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Grünen-Landtagsabgeordnete Eva Goldbach mit Axel Norgall, Leiter des Forstamtes Schotten, im Revier Schellnhausen. Sie will sich ein Bild vom Zustand des Waldes nach Stürmen, Trockenheit, Käfer- und Pilzbefall machen.

Bäume für die Zukunft fit machen

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Feldatal (pm). Mitglieder der Vogelsberger Grünen, die heimische Landtagsabgeordnete Eva Goldbach sowie einige interessierte Bürger besichtigten dieser Tage ein Waldgebiet des Forstamts Schotten im Revier Schellnhausen. Sie wollten sich ein Bild machen vom Zustand des Waldes nach Stürmen, Trockenheit, Käfer- und Pilzbefall und unterschiedlich bewirtschaftete Flächen ansehen. Axel Norgall, der Leiter des Forstamts Schotten, führte die Gruppe zu ausgewählten Bereichen dieses Waldgebietes, in dem sich auch eine der Kernflächen Naturschutz befindet. Hier wird der Wald nicht mehr bewirtschaftet, er kann sich natürlich entwickeln. Es werden keine Bäume entnommen, das Totholz bleibt liegen.

So können Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten entstehen. Das hessische Umweltministerium hat das Ziel erreicht, zehn Prozent des Staatswaldes in Hessen aus der Bewirtschaftung herauszunehmen. Die Ausweisung der Naturwaldflächen erfolgte im Rahmen der FSC-Zertifizierung, die eine wald- und bodenschonende Arbeitsweise vorschreibt und Pestizideinsatz nur im Notfall erlaubt.

Norgall zeigte der Gruppe ein bewirtschaftetes Waldstück, einen Mischwald mit dreischichtigem Aufbau. Er erklärte, dass es sich hier um einen Dauerwald handelt, aus dem nur einzelne Bäume entnommen werden, nur so viele, wie wieder nachwachsen, um die Lücke zu schließen. Gerade in trockenen Jahren sei es wichtig, ein geschlossenes Blätterdach zu erhalten, damit keine Flächen ohne Schatten entstehen, was die Austrocknung beschleunigen würde. Ziel sei es, widerstandsfähige Baumgesellschaften zu fördern. Auch bei Starkregen sei das Blätterdach wichtig, um das Abschwemmen von Boden zu verhindern.

Aber auch in dem insgesamt gesunden Mischwald finden sich vereinzelt Bäume mit Käfer- und Pilzbefall, das war an einer Buche deutlich zu erkennen. Diese Bäume müssen gefällt und aus dem Wald geschafft werden. Im Bereich des Forstamts Schotten wurden von 150 Hektar geschädigter Fläche 130 Hektar bereits neu bepflanzt.

Die Besuchergruppe erfuhr, dass auf einer größeren Fläche Buchen dem Sturm zum Opfer gefallen waren. Hier ließ man Eschen als Pionierpflanzen nachwachsen, damit die freie Fläche schnell wieder bewachsen war und Austrocknung oder Erosion vorgebeugt werden konnte. Diese Eschen wurden jedoch von einem Pilz befallen, der das Eschentriebsterben zur Folge hat. Das war an einigen größeren Exemplaren deutlich zu erkennen. Norgall betonte, dass die bisherigen Kenntnisse und Erfahrungen der Forstwirtschaft nicht mehr reichen, um Baumarten und -gesellschaften zu definieren, die an den Klimawandel und Wetterextreme möglichst gut angepasst sind. Es würden Versuchsanpflanzungen vorgenommen mit heimischen Baumarten, aber auch zum Beispiel mit Douglasie, Küstentanne, Roteiche und Baumhasel. Letztere wächst in Südosteuropa und in der Türkei. Sie hält Trockenheit, Hitze, aber auch extreme Kälte gut aus. Es solle eine breite Palette an Waldbauformen und Baumartenmischungen angestrebt werden. "Das Land erarbeitet ein Wiederbewaldungsprogramm", so Eva Goldbach. Zusammen mit Forstexperten und Wissenschaftlern werde ein Umbau des Waldes geplant, sodass dieser stabil gegenüber den veränderten klimatischen Bedingungen wird. Goldbach betonte, dass zurzeit der Erhalt gesunder Wälder und Böden Vorrang vor der Wirtschaftlichkeit habe. Wald müsse in seiner Funktion als CO2-Speicher, Sauerstoffproduzent, Staubfilter und Wasserspeicher erhalten werden. Das Land stelle hierfür und für die Beseitigung und Verarbeitung von Schadholz Ausgleichszahlungen in Millionenhöhe bereit, auch für private Waldbesitzer.

Hessen Forst braucht Personal

Claudia Mävers, Försterin und Grünen-Mitglied, gab an Eva Goldbach die Forderung der Forstämter nach mehr Personal weiter. "Die Aufgaben werden schwieriger und vielfältiger, deshalb brauchen wir kleinere Einheiten von zu betreuenden Flächen. Nur so können wir zum Beispiel frühzeitig geschädigte Bäume erkennen." Mit Norgall war sie sich einig, dass jedes Gebiet einzeln betrachtet werden müsse, da die Standortbedingungen unterschiedlich seien. Niemand wisse genau, wie der Klimawandel sich in der Zukunft auf den Wald auswirken werde. Eva Goldbach sagte, es seien Neueinstellungen geplant.

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