Eine Autobahn spaltet die Region: Hier weist ein kopiertes Blatt Papier im Dannenröder Forst auf Bäume am künftigen Trassenverlauf hin. Beim Homberger NABU wird ebenfalls über den Umgang mit den Autobahnprotesten gestritten. FOTO: DPA
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Eine Autobahn spaltet die Region: Hier weist ein kopiertes Blatt Papier im Dannenröder Forst auf Bäume am künftigen Trassenverlauf hin. Beim Homberger NABU wird ebenfalls über den Umgang mit den Autobahnprotesten gestritten. FOTO: DPA

Autobahn spaltet auch den NABU

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Der umstrittene Bau der A 49 sorgt für viel Unmut. Aktuell bei der Ortsgruppe Homberg des Naturschutzbunds (NABU) zu verfolgen. Während die einen gegen das aus ihrer Sicht unsinnige Projekt kämpfen wollen, sehen andere darin eine vergebliche Mühe.

Es kriselt derzeit schwer im Vorstand der NABU-Gruppe Homberg. Das wird angesichts einer Einladung zur Jahreshauptversammlung am kommenden Freitag nach Ober-Ofleiden deutlich. Veröffentlicht wurde die Einladung in zwei Ausgaben im Bekanntmachtungsblatt der Stadt, unterzeichnet mit "Der Vorstand". Die zweite Einladung enthält den Zusatz, dass die Versammlung wegen der Corona-Auflagen und wieder steigender Infektionszahlen auf 2021 verschoben wird.

Auf Nachfrage der Alsfelder Allgemeinen Zeitung sagt NABU-Vorsitzende Carmen Rotter, der gesamte geschäftsführende Vorstand sei zurzeit anderer Meinung als Karl-Heinz Zobich, der die Einladung ursprünglich bekannt gemacht hatte. Dieser sei als Beisitzer im Vorstand nicht vertretungsberechtigt. Die Jahreshauptversammlung werde am Freitag nicht stattfinden, so Rotter. "Die Einladung ist gegenstandslos, da sie nicht satzungsgemäß erfolgt ist, weil ich als Vorsitzende einladen müsste und dies schriftlich." Auch habe sich Zobich den alleinigen Zugang zur Homepage nabu-naju-homberg.de gesichert und damit "dem restlichen Vorstand jegliche Möglichkeit genommen, darauf etwas zu kommunizieren".

Eigentlicher Hintergrund für die aktuelle Auseinandersetzung ist der Bau der Autobahn 49, zu dem es offenkundig schon länger unterschiedliche Meinungen in der Homberger Naturschutzgruppe gibt.

Der gewählte Vorstand ist laut Carmen Rotter der Auffassung, sich aus der laufenden Debatte herauszuhalten, dies sei auch so mit dem Landes-NABU abgesprochen. Man sei zwar grundsätzlich gegen den Bau in der jetzigen Form, wolle sich aber nicht an Protestaktionen beteiligen, "die aus unserer Sicht derzeit drohen zu eskalieren". Angesichts möglicher gewalttätiger Konfrontationen im Dannenröder Forst verweist Rotter auf die Satzung des NABU, die auf die Gesetze der Bundesrepublik verpflichtet. Sie sieht sich mit anderen Vorstandsmitgliedern und Landesverband einig, "dass die Autobahn kommt und nicht mehr verhindert werden kann".

Der NABU selbst hatte 2012 gegen die Planung geklagt und verloren und habe sich deshalb der Klage des BUND aus diesem Jahr nicht mehr angeschlossen. "Das ist gelaufen," so Rotter, die glaubt, dass die meisten der 200 Mitglieder der NABU-Gruppe ähnlich denken.

Vor diesem Hintergrund solle der NABU seine "Kräfte jetzt anderweitig einsetzen". Es gebe in Homberg viel zu tun. Rotter bescheinigt Karl-Heinz Zobich ein sehr großes Fachwissen, insofern sei es bedauerlich, wenn man einer Linie folge, die darauf aus sei, die Gegenseite zu verklagen und sich nicht mehr auf die praktische Arbeit richte. "Wir sollten Zeit und Nerven nicht länger auf einen sinnlosen Kampf gegen das Autobahnprojekt verwenden, auch wenn keiner darüber jubelt, dass die Autobahn kommt."

Die jetzigen Proteste kämen zu spät, um etwas zu erreichen, es hätte ähnlich wie im Marburger Land früher mobilisiert werden müssen, glaubt die NABU-Vorsitzende.

Karl-Heinz Zobich verteidigt auf Anfrage seine ablehnende Haltung gegen den Autobahnbau. Er hält es für grundlegend falsch, aufgrund formaler Gerichtsurteile "einfach da weiterzumachen, wo man vor 40 Jahren aufgehört hat". Ihm geht es auch um ein Stimmungsbild der NABU-Mitglieder: "Ist die Mehrheit nun für oder gegen die Autobahn?" Wenn sich eine Mehrheit dafür ausspreche, dann werde er ein solches Votum anerkennen. Zobich sagt, er sei in einer Sitzung des Vorstands beauftragt worden, zur Jahreshauptversammlung einzuladen. Das sei auch fristgerecht geschehen. Nachträglich sei dies dann zurückgenommen und die Versammlung abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben worden.

Er sei aber zu dieser Vorstandssitzung nicht eingeladen gewesen, was als er als "Mauschelei" empfindet, denn man habe bewusst einen Teil der Vorstandsmitglieder außen vor gelassen. Zudem sei er zu diesem Zeitpunkt wegen des Gerichtsverfahrens zum Autobahnbau noch in Leipzig gewesen. Die ganze Situation sei sehr unglücklich, "aber nicht bedingt durch mein Handeln", so Zobich. Wenn innerhalb der Landungsfrist ein neuer Termin angesetzt wird, sei ihm das recht.

Die Corona-Pandemie sei kein Hinderungsgrund, auch andere Veranstaltungen und Hauptversammlungen fänden statt. In der Sitzung soll es unter anderem darum gehen, ob die NABU-Gruppe ihren Wirkungsbereich auf Gemünden ausdehnt.

Zum Streitpunkt Zugang zur Homepage sagt Zobich, er habe vor einiger Zeit eine Mitarbeiterin beauftragt, die Seite zu betreuen, nachdem sich längere Zeit niemand dafür gefunden hatte. Die Mitarbeiterin sei aber in der Sitzung gewesen, wo der aus seiner Sicht falsche Beschluss getroffen wurde, die Versammlung am Freitag abzusagen. Daraufhin habe er das Kennwort geändert. Jetzt will er es darauf ankommen lassen und schauen, "wie es am Freitagabend ausgeht".

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