Die Gruppe der über 40-jährigen Männer in der Ahmadiyya-Gemeinde spendet und pflanzt als Geste der Freundschaft und des Friedens in Kommunen Bäume, jetzt auch auf einem Spielplatz in Nieder-Ohmen. Dabei legt Bürgermeister Andreas Sommer (M.) als Fachmann Hand an. FOTO: PM
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Die Gruppe der über 40-jährigen Männer in der Ahmadiyya-Gemeinde spendet und pflanzt als Geste der Freundschaft und des Friedens in Kommunen Bäume, jetzt auch auf einem Spielplatz in Nieder-Ohmen. Dabei legt Bürgermeister Andreas Sommer (M.) als Fachmann Hand an. FOTO: PM

Ein Baum für Freundschaft und Frieden

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Muslimische Gruppen werden in deutschen Medien oft in einem negativen Zusammenhang erwähnt. Das ist in Mücke anders. Dort haben erste Kontakte schon eine gedeihliche Zusammenarbeit in mehreren Fällen ergeben.

Bürgermeister Andreas Sommer kam ins Schwärmen: "Das war eine tolle Veranstaltung mit guten Gesprächen. Der Islam ist keine Religion der Gewalt." Das hatte Sommer in den vergangenen Wochen gleich mehrfach in Ausschusssitzungen berichtet. Der Bürgermeister bezog sich dabei auf eine Einladung zu einem Neujahrsempfang der muslimischen Gemeinde Mücke/Grünberg, die der Gruppierung Ahmadiyya Muslim Jamaat KdöR (AMJ) zuzurechnen ist. Das ist eine Reformgemeinde im Islam, die ihren Ursprung in Indien hat.

Der erste Kontakt zu dem in Mücke weitgehend unbekannten muslimischen Zusammenschluss hatte in der Folge gleich mehrere konkrete Ergebnisse der Zusammenarbeit. So stimmte der Ortsbeirat Nieder-Ohmen geschlossen dafür, dass die rund ein Dutzend Personen zählende Frauengruppe der AMJ-Gruppe das Sitzungszimmer im alten Rathaus für regelmäßige Treffen alle zwei Wochen nutzen kann.

Dieser Tage wurde die Verbundenheit durch eine gemeinsame Baumpflanzung ebenfalls in Nieder-Ohmen nach außen sichtbar. Hintergrund ist, dass die Unterorganisation "Majlis Ansarullah", in der Männer ab 40 Jahre aktiv sind, unter anderem eine sehr erfolgreiche Initiative ins Leben gerufen hat. Sie spendet und pflanzt als Geste der Freundschaft und des Friedens in Städten und Gemeinden Bäume. Bis jetzt wurden bundesweit über 800 solcher Baumpflanzaktionen durchgeführt. Dies erfolgte jetzt am Dienstag auch in Mücke. Auf Anfrage von Kaleem Ullah Gondal genehmigte Bürgermeister Sommer die Baumpflanzung und benannte als möglichen Standort einen Spielplatz in Nieder-Ohmen.

Die Großgemeinde war vertreten durch Bürgermeister Andreas Sommer und den Ersten Beigeordneten Bernd Schwebel. Die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde waren überrascht über den persönlichen Einsatz von Bürgermeister Sommer, denn er hatte selbst den Baum, die Holzpfähle, den Dünger, die Latten und den Zaun besorgt. Auch das entsprechende Werkzeug hatte er nicht vergessen. Aber wer weiß, dass Sommer in seinem Berufsleben überwiegend Förster war und in Nieder-Ohmen dem Obst- und Gartenbauverein vorsteht, kann die kenntnisreiche Organisation nachvollziehen.

Gemeinsam wurde die Pflanzung dann vorgenommen. Bei dem Baum handelt es sich einen Apfel der Sorte "Alkmene", ein süßfruchtiger, aromatischer Herbstapfelbaum, der in rund drei bis vier Jahren auch Früchte tragen wird. So bietet er eine schöne Möglichkeit für die Besucher des Spielplatzes, sich zu verköstigen.

Seitens der AMJ waren die ortsansässigen Familien und Gäste aus der Zentrale in Frankfurt gekommen. Eine besondere Ehre war die Anwesenheit des jungen Imams für den Vogelsbergkreis, Arslan Sindhu. Auch einige Nachbarn kamen spontan zur Baumpflanzung. Rafique Khawaja, Leiter für Soziale Dienste, bedankte sich beim Bürgermeister für die gemeinsame Aktion und auch bei den Verantwortlichen der Ahmadiyya-Gemeinde für ihre Initiative. Bürgermeister Sommer lobte den Einsatz der Ahmadiyya-Gemeinde und bot weitere Aktionen auf lokaler Ebene an. Anschließend luden die Verantwortlichen und Kaleem Ullah Gondal zur gemeinsamen Stärkung ins alte Rathaus ein. Es gab pakistanische Spezialitäten sowie Kaffee und Kuchen.

Mitglieder der AMJ sind gut in die Gesellschaft integriert, die jüngeren Generationen haben einen überdurchschnittlichen Bildungsgrad und alle engagieren sich, gemäß ihrer Lehre, sehr für Verständigung und gemeinnützige Projekte in Deutschland. In Mücke war ein Mitglied mal in einer Fraktion aktiv.

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