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Vertreter des Zeltlagervereines deuten vom Lager aus auf kranke Nadelbäume im benachbarten Waldstück.

Auch dieses Jahr kein Zeltlager

  • Rolf Schwickert
    VonRolf Schwickert
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In Zeiten der Corona-Pandemie urlaubt man am besten in Deutschland. Für Kinder und Jugendliche bietet sich das Zeltlager Eckmannshain bei Ulrichstein an. Das hatte 2020 wegen der Pandemie geschlossen. Bei sinkender Inzidenz könnte es jetzt wieder öffnen. Aber marode Bäume auf einem Nachbargrundstück gefährden die Besucher, sagt der Zeltlagerverein.

Dann müsste man die Zelte verschieben, meint der Nachbar. Eine gerichtliche Klärung scheint unausweichlich. Das Lagerleben ist nun auch für 2021 abgesagt.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.« Friedrich Schiller lässt das seinen Helden Wilhelm Tell sagen, und jeder kennt solche Situationen aus dem Alltag. Denn es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.

Wanderungen, die umliegende Natur mit Pflanzen und Tieren kennenlernen, Tauziehen und gemeinsam Essen richten - die Bandbreite der Aktivitäten im Zeltlager Eckmannshain war immer sehr groß angelegt, unter Federführung des Landkreises und seit 2015 unter Leitung des Zeltlagervereines. Kinder und Betreuer verbrachten unbeschwerte Stunden.

Das hat sich seit einigen Jahren verändert, denn die Trockenheit der vergangenen drei Jahre und der damit einhergehende Borkenkäferbefall der Nadelbäume bedeutet eine zunehmende Instabilität der Fichten. Vor diesem Hintergrund wurde rund um den Eckmannshain großflächig gefällt, während auf einem Nachbargrundstück noch vergleichsweise viele Bäume stehen. Diese macht der Verein als Gefahr für seine festen Infrastruktureinrichtungen aus und auch für die Zeltnutzer, soweit die Zelte auf einem eigens befestigten Areal aufgeschlagen sind.

Der Verein informierte bereits vor Jahren einen Förster über den Sachstand. Der markierte einige der Bäume, dass sie zu fällen seien, und der Nachbar kam dem auch nach; aber in der Folge aus Sicht des Vereines nur unzureichend, und in letzter Zeit lehnte er ein Fällen schließlich ganz ab.

Dazu führt der Eigentümer des Nachbarwaldes mit einer Fläche von rund 1,5 Hektar an, dass zum einen in den vergangenen 60 Jahren noch kein Baum auf das Grundstück des Zeltlagers gefallen sei, und zum anderen der Verein von Anfang an nicht das Gespräch mit ihm gesucht habe. Im Gegenteil habe er von Anfang an Misstrauen gespürt. Denn der Verein habe sich mit seinem Problem nicht bei ihm vorgestellt, sondern einen Förster zum Markieren »fremder« Bäume veranlasst, Zunächst habe er die fachliche Autorität geduldet, sie dann aber auf seinem Eigentum unterbunden.

Und der Eigentümer des Nachbarwaldstückes führt auch Beschwerden an, die vom Lager Eckmanshain ausgehen sollen. So seien immer wieder Anpflanzungen zerstört worden, hätten sich Gruppen das Brennholz für Lagerfeuer aus seinem Waldstück besorgt.

Anfang des Jahres schaltete der Verein dann einen Anwalt ein, um das Fällen von Bäumen durchzusetzen, die das Lagerareal gefährden könnten. Dies blieb allerdings ebenso erfolglos, wie ein Schreiben des Vereines an die Landkreisspitze (Verpächter) sowie an den Ulrichsteiner Bürgermeister. Die Stadt hat mit dem Zeltlager zu tun, weil sie das Trinkwasser liefert, eine Kläranlage dort betreut und die Zahl der Übernachtungen gerne in ihre Statistik aufnimmt.

»Trotz der vielen Versuche seitens des Amtes für Schulen und Liegenschaften uns zu unterstützen, fühlen wir uns machtlos und im Stich gelassen«, heißt es in dem Schreiben des Vereines. Das Ehrenamt sowie die Kinder- und Jugendarbeit, die im Zeltlager großgeschrieben werde, würden vom Nachbarn »mit Füßen getreten, und keiner hilft und unterstützt uns«.

»Der Vogelsbergkreis hat das Grundstück des Zeltlagers an den Verein Zeltlager Eckmannshain verpachtet, der dieses seither betreibt«, heißt es in einer Stellungnahme aus der Kreisverwaltung. »Damit ist der Verein Zeltlager Eckmannshain als Pächter auch Besitzer des Grundstückes und muss seine Rechte Dritten gegenüber eigenständig - gegebenenfalls auch juristisch - durchsetzen. Außerdem ist mit dem Pachtvertrag dem Verein auch die Verkehrssicherungspflicht für das Zeltlager-Grundstück übertragen worden. Für die Verkehrssicherungspflicht angrenzender Grundstücke sind die jeweiligen Besitzer zuständig.«

Mittlerweile ist auch der Waldeigentümer der Auffassung, dass sich die verfahrene Situation nur noch gerichtlich klären lässt. Denn er sieht sein Recht beschnitten, mit seinem Eigentum Wald so verfahren zu können, wie er es für richtig hält. Und aus seiner Sicht bedeutet ein forcierter Kahlschlag ein schnelleres Absterben der Bäume. Statt, dass er die Bäume an der Grundstücksgrenze fällt, sieht er die Möglichkeit, dass der Verein seine Infrastruktur von der Grenze entfernt

Ende Juni zog der Verein dann die Reißleine: Hatte bis dahin noch eine vage Hoffnung bestanden, bei Fällen der Bäume doch noch den vielen Nachfragen auf einen Zeltlagerplatz gerecht werden zu können, so ließ sich das mit fortschreitender Zeit wegen des nötigen Vorlaufs nicht mehr umsetzen. Jetzt setzt der Verein auf das kommende Jahr.

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