"Wir freuen uns sehr, dass wir öffnen dürfen", sagt Barbara Schönenberg vor dem Haushaltsartikel- und Deko-Laden "Ramspecks".
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»Wir freuen uns sehr, dass wir öffnen dürfen«, sagt Barbara Schönenberg vor dem Haushaltsartikel- und Deko-Laden »Ramspecks«.

Corona-Lockdown

Corona-Modellprojekt in Alsfeld gestartet: Zuspruch noch verhalten – Ladeninhaber erleichtert

  • Kerstin Schneider
    vonKerstin Schneider
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Seit Donnerstag sind in Alsfeld Einkaufsbummel mit einem negativen Coronatest wieder möglich. Am ersten Tag ist das Modellprojekt sehr ruhig angelaufen, doch die Einzelhändler freuen sich über jeden Kunden.

Die einzige Schlange bildet sich am frühen Nachmittag vor einem eigentlich leer stehenden Ladenlokal. Hier hat das Deutsche Rote Kreuz mitten in der Alsfelder Fußgängerzone ein Corona-Testcenter eingerichtet.

Dort heißt es dann für die Wartenden: Teststäbchen in die Nase - und wenn das Ergebnis negativ ist, darf man mit der Bescheinigung als »Ticket« zur Shoppingtour aufbrechen. Der Test darf aber nicht älter als 24 Stunden sein. Bis zum Mittag nimmt das DRK rund 100 Tests vor. Die Inzidenz im Vogelsbergkreis, nach der sich auch das Modellprojekt richtet, liegt aktuell bei 126,8.

Modellkommunen in Hessen: Alsfeld öffnet als erstes – Zuspruch noch verhalten

Alsfeld ist die erste der hessischen Modellkommunen*, die öffnet. Am Premierentag ist der Zuspruch noch verhalten. Nur wenige Einkäufer machen beim kühlen Wetter vom Angebot Gebrauch. Zwei Teenager freuen sich darüber, dass sie Klamotten endlich wieder befühlen können, nicht nur als Bildchen auf dem PC sehen.

Neben Bekleidungs-, Schuh- und Sportgeschäften dürfen auch Deko- oder Elektronik-Shops wieder die Türen öffnen. Einige Interessenten scheinen aber noch nicht im Bilde darüber, dass der Einkauf nur nach vorherigem Test gestattet ist. Vor dem Möbelladen AS muss ein Paar weggeschickt werden. Das gilt auch für zwei Besucher aus dem Schwalm-Eder-Kreis, die einen Negativtest von dort mitbringen, der in Alsfeld nicht gilt. Auch für sie heißt es umkehren.

Bei den TEDi-Läden ein ähnliches Bild. Auch dort sind einige Kunden sehr verwundert, dass sie nur mit einem negativen Test einkaufen dürfen.

Modellkommune Alsfeld: Zwei Drittel des Testangebots für Vogelsberger reserviert

Ansonsten haben sich bisher nur wenige Kunden zwischen dem bunten Sortiment verloren, erzählt der Mitarbeiter. Er verweist auf einen Stapel mit ausgefüllten Kontaktverfolgungslisten. »Aber man hat wieder zu tun, das ist schon etwas«, sagt er. Kunden tragen sich gleich am Eingang der Geschäfte in die Listen ein, ebenfalls wird das negative Testergebnis dort dokumentiert. In den Läden gelten zudem die bekannten Regeln: Maske tragen, Hände desinfizieren, Abstand halten.

Sicherheit hat oberste Priorität, hat Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule (CDU) im Vorfeld mehrfach betont. Und so müssen auch die Mitarbeiter der Geschäfte jeweils ein negatives Testergebnis vorlegen. Rund zwei Drittel der täglich bis zu 600 Testangebote der Stadt richten sich an die Vogelsberger, der Rest an übrige interessierte Hessen.

Öffnung des Einzelhandels in der Modellkommune Alsfeld: Ladeninhaber sind erleichtert

Trotz des Aufwands zeigen sich Ladeninhaber erleichtert, dass sie wieder eine Möglichkeit haben, Kunden im Geschäft zu bedienen. »Wir sind froh«, sagt Udo Blankenhagen von Sport-Kober. »Es macht Spaß, Menschen zu beraten, auch wenn sie nichts kaufen.« Er hat am Donnerstagmorgen mehrere Besucher willkommen geheißen, darunter einige aus Fulda. »Click and collect gilt übrigens weiter«, fügt er an. Man kann also wie bisher Ware im Geschäft bestellen und abholen.

Der Alsfelder Einzelhandel hat sich auf das Corona-Modellprojekt »Erst testen, dann einkaufen« bestens vorbereitet. Die Ladeninhaber dürfen bis zum 1. Mai Kunden begrüßen, wenn diese einen aktuellen negativen Coronatest vorlegen.

Einen Teil des Personal hat Blankenhagen, der mit seiner Frau im Laden steht, aktiviert. Die anderen stehen bereit, wenn die Nachfrage in den nächsten Tagen steigen sollte: »Die freuen sich riesig darauf.« Blankenhagen sagt, er habe bisher viel Verständnis gehabt, aber man fühle sich von der Politik nicht fair behandelt. Warum manche öffnen dürfen, andere nicht, das sei nicht zu verstehen. Die großen Discounter hätten zudem plötzlich von der Funktionsjacke bis zum Elektroartikel alles im Sortiment gehabt. »Und wir schauen in die Röhre.«

Alsfeld: Modellprojekt soll bis zum 1. Mai laufen

Das bestätigt die Inhaberin des Ladens »Modetick«, die erst einmal abwartet und am kommenden Montag öffnen will: »Ich habe heute erst meinen Antrag bei der Stadt abgeben.« Es ärgert sie aber, wenn sie hört, dass der Handel im vergangenen Jahr Rekordergebnisse erzielt hat. »Das gilt für die großen Onlinehändler, aber nicht für uns kleine Läden um die Ecke.«

Freude dagegen im Kramladen »Ramspecks«, wo Kunden nun wieder zwischen allerlei Haushalts- und Deko-Artikeln stöbern können. »Wir freuen uns sehr, dass es endlich weitergeht«, sagt Barbara Schönenberg, die das Geschäft erst vor einem Jahr, also direkt zu Beginn der Pandemie, übernommen hat.

Bis zum 1. Mai läuft das Modellprojekt in der Fachwerkstadt - wenn es nicht vorher andere Regelungen gibt oder der Versuch wegen steigender Inzidenz-Zahlen abgebrochen werden muss. *fuldaerzeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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