Die Hauptstelle der VR Bank HessenLand in Alsfeld. FOTO: JOL
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Die Hauptstelle der VR Bank HessenLand in Alsfeld. FOTO: JOL

Bank setzt auf digitale Angebote

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Finanzbranche steht unter Druck, doch mit konsequentem Sparen lässt sich Geld erwirtschaften, das für neue Geschäftsfelder nötig ist. So präsentiert sich die VR Bank HessenLand mit der Jahresbilanz 2019. Sie setzt auf weniger Personal, mehr digitale Angebote und Einnahmen über Tochterfirmen.

Als erfolgreich in turbulenten Zeiten präsentiert sich die VR Bank HessenLand mit ihrer Jahresbilanz 2019. Mehr Kundenkredite, gefragte digitale Angebote und Einnahmen aus Immobilien machen den deutlichen Rückgang im Zinsgeschäft wett. So ist die Ertragslage durch geringe Kosten gut, wie Vorstandsvorsitzender Helmut Euler sagte. Um einen Euro zu verdienen, müssen 58 Cent ausgegeben werden - das ist im bundesweiten Vergleich ein Spitzenwert, ergänzt Vorstand Ralph Kehl. Auf der anderen Seite baut man Personal ab, auf Vollzeitstellen umgerechnet hat die Bank 190 Beschäftigte, nach 198 im Vorjahr und 213 im Jahre 2017.

Im klassischen Kreditgeschäft kann die VR Bank nicht mehr viel holen, so Euler. Die Zinsen für einen Immobilienkredit liegen aktuell unter zwei Prozent. Die Kundeneinlagen stiegen um sechs Prozent auf 1,79 Milliarden Euro. Ein Plus von 15 Prozent gab es bei Kreditzusagen, 211 Millionen Euro vergab die VR Bank. Dem gegenüber stehen die Tilgungen alter Kredite, die meist einen höheren Zins einbringen. Deshalb wuchs das Volumen der Kundenforderungen nur um vier Prozent auf 1,01 Mrd. Euro.

Für Geld auf dem Konto gibt es keine Zinsen, deshalb raten die Bankmitarbeiter, Geld bei Partnerunternehmen anzulegen. Die Einlagen der Kunden in diesem "außerbilanziellen Bereich" stiegen um 12,4%.

Helmut Euler beschrieb die Strategie so: Die Erträge gehen zurück, gleichzeitig wird viel Geld für Digitalisierung benötigt. Da zahle es sich aus, dass vor Jahren mit einem Sparprogramm begonnen wurde, weshalb nun in neue Bereiche investiert werden kann.

Ein Beispiel ist die digitale Girocard, eine Kreditkarte, die auf dem Smartphone abgespeichert ist. Beim Bezahlen im Geschäft hält man das Mobiltelefon an den Terminal und lässt abbuchen. Im Januar 2019 waren 319 dieser Digi-Cards installiert, im Dezember bereits 600. Die Zahl der Transaktionen stieg von 19 600 auf knapp 100 000, sagt Vorstand Werner Braun. Auch die Banking-App wird immer stärker genutzt, Ende 2019 gab es bei der VR Bank HessenLand 8350 Nutzer, die fast 9800 Transaktionen damit ausführten.

Damit sinkt die Frequenz in den 16 Geschäftsstellen, doch zunächst ist kein weiterer Abbau geplant. Wichtig ist den Bankvorständen, dass Berater per Telefon und Internet bereit stehen. "Und wenn eine Seniorin nicht mehr mobil ist, ruft sie bei uns an und ein Geldbote kommt vorbei", verspricht Vorstand Helmut Euler. Im Wachstum ist der Immobilienbereich mit Studentenwohnungen in Marburg, einem Gebäude für die Drogerie Rossmann in Homberg und den Hauptsitz einer Logistikfirma. Das geplante Investitionsvolumen liegt bei 81 Mio. Euro für 21 Objekte. Daraus erlöst die Bamk 1,9 Mio. an Erträgen. Die VR Bank setzt zudem auf Tochtergesellschaften, um Dienstleistungen für Privat- und Firmenkunden abzudecken. So hat Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain 158 Mitarbeiter und einem Umsatz von 88 Millionen Euro. Relativ jung sind die Hausverwaltung mit sechs Mitarbeitern, eine Firma für IT-Sicherheit und eine für Datenschutz. Neu ist ein Handwerkerservice rund um die Immobilien.

Für die Zukunft fühlt man sich gerüstet, denn man habe früh angefangen, Kosten zu senken. In diesem Jahr will die Bank das schon im Vorjahr angekündigte digitale Sparschwein "MyPiggy" auf den Markt bringen.

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