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Ruhige Dörfer und eine gute Infrastruktur, wie die Apotheke (l.) in Groß-Felda, kommen in Feldatal zusammen.

Auf eine gute Infrastruktur aufbauen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsplätze und der Naturschutz sind im politischen Feldatal immer wieder die großen Themen. Dabei bietet die Gemeinde gute Bedingungen für Menschen, die von zu Hause aus arbeiten wollen, wie die Freie Wählergemeinschaft und die Bürgerliste Feldatal betonen, die sich am 14. März zur Wahl stellen. Ein Problembereich bleiben die Straßenbeiträge.

?Was kann die Kommunalpolitik tun, um den Bevölkerungsschwund umzukehren?

Freie Wähler: Die Frage, was die Kommunalpolitik tun kann, um den Bevölkerungsschwund umzukehren, ist nicht einfach zu beantworten. Die Entwicklung der Einwohner ist von 2010 bis 2020 in etwa der Größenordnung der Einwohnerzahl in Köddingen zurückgegangen. In den letzten Jahren haben sich Bürger aus verschiedenen Regionen in Deutschland für ein Leben im Feldatal entschieden. Zu dieser Entscheidung hat neben den bezahlbaren Immobilien die gute Infrastruktur (Ärzte, Apotheke, Schule, Kindertagestätten, Lebensmittelmärkte, Schwimmbad, Vereinsangebote und gute Internetanbindung) beigetragen. Hier bleibt es die Aufgabe für die Kommunalpolitik, dies alles zu erhalten und auszubauen. So gilt es jetzt, sich nicht auf der guten Internetanbindung auszuruhen, sondern auch hier weitere Investitionen zu unterstützen. Wir müssen Ideen und Konzepte für die Ortsentwicklung erarbeiten. Wie möchten junge Familien und Senioren leben? Wie sollen die Ortskerne aussehen? Auch müssen wir versuchen, Bestandsimmobilien zu vermarkten, Baulücken zu schließen und neue Angebote für Bauinteressierte zu schaffen.

Bürgerliste: Wir müssen noch mehr als bisher die Vorteile des Feldatals deutlich machen. Wir haben eine gute Infrastruktur, die es zu erhalten gilt, sowie Kindergärten und die Grundschule. Durch die Möglichkeiten von Homeoffice, die aktuelle gute Internetabdeckung über Vectoring, welche wir zu Breitband bewegen müssen, ist Feldatal ein idealer Wohnort für Familien. Wir müssen an den Ortskern-erhalt und das Schließen von Baulücken gehen. Gemeinsam mit den Ortsbeiräten innovative und neue Lösungen diskutieren und diese auf den Weg bringen. Feldatal liegt sehr gut, man ist in 15 Minuten auf der Autobahn in Alsfeld oder Homberg (Ohm), aber es ist auch nicht weit bis Gießen, Marburg und Fulda. Jungen Familien winkt ein schönes Leben auf dem Land und die Zeit nach Corona wird weiter von Homeoffice geprägt sein. Ein weiterer Punkt ist ein Neubaugebiet, hierzu gab es 2019 einen Antrag. Dieses Vorhaben war jedoch mit dem alten Parlament nicht umsetzbar, die Bürgerliste will aber an der Sache dranbleiben.

?Feldatal liegt im geplanten Naturschutzgebiet des Landes. Was bedeutet das für die wirtschaftliche Entwicklung?

FWG: Im Feldatal liegt ein Naturschutzgebiet von 406 Hektar zwischen Schellnhausen und Ehringshausen. Es besteht bereits seit 1993. Weitere Flächen im Hessenforst sind schon seit zehn Jahren als Naturwald ausgewiesen. Hier bleibt der Wald sich selbst überlassen und wird nicht bewirtschaftet. Um diese Flächen dauerhaft zu schützen, sollen sie teilweise zu Naturschutzgebieten erklärt werden. Daher ist geplant, das bestehende Naturschutzgebiet im Feldatal um rund 120 Hektar zu vergrößern. Spaziergänger und Naturfreunde sind im Wald weiterh willkommen. Wir begrüßen das Projekt, da dies das Feldatal zu einem Freizeitgebiet mit mehr Tourismus weiter entwickeln kann.

BüLi: Zu diesem Thema wurde ein Antrag bezüglich der Neuausweisung eines Gewerbegebietes gestellt. Das Ergebnis war zwar nicht unbedingt so wie gewünscht, aber die Gemeindevertreter haben eine interessante Einschätzung des Planungsbüros Geisler erhalten. Feldatal ist nicht für Industrie oder große Gewerbeansiedlungen vorgesehen, die Landwirtschaft ist bei vielen Flächen bevorrechtigt. Mit diesem Ergebnis muss gearbeitet werden, denn auch hier gibt es Chancen - Stichwort Tourismus beispielsweise. Anhand dieser beiden Anträge kann mant sehen, dass es sich lohnt, Ideen zu formen und in die Gemeindevertretung einzubringen. Das Schlechteste ist, einfach nur abzuwarten und jedes Jahr seinen Pflichtaufgaben wie dem Haushalt oder ähnlichem nachzugehen. Die Beratungen zum möglichen Gewerbegebiet, mit Einbindung des Gewerbevereins, hat uns aus einer bestimmten Blickrichtung auf Dinge schauen lassen. Das ist besser als ständig über das zu trauern, was wir verloren haben (Molkerei, Wurstfabrik OFW oder Ähnliche).

?Bleibt es bei den Straßenbeiträgen in den nächsten Jahren?

FWG: Im Herbst 2020 haben wir intensiv über die Abschaffung oder Beibehalten der Straßenausbaubeiträge ( abgekürzt Strabs ) beraten. Dabei wurde abgewogen, dass bei Abschaffung der Strabs alle durch eine Steuererhöhung mehr belastet werden und ein Beibehalten einige stärker in die Pflicht nimmt. Dies berücksichtigt aber auch, dass in den vergangenen Jahren viele Feldataler schon zur Kasse gebeten wurden. Wir habe unsere Mitglieder befragt. Leider hat die Befragung kein eindeutiges Meinungsbild ergeben. Die Mehrheit des Parlaments hat sich für die Beibehaltung der Strabs entschieden. Es gab auch Gegenstimmen in der FWG, aber wir akzeptieren das Ergebnis. Um der aktuellen Rechtsprechung Rechnung zu tragen, sollte sich die zukünftige Gemeindevertretung mit der Straßenbeitragssatzung 2002 beschäftigen. In der Satzung ist geregelt, dass die Gemeinde einen Anteil in Höhe von 50 Prozent trägt, wenn die Verkehrsanlage überwiegend dem innerörtlichen Durchgangsverkehr dient. Inwieweit es hier Interpretationsspielraum für Bürgersteige gibt, die offiziell als Ausweichmöglichkeit genutzt werden, muss beraten werden. Wenn sich die Rahmenbedingungen zur Abschaffung verändern, ist hierüber erneut zu beraten.

BüLi: Das ist schwer zu sagen. Für den Moment wurde das Thema Straßenausbaubeiträge von der Gemeindevertretung zu einem Ergebnis geführt, und sie sind zum aktuellen Zeitpunkt kein Thema. Wie vielschichtig das Ganze ist, konnten die Gemeindevertreter in zwei Hauptausschuss-Sitzungen kennenlernen. Unser Feldatal ist nicht so gut ausgestattet wie beispielsweise die Partner-Kommunen im GVV. Wir hätten alle Mehrkosten durch die Abschaffung zu 100 Prozent auf die Grund- und Gewerbesteuer umlegen müssen. Wie sich eine neue Gemeindevertretung dazu positioniert, bleibt unklar. So gibt es die Position in der Bürgerliste, wonach die Straßenausbaubeiträge als ungerecht empfunden werden und man wünscht eine Übernahme durch das Land. Das wäre ein einheitlicher Schritt, dann müssten nicht alle Kommunen einzeln beraten Aber unsere Vertreter in Wiesbaden wollen dies nicht und so haben wir den schwarzen Peter vor Ort.

Ein Anziehungspunkt in Feldatal ist die Greifvogelwarte von Falkner Michael Simon.

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