Ein besonderer Genuss für die Reisegruppe ist das Staken auf einem der schönsten Wanderflüsse Polens: Eine Paddeltour auf der kristallklaren Krutynia entschleunigt und lässt die Zeit stillstehen.
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Ein besonderer Genuss für die Reisegruppe ist das Staken auf einem der schönsten Wanderflüsse Polens: Eine Paddeltour auf der kristallklaren Krutynia entschleunigt und lässt die Zeit stillstehen.

Bernstein und Flussstaken

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Mücke (pm). Die Jahresfahrt der Gemeinde Mücke führte in diesem Jahr nach Masuren. Rund 45 Teilnehmer erlebten auf der von der Firma Philippi organisierten Reise eindrucksvolle Tage im Nordosten von Polen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der südliche Teil Ostpreußens 1945 unter polnische und der nördliche Teil unter sowjetische Verwaltung gestellt worden. Am 14. Februar 1946 führte die Volksrepublik Polen in ihrem Teil eine Volkszählung durch. 114 000 Bewohner wurden als sogenannte Autochthone erfasst und erhielten - mit der Auflage des Nichtgebrauchs der deutschen Sprache und der Ablegung deutscher Vor- und Familiennamen - ein Bleiberecht. Die übrigen Bewohner Masurens wurden als Deutsche eingestuft und bis auf wenige Ausnahmen vertrieben. Die Ortsnamen wurden ebenfalls geändert, aus Danzig wurde Gdansk, aus Stettin Szczecin und aus Sensburg Mragowo.

Daher war für einige der Reiseteilnehmer diese Fahrt auch eine Begegnung mit der eigenen Geschichte - stammen sie doch aus dieser landschaftlich reizvollen Region. Die Anfahrt erfolgte über Stettin und Danzig. In Danzig begann am 1. September 1939 mit der Beschießung der Westerplatte durch die Deutschen der Zweite Weltkrieg, der im März 1945 der Stadt die Vernichtung brachte. 90 Prozent der historischen Stadt wurden zerstört. Heute sind große Teile wieder aufgebaut und so konnte die Reisegruppe aus Mücke die Altstadt mit Frauengasse und das Wahrzeichen der Stadt, den Krantor, sehen.

Lebendiges Posen

Bernsteinliebhaber kamen in Danzig voll auf ihre Kosten, bereits 1477 entstand in der Stadt die erste Zunft der Bernsteinhandwerker. Die weitere Fahrt führte über das ehemalige Herrschaftszentrum des deutschen Ordens, die Marienburg, größte gotische Backsteinkirche der Welt, weiter nach Sensburg (Mragowo), heute Partnerstadt von Grünberg/Hessen.

Hier verbrachten die Mücker drei Nächte in einem Hotel mit wunderschöner Lage am Seeufer. Ausflüge führten nach »Heilige Linde« und einem beeindruckenden Orgelspiel, zur sogenannten »Wolfsschanze« nach Rastenburg, dem Hauptquartier Hitlers im Zweiten Weltkrieg, und nach Nikolaiken mit einer Schiffsfahrt auf dem Spirdingsee.

Beeindruckend auch der Besuch des liebevoll gestalteten Museums im Forsthaus Kleinort in der Johannisburger Heide, dem Geburtsort des Schriftstellers Ernst Wiechert. Eine kleine, aber schöne Allee aus Spitzahornen führte vom Parkplatz zum Forsthaus. Ein besonderer Genuss für die Reisegruppe war sicher das Staken auf einem der schönsten Wanderflüsse Polens: eine Paddeltour auf der kristallklaren Krutynia entschleunigt und lässt die Zeit stillstehen.

In der Kopernikusstadt Thorn, dank seiner wunderschönen Altstadt Weltkulturerbe der UNESCO, gab es Gelegenheit zum Einkaufen (Pfefferkuchen). Die Studentenstadt Posen beeindruckte durch eine lebendige Kneipenszene zur späten Stunde. Bemerkenswert: Die Stadtführerin hat Verwandte in Flensungen.

Was muss noch erwähnt werden, wenn man Masuren besucht? Störche, Bieber, Wodka, Bigos, ein sangesfreudiger Stadtführer (»Lukas«) und für Freunde des alten ostpreußischen Dialektes - »Marjelschen«. Die Fülle und Schönheit Masurens lässt sich sicher nicht in einer Woche erfahren, aber der Anfang ist gemacht und die Eindrücke dieses schönen Landes werden bleiben.

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