Ruhetag gestrichen: Silke Gischler näht im Alsfelder "Stoffreich" Masken (oben). Auch die Unternehmerin Silke Odermatt (Lama-Trekking) ist in die Maskenproduktion eingestiegen, unten eine Auswahl aus ihrer Kollektion, die bis ins Ausland geht. FOTOS: JOL/PM
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Ruhetag gestrichen: Silke Gischler näht im Alsfelder "Stoffreich" Masken (oben). Auch die Unternehmerin Silke Odermatt (Lama-Trekking) ist in die Maskenproduktion eingestiegen, unten eine Auswahl aus ihrer Kollektion, die bis ins Ausland geht. FOTOS: JOL/PM

Ansturm auf die Masken

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Ab Montag sollen alle beim Einkaufen einen sogenannten Mund-Nasen-Schutz tragen. Deswegen bewegt momentan eine Frage: Wo bekomme ich eine Maske her? Bei Hobby- und Berufsnäherinnen laufen die Maschinen heiß, und die Kundschaft steht Schlange. Sogar neue Modetrends werden kreiert.

Bei Nähfans der Region rattern seit Wochen die Maschinen, um die begehrten Stoffstücke zu fertigen. In diesen Tagen hat ein neuer Ansturm eingesetzt, seit verkündet wurde, dass in Hessen ab Montag das Tragen solcher sogenannten Alltagsmasken beim Einkauf oder in Bus oder Bahn vorgeschrieben ist.

Im Nähstübchen von Edeltraud Kirbach in Homberg häufen sich deshalb die Anfragen. Ihr Problem: Stoff hat sie genug, das Gummiband fehlt. Jeden Tag fragt sie den Vertreter, wann die neue Lieferung kommt, und wenn es soweit ist, "dann bekomme ich eine rationierte Menge von zehn Päckchen." Die Produktion im Ausland kann mit der Nachfrage nicht standhalten, vielerorts ist Gummiband ausverkauft, das gilt auch für Internet-Versender. Gemeinsam mit anderen Frauen stellt Edeltraud Kirbach auch ehrenamtlich Stoffmasken für die Diakoniestation her (die AAZ berichtete).

Doch der Kundenkreis ist in den vergangenen Tagen noch viel größer geworden, jetzt fragen auch die Eltern von Schülern oder Schulleitungen verstärkt an.

Vor dem "Stoffreich" in Alsfeld stehen die Kundinnen Schlange, um Material zum Selbernähen oder einen Mund-Nasenschutz zu erwerben. Hergestellt werden einfache Stoffmasken und aufwendigere mit einer Tasche. Dann kann dort ein hochwertiges Papiertaschentuch, eine Slipeinlage oder ein Kaffeefilter für einen besseren Schutz eingelegt werden.

Der Bedarf ist riesig: "Seit vier Wochen nähe ich von morgens bis abends Schutztücher", erzählt Silke Gischler. Sie ist jetzt sogar am Mittwoch, dem Ruhetag, in dem Ladengeschäft in der Altstadt, um die begehrte Ware zu produzieren.

Sie mag es gerne bunt, deshalb schneidet sie aus Baumwollstoffen Rechtecke, umsäumt sie, fädelt einen Draht ein und fügt Gummibänder an. Diese Bänder gehen auch in ihrem Geschäft zur Neige, ob es mit dem Nachbestellen klappt, weiß sie nicht. In den vergangenen Wochen hat Silke Gischler "locker über 500 Masken" genäht. Allein für ein Altenpflegeheim fertigte sie 150 Stück. Wichtig ist es, einen guten Baumwollstoff zu verwenden, der bei 60 Grad gewaschen werden kann. Der Renner ist aktuell ein dunkler Stoff mit Totenköpfen.

Neben Firmen sind etliche kleinere Betriebe in die Maskenproduktion eingestiegen, so auch Silke Odermatt aus Alsfeld-Lingelbach, die eigentlich "Lama-Trekking" anbietet. Das kann sie momentan nicht, "doch den Kopf in den Sand stecken ist nicht, der Laden muss laufen. Daher nähen wir Behelfsmasken am laufenden Band in mittlerweile mehr als 20 Designs". Was eigentlich aus Sorge um kranke Familienmitglieder begonnen hatte, das sei nun ein gutes Geschäft geworden. Selbst aus Österreich, Luxemburg, Italien und der Schweiz kommen die Kunden. "Sie ordern zudem nach und machen Werbung", freut sich Odermatt.

Teilweise fängt sie um 3 Uhr nachts an zu nähen, um ein Pensum von um die 40 Masken pro Tag zu schaffen. Die Stoffe bezieht Silke Odermatt teilweise aus England, "ich achte auf Qualität und Design". Die gemusterten oder einfarbigen Stoffe werden vorgewaschen und dann verarbeitet. Und Silke Odermatt sieht es positiv: "In jeder Krise steckt eine Chance."

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