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Vertreter der neuen Organisation zum Holzverkauf aus dem Kommunalwald mit (v. l.) Thomas Groll (Neustadt), RP Christoph Ullrich, Peter Funk (Münchhausen), Andreas Sommer (Mücke), Henning Boßmann (neuer Geschäftsführer), Hendrik Hochhaus und Reiner Diemel (RP Gießen), Bernhard Ziegel (Herbstein) und Edwin Schneider (Ulrichstein).

Baumstämme gemeinsam verkaufen

  • VonJutta Schuett-Frank
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Weite Felder und tiefe Wälder - unter anderem das macht das Besondere am Vogelsberg aus. Wiesen und Bäume sind aber nicht nur Erholungsfaktor, sondern spielen auch wirtschaftlich eine große Rolle. Nachdem Kommunen ihre Wälder nicht mehr über Hessen Forst bewirtschaften lassen dürfen, hat sich jetzt für die südlichen Kreisgemeinden eine Lösung gefunden.

Kommunen müssen neue Wege bei der Holzvermarkung gehen. Was jahrzehntelang die Fachleute von Hessen Forst besorgt haben, geht aus kartellrechtlichen Gründen nicht mehr. Jetzt ist an diese Stelle eine beispielhafte interkommunale Zusammenarbeit getreten, denn die Forstwirtschaftliche Vereinigung Vogelsberg Burgwald (FWV VB) GmbH hat nun seit dem 15. Juli mit Henning Boßmann einen neuen Geschäftsführer.

Dieser Tage trafen sich Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Hendrik Hochhaus und Reiner Diemel (beide RP Gießen), der neue Geschäftsführer Henning Boßmann und die Rathauschefs Thomas Groll (Neustadt), Bernhard Ziegler, (Herbstein) Peter Funk (Münchhausen), Edwin Schneider (Ulrichstein) und Andreas Sommer (Mücke).

Aufgrund der Vorgaben des Bundeskartellamts bestand die Notwendigkeit, dass die Holzvermarktung in Hessen neu organisiert wird. Dies dient der Neubelebung des Marktes, musste aber auch erst einmal organisiert werden. Es bestand die Übereinkunft, dass Hessen Forst die Holzvermarktung als Dienstleistung für Kommunal- und Privatwald mit einer Größe von über 100 Hektar nicht mehr anbieten darf.

Aufgrund dieser Tatsache ist es in der Region Vogelsberg-Burgwald seit dem 1. Januar nicht mehr möglich, den Holzverkauf durch Hessen Forst durchführen zu lassen. So wurden neue Weichen in Sachen Holzvermarktung gestellt, und federführend war dabei Bürgermeister Bernhard Ziegler beteiligt, der dann auch nach der Gründung die Geschäftsführung übernahm. Somit waren die Voraussetzungen geschaffen, die Holzvermarktung für die Gesellschafter und die Mitglieder eigenverantwortlich auf Basis der Selbsthilfeorganisation der Waldbesitzenden in der Region Vogelsberg-Burgwald zu entwickeln und durchzuführen.

Dieser Tage traf man sich nun in »Hessens Grüner Mitte« in Mücke-Nieder-Ohmen. Bürgermeister Andreas Sommer trat als Gastgeber auf, und das Treffen sollte eigentlich im Wald stattfinden, doch den Wetterprognosen folgend, hatte man die Veranstaltung kurzfristig in das Dorfgemeinschaftshaus verlegt.

»Man habe keinen Holzweg eingeschlagen«, so berichtete Bernhard Ziegler und dankte seinem »fachkundig ausgebildeten Förster-Bürgermeisterkollegen« Sommer aus Mücke für das Ausrichten der Veranstaltung.

In seiner kurzen Ansprache machte Ziegler deutlich, dass das Preisniveau im Bereich Holz angezogen habe, aber beim eigentlichen Waldbauern sei davon nichts zu spüren. Hausherr Sommer freute sich darüber, dass man nun den gemeinsamen Holzverkauf von vielen Kommunen auf den Weg gebracht habe.

Diese neue Forstwirtschaftliche Vereinigung sei nun vom Regierungspräsidium genehmigt worden, und wichtig sei es auch, dies der Öffentlichkeit zu präsentieren. Mit nun fast 29 000 Hektar sei dieser Zusammenschluss der Forstwirtschaftliche Vereinigung Vogelsberg Burgwald (FWV VB) GmbH eine der größten Vereinigung, und er selbst halte dies für eine sehr gute Variante, stellte RP Dr. Ullrich heraus. Mittlerweile seien die Flächen Kalamitätsflächen schon ein wenig grün und nicht mehr so grauselig anzusehen, meinte Ullrich. Die Vorbereitungen zum Aufforsten seien im vollen Gange. Die Vorgabe der Nachhaltigkeit sei im Wald schon immer gegeben gewesen, denn einen bewussten Mehreinschlag könne und dürfe es nicht geben. Die neue Forstwirtschaftliche Vereinigung sei ein Vorzeigeprojekt für die interkommunale Zusammenarbeit, betonte Ullrich.

Bernhard Ziegler, Gründungsgeschäftsführer meinte, dass es eine große Aufgabe gewesen sei, den Weg für die neue Forstwirtschaftliche Vereinigung zu bereinigen. Er habe dies aber mit viel Herzblut gemacht, denn die Waldbewirtschaftung sei in seinen Augen eine ganz wichtige Sache. »Der Prozess ist nun eingeleitet«, konstatierte Thomas Groll, »und es wird eine gute Verbindung sein«. Sommer fragte den neuen Geschäftsführer Henning Boßmann, wie er sich das Arbeiten in der großen Fläche vorstelle. Er habe ein sehr gutes PC-Programm, äußerte Boßmann, und so könne man das Thema Fichten auch aus dem Homeoffice heraus bearbeiten. Jedoch beim Laubholz, so berichtete der junge Förster und Geschäftsführer, müsse man vor Ort sein. Auch muss er sein neues Waldgebiet erst einmal kennenlernen. »Für die Kommunen ist ja nun alles in trockenen Tüchern«, fasste Bürgermeister Edwin Schneider zusammen. Er würde sich freuen, wenn auch der kleine Privatwaldkunde, der noch in der Luft hänge, Anschluss finden würde.

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