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Biber auf über 600 Metern entdeckt

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Von: red Redaktion

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Der Biber erweist sich als Lebenskünstler, er erschließt sogar Lebensräume im höheren Bergland. © pv

Der sich immer weiter ausbreitende Biber hat die Hochlagen im Vogelsberg besiedelt. Ein Biber-Experte des Naturschutzbunds entdeckte dort in mehr als 600 Metern Höhe ein Revier - das aktuell höchstgelegene in Hessen, wie der NABU Hessen mitteilt.

Nach vielen Jahrhunderten der Verfolgung und Ausrottung hat sich der Biber in Hessen bereits viele Gewässer wieder zurückerobert. Durch die gute Bestandsentwicklung des heimischen Nagers werden selbst kleine bis mittelgroße Bäche der Quellregionen mittlerweile wieder besiedelt.

»Der Biber schafft es sogar, sich Lebensräume im höheren Bergland zu erschließen«, freut sich Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU Hessen. Die Entdeckung eines Biberreviers durch den NABU-Biberbetreuer Edgar Schramm auf über 600 Metern Höhe im Vogelsberg zeige das eindrucksvoll. Damit würde klar, dass der Biber in den nächsten Jahren praktisch alle Gewässer in Hessen besiedeln werde.

Noch vor wenigen Jahrzehnten glaubte man, der Biber brauche große Tiefland-Auen zum Überleben. Nun zeigen die Tiere in Hessen aber, welche Lebenskünstler sie sind: Wo die Bäche zu klein und zu flach sind, werden die Bäche mit Staudämmen tiefer und größer gemacht.

Der Biber helfe dabei, begradigte und verbaute Flüsse zum Nulltarif wieder in naturnahe Gewässerlandschaften zu verwandeln, erklärt Eppler weiter. Damit trage der größte heimische Nager zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie bei.

»Das Ziel der Richtlinie, alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen, ist auch in Hessen noch längst nicht erreicht«, kritisiert Eppler die Landesregierung.

Mit dem Ausweisen von 10 bis 30 Meter breiten Schutzstreifen an hessischen Flüssen und Bächen könne das Land einen großen Schritt nach vorne machen. In den nicht bewirtschafteten Schutzzonen soll der Biber die Gewässer wieder frei gestalten dürfen.

Damit würden mögliche Konflikte mit Landwirten stark reduziert, wirbt Eppler für ein effektives Artenschutz-Management an Hessens Fließgewässern.

Ohne diese Pufferzonen komme es leider immer wieder dazu, dass Biberdämme illegal zerstört würden, um die Überflutung bachnaher Bereiche zu unterbinden. Beim Gewässerschutz gelte es, langfristig zu denken.

Land und Kommunen sollten durch Flächenkauf und Tausch an dauerhaften guten Lösungen für ein friedliches Miteinander von Landnutzern und Bibern arbeiten, so Eppler.

Der NABU begrüßt daher ein neues politisches Ziel, das im letzten Jahr in einer Kooperationsvereinbarung zwischen Land, Naturschutz und Landwirtschaft getroffen wurde: Demnach sollen künftig auf 1000 Kilometern Gewässerstrecke pro Jahr solche nutzungsfreien Gewässerentwicklungsstreifen eingerichtet werden.

Nicht nur der Biber selbst profitiert von seiner Rückkehr, sondern auch die Artenvielfalt der Landschaft: Durch seine Fähigkeiten, sich seinen Lebensraum selbst zu gestalten, fördert der Biber die Renaturierung der natürlichen Auenlandschaft. Gehölze am Gewässer benötigt der Biber als Nahrung und zum Errichten von Biberbauen und Dämmen.

Durch diese natürliche »Abholzung« verändert sich die Gewässerökologie und es entstehen optimale Lebensbedingungen für eine Vielzahl heimischer Tiere und Pflanzen. Zudem leistet der Biber durch die Rückstaueffekte einen Beitrag zum Hochwasserschutz und auch zur Grundwasserneubildung.

Nachdem der heimische Nager fast ausgerottet war, wurden vor rund 40 Jahren in Hessen 18 Biber ausgewildert. Das Umweltministerium schätzte deren Zahl im vergangenen Jahr bereits auf rund 1000 Tiere in etwa 300 Revieren, bei einer jährlichen Zunahme von rund 20 Prozent. Immer häufiger siedelt er sich nun aber auch an kleinen Bächen in den Quellregionen an, wo er seine Dämme und Burgen baut. pm

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