Fahrlehrer Jens Bernhard geht mit Yvonne Hackel vor der Prüfung die Sitzposition und den Schulterblick durch. FOTO: JOL
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Fahrlehrer Jens Bernhard geht mit Yvonne Hackel vor der Prüfung die Sitzposition und den Schulterblick durch. FOTO: JOL

Angst vor der zweiten Welle

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Die Coronakrise wirkt bei Fahrschulen immer noch nach, denn im Bereich der Umschulungen zum Berufskraftfahrer herrscht Flaute. Dafür hat sich die Befürchtung nicht bewahrheitet, dass die klassischen Fahrschulen für den Pkw-Bereich gefährdet sind. Aber sie Schulen müssen eine Umsatzdelle verkraften.

Noch vor wenigen Wochen ergab eine Umfrage unter Fahrschulen, dass wegen der Corona-Einschränkungen ein Drittel im Bestand bedroht ist. Die Lage hat sich inzwischen deutlich entspannt. Nur bei der Ausbildung von Berufskraftfahrern hakt es noch, wie Vogelsberger Fahrlehrer bestätigen.

So berichtet Arno Stumpf, dass in seiner Alsfelder Fahrschule deutlich weniger Menschen am Lenker von Lkw und Bus sitzen. Denn die Agentur für Arbeit hat geschlossen, und dementsprechend weniger Arbeitsuchende werden beraten. "Das Geld für die Umschulungen ist da, aber die Beratungen laufen nicht", sagt der Fahrschulinhaber. "Bei der Ausbildung von Berufskraftfahrern ist es fast existenzbedrohend."

Er hat für seinen Betrieb bereits zweimal staatliche Unterstützung in Anspruch genommen. Die Fahrlehrer musste er in Kurzarbeit schicken. Nun hofft er, dass die Agentur wieder die normale Beratungstätigkeit aufnimmt. Denn der Bedarf an Fahrern ist durchaus da. Er hat eine Zertifizierung durchlaufen, damit er Aufträge der Arbeits-Agentur für die Umschulungen zum Bus- oder Lkw-Fahrer übernehmen kann.

Corona-Soforthilfe hat etwas geholfen

Anders ist die Lage bei Jens Bernhard, der mit seiner Fahrschule in Homberg, Nieder-Ohmen und Alsfeld vertreten ist. Er hat zur Zeit rund 300 Schüler und rechnet damit, dass sich bis Ende des Jahres der Betrieb halbwegs normalisiert hat. Die Fahrschule musste Pandemie bedingt vom 18. März bis 4. Mai komplett schließen. Im Fahrschulauto gilt Maskenpflicht, die Theorie wird in hygienebedingt angepassten Gruppen durchgeführt.

Im Unterschied zu Gaststätten kann eine Fahrschule einen Teil des entgangenen Umsatzes wieder hereinholen. So konnten die Fahrlehrer vor den Ferien auch unter der Woche vormittags fahren, weil die jungen Leute nicht jeden Tag in die Schule mussten. Andererseits muss das Unternehmen die Fixkosten für die Corona-Pause tragen, pro Monat sind das bereits 8000 Euro. Dazu gehören auch die Kredite, die Bernhard vor neun Jahren aufgenommen hat, als er sich selbstständig gemacht hat. "Ich musste die Rücklagen angreifen", sagt der Fahrschulinhaber. Die Corona-Soforthilfe hat da etwas geholfen.

Nach der Coronapause sind die Fahrschüler wieder gekommen. Dafür sind zwei ältere Aushilfsfahrlehrer weggefallen. Mehr Betrieb gab es zuletzt im Motorradbereich, der in normalen Jahren vor allem im März/April angeboten wird. Das musste er dieses Jahr nacharbeiten.

Sorge macht es ihm, wenn es zu einer zweiten Welle an Corona-Erkrankungen kommt. "Dann wird es brutal." Auch so muss er wirtschaften und hat die Anschaffung von zwei Fahrzeugen verschoben. Dadurch hat allerdings auch sein Autohändler zwei Fahrzeuge mehr auf dem Hof stehen. Das Problem: "Ich kann nicht neue Fahrzeuge finanzieren, wenn ich nicht weiß, wie es weitergeht".

Der Unterricht unter Fahrschulbedingungen ist anstrengender, sagt Jens Bernhard nach kurzem Nachdenken. Man muss mit der Maske fahren und erklärt viel, was die Maske feucht werden lässt und die Brille beschlägt. Nach jeder Einheit heißt es Auto lüften und desinfizieren. Auch im Unterrichtsraum muss höherer Aufwand betrieben werden.

Das löst nicht das Grundsatzproblem der Branche, den Nachwuchsmangel. Denn es fehlen Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, wie Bernhard berichtet. Die einjährige Ausbildung in Vollzeit und dann noch ein Jahr in einer Ausbildungsfahrschule müssen ja finanziell getragen werden. "Da muss man locker 25 000 Euro kalkulieren", sagt Jens Bernhard. Im Anschluss lockt dann so kein hohes Gehalt, netto 1800 bis 2200 Euro sind in dem Job drin.

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