Förderpläne

Für Bürgerbus und mehr Geld im ländlichen Raum

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Vortrag und Diskussion zeigen auf, dass es den Masterplan zur Entwicklung des ländlichen Raums nicht gibt. Bürgermeister und Regionalentwickler sprachen über ein neues Förderprogramm.

Einen Tag lang nahmen sich Politker und Planer der Regionalentwicklung Zeit, um in der Veranstaltungsscheune des Forschungszentrums Neu-Ulrichstein über Strategien zur Entwicklung ländlicher Räume zu diskutieren. Zum Auftakt nahm auch Umweltministerin Priska Hinz teil. Im Zentrum des Vormittags stand ein Vortrag von Manuel Slupina, der im Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung Erfahrungen mit Entwicklungsprojekten auswertet. Interessiert lauschten mehrere Vogelsberger Bürgermeister und Vertreter aus den 24 Regionen in Hessen, die vom Entwicklungsprogramm Leader profitieren.

Ein Thema Slupinas war, wie man junge Leute an die Region bindet oder wieder zurückholt. Denn ansonsten steigt der Anteil der älteren Bevölkerung, was nicht erstrebenswert ist. Das Problem betrifft viele ländliche Regionen der Republik. In Nordrhein-Westfalen haben Unternehmer darauf reagiert, indem sie eine alte Schule zum Zentrum der Berufsorientierung umgestalteten. Dort können Jugendliche verschiedene Handwerksberufe erproben und sehen, ob das etwas für sie ist. Wichtig ist laut Slupina, die Berufsschulen in der Region zu halten. Er blieb die Antwort schuldig, wie das ein Kreis erreichen kann, wenn das vom Land gesteuert wird.

120 Bürgerbusse unterwegs

Neben dem Dualen Studium ist auch der Dual Career Service eine Möglichkeit, Fachleute in die Region zu holen. Letzteres bedeutet, dass Ehepartner von Fachkräften bei der Suche nach dem richtigen Arbeitsplatz unterstützt werden.

Einen Block nahm die Thematik der Infrastruktur ein. Denn wenn im Dorf die Läden, Kneipen und Arztpraxen verschwinden, kann eine Abwärtsspirale entstehen. Dabei verstärken sich Bevölkerungsschwund und Abbau der Angebote gegenseitig. Ein Problem ist dabei, dass die hohen Kosten für Kanal- und Wasserleitungen künftig auf weniger Schultern verteilt werden. "Es ist fraglich, ob die Förderprogramme reichen, um im ländlichen Raum Entwicklungsmöglichkeiten zu erhalten oder zu schaffen," sagte der Forscher.

Slupina warb dafür, Modellprojekte zu prüfen, die einen ehrenamtlich betriebenen Dorfladen mit Café, Mittagstisch und Bürgerbüro verbinden. Erfolgreich sind solche Dorfläden, wenn sie von den Ortsbewohnern als ihre Läden begriffen werden. Positive Anreize könne man mit Bürgerbussen setzen, in Nordrhein-Westfalen sind 120 dieser Fahrzeuge unterwegs. Wichtig sind auch innovative Wege bei der Ärzteversorgung und dem Breitband-Anschluss an moderne Datennetze.

Ein zentrales Problem der Stadt ist der hohe Bedarf an neuen Wohnungen, der nicht befriedigt werden kann. Dem gegenüber stehen Häuser im Dorf leer. "Es gibt genug Häuser, sie stehen nur an der falschen Stelle," flachste Slupina. In Frankfurt müssten jährlich 7000 Wohnungen gebaut werden, der Vogelsberg liege am Ende der hessischen Wohnbau-Skala mit einem Bedarf von knapp über Null. Wie man die vielen verschiedenen Ebenen in ein Entwicklungskonzept packen kann, wusste Slupina auch nicht. "Ich bin froh, dass ich dafür keine Lösung aufzeigen muss," räumte er ein.

Mangel an Bauland und Wasser

Schottens Bürgermeisterin Susanne Schaab regte an, auch begrenzende Faktoren in die Entwicklungsmodelle einzubeziehen. Dazu zählte sie den Mangel an Bauland und Wasser. Slupina sind keine Entwicklungsszenarien bekannt, die begrenzende Faktoren einrechnen. Ein Besucher verwies auf das Vorbild von Paris und London, wo das Umland besser mit Bahn und Bus erschlossen ist, um das Pendeln zu erleichtern. Da könne man gutes Leben auf dem Land und den Job in der Metropole verbinden. Das erfordere aber einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrssystems.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die hessische Umweltministerin Priska Hinz übrigens schon lange die Zusammenkunft in Neu-Ulrichstein verlassen. Sie war lediglich für ein Grußwort in den Kreis der Regionalentwickler getreten.

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