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Auf den Ausschnitt kommt es an

  • Rolf Schwickert
    vonRolf Schwickert
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Eine Antilope kann jeder in Afrika fotografieren. Aber symmetrisch flankiert von zwei Elefanten? Dafür bracht der Fotograf Glück und Geduld. Und bei der Nachbearbeitung den Blick für den goldenen Schnitt. Denn Hobbyfotograf Ulrich Fritzges bearbeitet alle seine Bilder nach. Doch bei aller Technik: Man muss erst mal das richtige Motiv entdecken, sagt der Merlauer im Interview.

Herr Fritzges, wie sind Sie zum Hobby Fotografieren gekommen?

Mit einer "kleinen Knipskiste" von Photo Porst fing das Interesse während der Bundeswehrzeit an. Das war schon eine Kamera mit Rollfilm im Format 24 mal 36 Millimeter mit 36 Bildern. Ursprüngliches Interesse waren Perspektiven bei Zeichnungen oder Bildern, wie man sie von Leonardo da Vinci kennt. Bei seinen Malereien hatte er das unheimlich gut drauf mit den Perspektiven.

Wie entwickelte sich Ihre Ausrüstung dann mit der Zeit weiter?

In der Studienzeit kaufte ich mir dann eine Canon A 1, das war damals das Non plus Ultra, ein Vollautomat. Ich habe mir in der Folge mehrere Objektive über Kleinanzeigen der Zeitung gekauft, meist original Canon wie ein 70-210er mit den dunklen Ecken und ein 28er. Viele Teile davon habe ich zwar noch und auch Adapter dafür, aber ich setzte die Sachen heute nicht mehr ein. Das ist auch eine Frage der Qualität. Deshalb habe ich mir damals auch das Gehäuse einer AE 1 gekauft, um nicht so oft Objektive wechseln zu müssen. Denn bei jedem Wechsel kann Schmutz ins Gehäuse gelangen.

Welche Motive haben Sie am Anfang geknipst?

Das waren zuerst Bilder in der Familie, später, als die Kinder kamen selbstverständlich den Nachwuchs, die Urlaube. Von der Qualität her war das allerdings nicht so, dass man wesentliche Vergrößerungen hätte machen können. Interessiert haben mich auch Motive nachts und in der Dämmerung, aber die Qualität war nicht besonders. Die Blitzfotografie war für mich nie interessant, denn sie verfälscht die Farben.

In Ihrer Wohnung hängen kaum Urlaubsbilder.

Nach einem Schwedenurlaub habe ich mal was vergrößern lassen, die Bilder hingen auch eine Zeit lang in der Wohnung. Nach mehreren Fehlversuchen habe ich jetzt auch eine Firma gefunden mit einem vernünftigen Material. Sonst hat man immer das Problem, dass die Vergrößerungen ein anderes Format aufweisen, als mein Bild. Ich schneide die Motive ja nachträglich immer so zu, wie ich es haben möchte. Da kann man nicht einfach eine Wolke oder einen Berg beschneiden.

Haben sie die Bilder aus den ersten Jahren noch?

Ja, viele habe ich digitalisier. Früher habe ich meist Dias gemacht, und die Familie hat dann immer schon schief geguckt, wenn ich mit dem Diaprojektor kam..." (lacht)Wenn Leute das sehen, die im Urlaub nicht dabei waren, kann das langweilig sein. Wenn ich allerdings Präsentationen von 20 Minuten Länge mache, stößt das schon auf Interesse. Dazu läuft passende Musik im Hintergrund.

Was ist passende Musik für welches Motiv?

Wenn ich den Kraterrand eines Vulkans in Mittelamerika zeige, gibt es was Dramatisches. Bei einer Präsentation mit der transsibirischen Eisenbahn und vom Baikalsee habe ich russische Weisen hinterlegt. Bilder aus Peking werden von typisch chinesischer Musik begleitet.

Wie aufwendig sind solle Zusammenstellungen?

Die Musik dauert länger, als die Bilder zusammenzustellen. Bei den Bildern, die einer manuellen Bearbeitung bedürfen, dauert das vielleicht eine halbe Minute oder bis zu zwei.

Sie reisen sehr viel, waren in Neuseeland, Afrika und Asien. Suchen Sie sich die Reiseziele nach möglichen Motiven aus?

Aus Fotogründen habe ich noch nie eine Reise ausgewählt. Ich brauche nur aus dem Haus zu gehen, ein Motiv gibt es immer. Und die Fotoausrüstung ist immer dabei.

In welchen der touristischen Topziele waren Sie noch nicht?

Das Schwarze Meer steht noch mal an. Australien interessiert mich beispielsweise gar nicht. Denn bei Pflanzen und Tieren bin ich ganz dicht dran, und in Australien gibt es ganz viele giftige Tiere. Das kann dann auch mal schief gehen, je nach Tier. In Namibia bin ich mal einer schwarzen Mamba hinterher, aber die hatte glücklicherweise mehr Angst als ich und ist mit einem Affenzahn ins Gebüsch. Wenn sie in dem Tempo hinter mir her gewesen wäre, hätte ich keine Chance gehabt. Das Bild ist übrigens nichts geworden.

In Namibia hatten Sie Glück für sich, aber das Bild wurde nichts. In welchem beispielhaften Fall hatten Sie mal Glück und ein Bild im Kasten?

Das war an den Niagarafällen. An der Rainbowbridge war ich viermal gewesen, aber immer verdeckte der Dunst den Regenbogen. Dann kam der Wind von der anderen Seite, verdrängte den Dunst, und mir gelang das Foto.

Auch nach einem gelungenen Schnappschuss bearbeiten Sie Bilder, warum?

Bei unbearbeiteten Bildern ist mir einfach zu viel UV-Dunst drin. Das macht keinen Sinn, dafür ist Bearbeitung da. Natürlich muss das Bild erstmal gut sein. Man kann nicht aus einem schlechten Foto ein gutes machen.

Was antworten Sie, wenn Sie jemand fragt, was einen guten Fotograf ausmacht?

Der entscheidende Punkt: Es liegt nicht an der Ausrüstung. Man muss den Blick haben für Motive. Motive können vielfältig sein. Wenn jemand in einer Wolke ein Bild sieht, beispielsweise einen Elefanten, dann kann das ein guter Fotograf werden.

Haben Sie ein Lieblingsbild?

Das ist schwierig, Aber auf dem Laptop ist ein Ordner Superbilder benannt. Da gibt es also einige. Als Motiv hätte ich gerne noch einen Vulkan richtig im Ausbruch, da müsste ich mal nach Südeuropa fahren.

Auf ihren Bildern sind auch Personen, aber es ist nie der Mensch im Vordergrund.

Als Beiwerk sind Personen da, aber ich fotografiere Menschen nicht so, dass es vernünftige Bilder gibt. Personen richtig gut zu fotografieren, da müsste die Person mitspielen, und das funktioniert meistens nicht.

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