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Dr. Tunay Aslan beobachtet, wie eine Mitarbeiterin die Pufferlösung vorbereitet.

Bis zu 90 Prozent Omikron

Erst im April vergangenen Jahres hat sich das Bioscientia MVZ Labor Mittelhessen in der Rudolf-Diesel-Straße vergrößert. Vermutlich könnte das Team um Geschäftsführer Dr. Tunay Aslan aber schon bald wieder erweitern. Alleine 3000 Corona-Tests werden dort derzeit pro Tag ausgewertet. Der Großteil davon zeigt die Omikron-Variante an.

Cobas 6800 heißt die Maschine, die so groß wie ein Kleinwagen ist und im ersten Stock des Bioscientia MVZ Labors Mittelhessen steht. »In acht Stunden können damit 400 Corona-Tests ausgewertet werden«, sagt Geschäftsführer Tunay Aslan, bevor er lächelnd hinzufügt: »Mit unseren Mitarbeitern kann der Automat aber nicht mithalten.« 3000 Tests pro Tag seien in dieser Woche in dem Labor in Gießen ausgewertet worden und somit fast 1000 mehr als noch in der Vorwoche. »Wir merken, dass gerade zwei Dinge passieren«, sagt Aslan. Zum einen we rde viel getestet. Dass rund ein Drittel der 3000 Tests positiv ausfielen, belege zudem, wie anst eckend die Omikron-Variante sei. »Zum Jahresende war Delta noch die vorherrschende Form. Aktuell sind 60 bis 70 Prozent der positiven Fälle auf Omikron zurückzuführen«, sagt der Geschäftsführer und fügt an: »Ende dieser Woche könnten es schon 90 Prozent sein.«

Das Bioscientia Labor hieß früher Labordiagnostik Mittelhessen und war in Dillenburg und am Ursulum ansässig. Im Frühjahr 2021 bezog das Unternehmen unter neuem Namen das neu erbaute Labor- und Verwaltungsgebäude im ehemaligen US-Depot. Knapp 200 Mitarbeiter a rbeiten dort, untersuchen täglich 7000 Proben und führen dafür 50 000 Analysen durch.

Die 15 bis 20 Mitar beiter aus der PCR-Abteilung bilden also nur einen kleinen Teil des Unternehmens, und dennoch ist ihre Arbeit von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Laut Aslan kommen die Corona-Abstriche aus ganz Hessen ins US-Depot, der Großteil stamme jedoch aus Gießen und Umgebung. »Die Einsender sind zum Beispiel niedergelassene Ärzte und Kliniken, wir arbeiten aber auch mit den Testzentren der Kassenärztlichen Vereinigung zusammen«, sagt der Laborleiter und betont, dass die »sehr stark steigenden« Untersuchungszahlen für die Mitarbeiter eine Belastung seien. »Wir haben unsere Kapazitäten stetig ausgebaut und auch in den Sommermonaten aufrechterhalten. Das zahlt sich aus. Aber natürlich macht es einen Unterschied, ob man pro Tag 500 oder 3000 Tests untersucht.« Das Unternehmen habe daher zu Beginn des neuen Jahres zusätzliche Kräfte eingestellt und suche weiter. »Es ist aber nicht leicht, gut ausgebildetes Personal zu finden.«

Und die Mitarbeiter, die laut Aslan aktuell »Unmenschliches« leisten und Überstunden anhäufen, sind trotz der modernen Technik das A und O des Unternehmens. Zum Beispiel bei der Vorbereitung und Aufbereitung der Proben.

Bestimmung der Variante nur selten

Aslan betritt ein kleines Labor, in dem ein junger Mann mit Schutzausrüstung vor einer Reihe Proben sitzt. Mit einer Kneifzange zwackt er die Watteköpfe der Teststäbchen ab und befördert sie in ein mit Flüssigkeit gefülltes Röhrchen. In einem weiteren Labor pipettiert eine Mitarbeiterin die Pufferlösung, an wiederum anderer Stelle ist eine Kollegin dafür zuständig, die aufbereiteten Abstriche in einen Automaten zu stellen, der die Probe untersucht und das Ergebnis auf einem Monitor anzeigt. Überschreitet die dargestellte Kurve einen bestimmten Wert, ist das Ergebnis positiv.

Diese und viele weitere Arbeitsschritte kosten Zeit, mehrere Stunden benötigt dieser Prozess. »Wir führen hier keine Schnelltests durch, sondern hochqualitative medizinische Diagnostik«, betont Aslan und wirbt um Verständnis, dass die Ergebnisse nicht schon eine Stunde nach dem Besuch des Testcenters vorliegen könnten. Nach 24 bis 48 Stunden seien die Resultate in der Regel jedoch über die Homepage oder das Servicetelefon abrufbar. Verzögerungen gebe es selten, meist nur, wenn die Tests etwa wegen Verunreinigungen wiederholt werden müssten.

Mit welcher Variante die Betroffenen infiziert sind, wird künftig nur noch stichprobenartig ausgewertet. Denn die Suche nach den Mutationen kostet Zeit, die Aslan und sein Team nicht haben. »Omikron ist die vorherrschende Variante. Die Bestimmung wird daher nachrangig.« Wichtiger sei es zu wissen, ob jemand positiv oder negativ sei.

Völlige Gewissheit liefert aber auch der PCR-Test aus dem US-Depot nicht. Wenn der Abstrich etwa einen Tag zu früh abgenommen oder das Stäbchen nicht tief genug eingeführt worden ist, kann das Ergebnis negativ ausfallen, obwohl der Betroffene das Virus in sich trägt.

»Das ist immer eine Momentaufnahme«, sagt Aslan und erzählt, dass selbst bei einigen Patienten auf der Intensivstation das Virus nicht nachgewiesen werden könne, da es zu tief im Gewebe sitze. Umso wichtiger sei es, sich bei Symptomen in Selbstisolation zu begeben. »Diese Achtsamkeit«, betont Aslan, »ist momentan entscheidend.«

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