Eis mit regionaler Milch: Mauro Panizutti in Nieder-Ohmen.
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Eis mit regionaler Milch: Mauro Panizutti in Nieder-Ohmen.

Besondere Milch aus der Region

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Essen aus der Region ist im Trend, davon ist Thilo Junge überzeugt. Milch, Joghurt und Butter von den Kühen vom Selgenhof bei Ulrichstein finden sich in Lebensmittelmärkten und im Eiscafé in Nieder-Ohmen. Das ist Regionalmarketing mit Geschmack.

Kunden von Mauro Panizutti schwören auf das Eis mit der besonderen Milch. Auch Cappuccino und Latta Macchiato werden in dem Eiscafé in Nieder-Ohmen mit besonders hochwertiger Milch aufgeschäumt. Das Besondere ist der Inhalt, denn der Chef des Eiscafés bereitet es mit Rohstoffen vom Selgenhof in Ulrichstein zu. "Einige Leute sagen, das Eis mit der Milch vom Selgenhof schmeckt anders und einfach besser", erklärt Panizutti nicht ohne Stolz. Das ist einer der Gründe, warum er auf regionale Produkte für seine hausgemachten Spezialitäten schwört.

Das freut Thilo Junge, Chef des Selgenhofs, eines Milchviehbetriebs mit 190 Kühen und eigener Molkerei bei Ulrichstein. Er beliefert Geschäfte, Gastronomie und Privatkunden mit Milch, Joghurt, Butter und Buttermilch. Und er ist ein Verfechter von regionaler Wirtschaft.

"Wenn ich dort einkaufe, wo ich lebe, dann können die Strukturen der Region erhalten werden", ist er überzeugt. Menschen, die per Internet einkaufen, sollten sich nicht wundern, wenn in der Großgemeinde nur Discounter überleben können. Dabei ist regionales Essen und Trinken im Trend. "Das Bedürfnis der Kunden nach einem guten Einkaufserlebnis steigt", der Anteil der Billigprodukte in den Geschäften stagniere.

Laden als Treffpunkt

Seit langen Jahren setzt der Selgenhof auf eine eigene Vermarktung. So beliefert der Betrieb rund 70 Lebensmittelgeschäfte, darunter sind solche von Rewe und Edeka sowie Bioläden. Die Initiative Landmarkt des Verbands hessischer Direktvermarkter arbeitet mit Rewe zusammen. In den teilnehmenden Märkten werden Wurst, Käse, Milch und mehr von Direktvermarktern auf einer "Verkaufsinsel" gemeinsam präsentiert.

"Der Vorteil ist, dass der Verbraucher die Produkte aus der Region an einem Platz findet", sagt Junge. Daneben beliefern die Selgenhof-Fahrzeuge viele Privatleute mit Milchprodukten. Dabei hat man einen ziemlichen Radius. Im Rhein-Main-Gebiet bringt der Fahrer öfter einen größeren Warenkorb mit Milch, Naturjoghurt, Butter und Sahne vorbei als bei Kunden in der näheren Umgebung.

Inzwischen spielt neben den Regionalgedanken auch die Debatte um das Tierwohl eine Rolle. Das ist für Thilo Junge ein schwieriges Thema. "Manche Verbraucher denken, man kann Milchkühe wie eine Hauskatze halten." Das ist auch in einem Bio-Betrieb kaum zu leisten.

Auch deshalb bietet der Betrieb immer wieder einen Tag des offenen Stalls an. Regionalmarketing ist Junge wichtig, es muss einiges getan werden, um mehr Menschen davon zu überzeugen, Produkte aus der Umgebung zu kaufen. Da gebe es in Deutschland noch Nachholbedarf. "In Frankreich sind die Leute bereit, mehr für Produkte aus der Region zu bezahlen."

Das Marketing ist für die einzelnen Bauern kaum zu leisten, deshalb ist es gut, wenn Verbände oder der Kreis solche Aufgaben übernehmen. Eine Regionalmarke wie "Vogelsberg Original" kann dabei helfen.

Dabei geht es auch um das Einkaufserlebnis. Die Läden vor Ort sind Plattformen, auf denen die ganze Breite des Sortiments zu haben ist und eben auch das regionale Produkt. Die Händler sind dafür sehr offen, meint Junge. Jetzt geht es darum, mehr Menschen davon zu überzeugen, wie gut die Lebensmittel aus der Region sind.

Dabei leistet auch Mauro Panizutti mit seinem hausgemachten Eis aus Selgenhof-Milch einen Beitrag. Die Produkte der hiesigen Molkerei machen den kleinen Unterschied aus, sei es im Milcheis oder im Cappuccino.

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