"Enkeltrick"-Betrüger sind immer noch mit ihrer Masche aktiv, das zeigt die Statistik der Straftaten für 2019. Und auch falsche Polizisten melden sich immer wieder bei Vogelsbergern. Symbolfoto: DPA
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"Enkeltrick"-Betrüger sind immer noch mit ihrer Masche aktiv, das zeigt die Statistik der Straftaten für 2019. Und auch falsche Polizisten melden sich immer wieder bei Vogelsbergern. Symbolfoto: DPA

Betrug boomt immer noch

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Auch wenn einer alten Dame in Flensungen kürzlich die Handtasche weggerissen wurde: Solche Vorfälle bleiben selten. Das Leben im Vogelsbergkreis ist nach wie vor sehr sicher. Das zeigt die Statistik der Kriminalpolizei für 2019. Zuwachsraten verzeichnet allerdings immer noch das "Geschäft" der Betrüger.

Sicher leben kann man im Vogelsbergkreis auch weiterhin. Dieser Tage legten Andreas Böhm und der Leiter der Kripo Alsfeld, Hans-Dieter Blum, Zahlen vor. Danach gab es im vergangenen Jahr zwar mit 4123 Straftaten mehr als im Jahr davor. Mit "nur" 3894 Straftaten je 100 000 Einwohner steht der Kreis aber im hessenweiten Vergleich sehr gut da. Die Aufklärungsquote lag im Kreis bei 69,1 Prozent.

Im Bereich der Straßenkriminalität, wozu auch Fahrraddiebstähle und Sachbeschädigung an Fahrzeugen fallen, gab es einen leichten Rückgang der Zahlen. Mehr als verdoppelt hat sich aber die Zahl schwerer Diebstähle aus Kraftfahrzeugen, von 43 auf 93. Leicht gesunken ist die Zahl der Körperverletzungsdelikte (von 2131 auf 2009), wobei die Aufklärungsquote bei 93,4 Prozent lag, weil der Täter zumeist aus dem nahen Umfeld stammt. Im Bereich Raub und räuberische Erpressung stieg die Zahl der Straftaten 2019 um 27 auf 125 Fälle, die Aufklärungsquote lag bei 73,6 Prozent.

Zufrieden sind die Polizeibeamten damit, dass die Zahl der Diebstahlsdelikte und Wohnungseinbrüche deutlich zurück ging, 4634 Diebstähle (minus 389 Fälle) und 1608 Diebstähle unter erschwerenden Umständen (minus 330) wurden registriert.

Dabei hätten die Wohnungseinbrüche sogar einen Tiefstand erreicht. 2019 wurden 224 Fälle bekannt (minus 54). Dies führen die Polizeibeamten unter anderem auf verstärkte Kontrolle (zum Beispiel Schleierfahndung auf Autobahnen) und mehr Präventionsangebote für die Bürger zurück.

Mehr Missbrauchsfälle

Erneut hat die Zahl der registrierten Betrugsstraftaten erheblich zugenommen, um rund ein Viertel im Vergleich zum Jahr davor. Dabei sind die Betrüger vor allem im Bereich Internet aktiv. Immer wieder werden auch Senioren Zielscheibe. Beispiele sind unter anderem der "Enkeltrick", aber auch Schockanrufe und die Masche mit den Anrufen "falscher Polizisten", die Leute auffordern, ihnen über Mittelsmänner Bargeld oder Schmuck oder Goldbarren zukommen zu lassen, um diese "in Sicherheit" zu bringen.

2019 wurden der Polizei rund 460 solcher Trickbetrugsanrufe gemeldet. In 13 Fällen hatten die Täter Erfolg. Dass es bei dieser geringen Zahl von Opfern blieb, führt die Polizei auch auf Kampagnen zurück. Dazu zählt etwa die Aktion "Senioren sind auf Zack". Darüber hinaus sind Bankangestellte aufmerksam, wenn ein älterer Kunde vor ihnen steht, der eine große Summe Geld abheben möchte.

Immerhin gelang es, durch Vermögens- und Fälschungsdelikte fast 1,4 Millionen Euro zu erlangen. Im Vergleich: Bei Wohnungseinbrüchen machten die Täter "nur" eine Beute von rund 97 000 Euro.

Weitere auffällige Steigerungen bei Delikten gab es im Bereich Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung, so wurden mehr Missbrauchsfälle gezählt und eine häufigere Verbreitung pornografischer Schriften. Auch im Umweltbereich gab es mit 62 mehr Straftaten als im Vorjahr (40). Das gilt auch für Widerstand und Schmähungen gegen Polizeibeamte. Hier erhöhte sich die Zahl von 104 auf 124.

Das Polizeipräsidium Osthessen erhielt 27 zusätzliche Stellen. Weitere sollen in diesem Jahr folgen, unter anderem bei der Polizeistation Lauterbach.

Zudem wird die Ausrüstung der Polizisten weiter ergänzt. So erhalten die Polizeibeamten sogenannte "Taser" (Elektroschocker), Body Cams und G38-Sturmgewehre. Im Bereich des Polizeipräsidiums Osthessen sind bereits 18 Body Cams (Kameras an der Kleidung) im Einsatz.

Und dass die Polizei mit modernen Sturmgewehren ausgestattet wird, ist auch eine Konsequenz aus dem Terrorakt von Hanau.

Der Anteil an nichtdeutschen Tatverdächtigen lag laut Auskunft des Polizeipräsidiums Osthessen bei 20 Prozent. Auffallend ist die Quote nichtdeutscher Tatverdächtiger bei sexueller Nötigung (66, 7%) und beim räuberischen Diebstahl (100%). Die größte Gruppe bei nichtdeutschen Tatverdächtigen stellten Polen, gefolgt von Rumänen, Syrern und Afghanen.

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