Adam Pollum-Theus von der Denkmalpflege erläutert die Grabungen in einer Töpfersiedlung bei Lehrbach.
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Adam Pollum-Theus von der Denkmalpflege erläutert die Grabungen in einer Töpfersiedlung bei Lehrbach.

Blick in die Mittelalter-Küche

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Sogenannte Kugeltöpfe aus dem 12. bis 15. Jahrhundert haben Archäologen im Gleental bei Lehrbach entdeckt. Sie fanden auch Reste von Töpferöfen einer alten Siedlung. Die Untersuchung sichert Bodendenkmäler, die sonst beim Bau der Autobahn 49 zerstört würden.

Es ist eine idyllische Fläche zwischen Lehrbach und Niederklein, trotz des Verkehrs auf der nahen Bundesstraße. Junge Eichen stehen auf einer Wiese über historischem Boden. Adam Pollum-Theus hat dort mit seinen Kollegen von der Landesarchäologie die Töpfersiedlung freigelegt. "Ich bin begeistert", fasst er das Ergebnis der Bodenuntersuchung zusammen.

Auf einer 270 Meter langen und rund 170 Meter breiten Fläche haben die Archäologen zwischen August 2019 und Anfang April dieses Jahres die Reste von 15 Töpferöfen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert freigelegt sowie Pfosten von zwei Gebäuden gefunden.

Die Grabung nahe der Kreisgrenze bei Lehrbach wird vom Bund im Vorgriff auf den Bau der Autobahn A 49 finanziert. Im Umfeld der Grabung hat die Projektmanagementgesellschaft Deges insgesamt 1000 junge Eichen als Ausgleichsmaßnahme gepflanzt. Umweltschützer merken dazu an, dass ein Gutteil der Bäume wegen der anhaltenden Trockenheit bereits verdorrt ist. Dann muss nachgepflanzt werden, erläutert Baubevollmächtigter Johannes Wengenroth. Am oberen Rand des Hangs am Ohmtal sind Totholzplätze und Steinhaufen für Eidechsen als weitere Ausgleichsmaßnahme angelegt worden.

Im Verlauf der Ausgrabung wurde zunächst die Ackerschicht entfernt. Das bedeutet, dass 30 bis 100 Zentimeter Erde entfernt wurden, um an die Überreste im Untergrund zu gelangen. Anschließend wurden die erfassten archäologischen Strukturen freigelegt, fotografiert, eingemessen und gezeichnet. Dadurch werden, obwohl die originalen Bodenstrukturen durch den Bau der Schnellstraße zerstört werden, viele Informationen zur Töpferei erhalten.

Auf einem Areal von gut einem Hektar wurden die Fundamente der Töpferöfen gefunden. Es handelt sich um sogenannte liegende Töpferöfen, bei denen Feuerungsraum und Brennraum hintereinander angeordnet sind. Die Öfen sind so im ansteigenden Gelände angelegt worden, dass die Aufwinde am Hang die Führung des Brandes, also die Verteilung der Hitze im Ofen unterstützt haben. Deshalb wurden die Öfen auch am Hang gebaut, wie Pollum-Theus sich anerkennend über den Erfindungsreichtum der Vorfahren äußerte.

Im Umfeld der Öfen befanden sich Gruben unterschiedlicher Funktionen, Pfostengebäude sowie Schichten aus Asche und gebranntem Lehm. Die Asche-Lehm-Reste lagerten sich großflächig um die Öfen herum ab, wenn Brennraum und Feuerungsraum geöffnet und gesäubert wurden.

Es fanden sich viele Scherben von Keramikgefäßen, die vor Ort produziert wurden, und gelegentlich vollständige Kugeltöpfe. Die wegen ihrer kugeligen Form so benannten Gefäße wurden im Mittelalter zur Zubereitung von Mahlzeiten verwendet und direkt ins Feuer gestellt. Die Funde geben Aufschluss über Alter und Dauer der Produktion vor Ort: Sie stammen aus dem 12. bis 14. Jahrhundert. Die Funde werden getrennt aufgenommen, gewaschen, verpackt und in Listen erfasst. Sie kommen nach Abschluss der Maßnahme in ein Fundmagazin des Landes. Dort stehen sie nach Bedarf zur weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung oder Präsentation zur Verfügung. Die Siedlung, in der die Töpfer lebten, ist noch nicht ermittelt. "Das wird die Aufgabe in den nächsten Jahren sein", betont Pollum-Theus. Dann werden die Archäologen im Nachhinein die Öffentlichkeit informieren. Denn ein Problem solcher Grabungen stellen "Schatzsucher" dar, die Grabungen heimsuchen, um verkäufliche Artefakte zu stehlen. Die werden meistbietend verscherbelt, der wissenschaftliche Zusammenhang ist den Dieben gleichgültig.

Mehr zur A 49 vom BUND und den Besetzern im Dannenröder Wald auf der Seite 16.

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