macht gerade einmal 4,6 Prozent aus. Dagegen liegt der Anteil der über 65-Jährigen bei 24 Prozent. Nur in Kassel und im Werra-Meißner-Kreis ist der Anteil der Senioren höher. Die Arbeitslosenquote ist im Kreis dagegen im hessenweiten Vergleich sehr niedrig. Doch wo sollen die benötigten Arbeitskräfte herkommen? Die werden dringend gebraucht, denn schon länger fehlen rund 3000 Fachkräfte. In fünf Jahren soll diese Lücke sogar mehr als doppelt so groß sein. Aber der Geschäftsbericht von Vogelsberg Consult für 2018 weist auch auf positive Tendenzen hin.

?Die Bevölkerung im Vogelsberg geht zurück, viele Menschen müssen in anderen Landkreisen arbeiten. Gilt diese Erfahrung der vergangene Jahre noch?

Der Vogelsberg schrumpft weiter, doch längst nicht mehr in dem vor wenigen Jahren noch prognostizierten Ausmaß, zeigt sich Thomas Schaumberg, Geschäftsführer von Vogelsberg Consult, zuversichtlich. Auch als Arbeitgeber zeige sich die Region attraktiv, das belegten sowohl die steigende Anzahl an Einpendlern als auch die unter dem Durchschnitt liegende niedrige Arbeitslosenquote (3,7 Prozent).

?Dann geht es im Vogelsbergkreis also aufwärts?

"Bis der Vogelsberg wieder wachsen kann, wird es noch ein wenig dauern", gibt Schaumberg trotz leicht verbesserter Zahlen zu bedenken. Erhebungen zeigten auch, dass die Wirtschaft in Abhängigkeit von der Bevölkerungszahl nicht wirklich schnell wachsen kann. Denn trotz guter Konjunktur gebe es einen begrenzenden Faktor für die Vogelsberger Wirtschaft - die fehlenden Fachkräfte.

?Ist das ein spezifisches Vogelsberger Problem oder ist das nicht einem allgemeinen Trend geschuldet?

"Wir haben bereits seit Jahren einen nicht erfüllten Bedarf von mehr als 3000 Fachkräften in der heimischen Wirtschaft - die Prognosen des IWAK-Instituts der Goethe-Universität in Frankfurt gehen bis zum Jahr 2024 von 6450 fehlenden Fachkräften allein im Vogelsberg aus", legt Schaumberg dar. Für die benachbarten Landkreise Fulda und Gießen sehe das nicht besser aus, so dass es eine Frage der richtigen Angebote und Fachkräftewerbung sein werde, ob die Menschen im Vogelsberg oder außerhalb der Kreisgrenzen arbeiten werden. Trotz verbesserter Zahlen betragte die Differenz zwischen Ein- und Auspendlern im Vogelsbergkreis immer noch mehr als 9000 Menschen zugunsten der Auspendler.

?Gibt es Berufsgruppen, die vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind?

Ganz allgemein: Die wachsende Anzahl an offenen Fachkräftestellen sehen Studien vor allem in der altersbedingten Verrentung begründet. Dabei schlägt vor allen der Anteil der nichtakademische Berufe zu Buche: "Es wird zukünftig an Fachkräften in den Pflegeberufen, in Erziehungs- und sozialen Berufen, aber auch im Handwerk und in der Gastronomie fehlen. Selbst die Berufe des Groß- und Einzelhandels sind von diesem Fachkräftemangel betroffen", malt der Geschäftsführer ein nicht allzu rosiges Bild von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.

?Wie kann man im Vogelsbergkreis der Entwicklung trotzen?

Das Hauptaugenmerk sieht Schaumberg auf der Fachkräftesicherung, die auch im Berichtsjahr 2018 wie in den Jahren zuvor im Rahmen zahlreicher Projekte gefördert wurde: "Seit 2016 bis Mitte 2019 standen rund 850 000 Euro zusätzliche Fördermittel für Fachkräftesicherung, für Koordination des Übergangs Schule-Beruf, für die Anwerbung von Auszubildenden, für die Reduzierung von Ausbildungsabbrüchen und für die Nachqualifizierung zur Verfügung", führt Schaumberg aus.

?Welche Förderungsmodelle zur Ausbildung von Fachkräften gibt es?

Ein sehr erfolgreiches ist QuABB (Qualifizierte Ausbildungsbegleitung in Betrieb und Berufsschule). Dabei werden "bedrohte" Ausbildungsverhältnisse durch Beratung und moderate Veränderungen gerettet oder beendete Ausbildungsverhältnisse in neue überführt, bevor jemand ganz hinwirft. Für 2018 berichtet Marian Mattner von 31 Kunden, von denen 27 ihre Ausbildung fortsetzten und vier eine neue begannen. Und man kann sich weiter qualifizieren. Über die Initiative "ProAbschluss" vermitteln Katharina Barth und Matthias Steckenreuter Fördermöglichkeiten, sich berufsbegleitend zu Fachkräften weiterzuentwickeln. "Firmen unterstützen die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, da sie deren Wert erkannt haben", berichtet Steckenreuter.

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