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Sieben Stolpersteine sollen in Bobenhausen verlegt werden, hier gezeigt von Bürgermeister Edwin Schneider.

An sieben Bobenhäuser erinnern

  • Joachim Legatis
    VonJoachim Legatis
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In sechs Orten des Vogelsbergs erinnern bereits »Stolpersteine« an ermordete jüdische Bewohner. Nun sollen in Bobenhausen sieben weitere verlegt werden. Dabei greift die Stadt eine Anregung auf, die Norman Kleeblatt als Nachkomme der Familie Aaron aus Bobenhausen gegeben hat.

Noch steht die Kiste mit den glänzenden Stolpersteinen im Büro von Bürgermeister Edwin Schneider. In diesem Herbst sollen sie dann ihren Platz in der Hoherodskopfstraße in Bobenhausen finden. Die sieben Messingtafeln sollen vor den Häusern mit den Nummern 24 und 61 an sieben Bobenhäuser erinnern, die von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden.

Eigentlich sollten die Betonquader mit den in Messing eingravierten Namen bereits am Pfingstmontag verlegt werden. Aber mit Blick auf die Corona-Einschränkungen hatte Gunter Demnig die Zeremonie abgesagt.

Der bei Alsfeld wohnende Künstler ist Initiator der Stolperstein-Aktion, kann aber die Verlegung auch in den kommenden Monaten nicht selbst ausführen. Nun will die Stadt die Stolpersteine in Eigenregie verlegen, wie Bürgermeister Edwin Schneider ankündigt.

»Ortsvorsteher Rudi hat vorgeschlagen, dass wir das im Herbst machen können«, so Schneider im Gespräch.

Stolpersteine als Erinnerung an ermordete Jüdinnen und Juden liegen im Vogelsberger Kreisgebiet bereits in Alsfeld, Homberg, Schotten, Herbstein, Kirtorf und Lauterbach sowie in Hunderten Städten Europas. Im Sommer vergangenen Jahres hatte die Ulrichsteiner Stadtverordnetenversammlung dem Verlegen der Stolpersteine zugestimmt. Sie werden in der Regel vor dem Haus in den Gehweg eingebaut, in dem die Ermordeten ihren letzten selbst gewählten Wohnsitz hatten. Nun sollen in Bobenhausen Steine verlegt werden, die an die Familien Aaron und Reiß erinnern.

Vor Ort erinnern

Die Initiative für diese Form der Erinnerung kam von Norman Kleeblatt aus New York, so Rathauschef Schneider. Kleeblatt ist Urenkel von Auguste Katinka Aaron und Liebmann Aaron, die im Haus Hoherodskopfstraße 24 gelebt haben, und hatte sich auf der Suche nach Unterlagen zur Familiengeschichte vor Jahren an die Stadt Ulrichstein gewandt. Wie sich Schneider gut erinnert, besuchte Kleeblatt 2017 zum ersten Mal die alte Heimat seiner Urgroßeltern.

Damals lebte noch eine langjährige Bewohnerin des Hauses, Elfriede Möser. Sie zeigte Kleeblatt das Haus und konnte auch einige Erinnerungen an die Familie Aaron erzählen. Die 1864 und 1897 geborenen Urgroßeltern und Großonkel Louis wurden in ein Konzentrationslager verschleppt und getötet.

Kleeblatt kam vor zwei Jahren noch einmal nach Ulrichstein und Bobenhausen. Er regte die Verlegung von Stolpersteinen an und wollte bei der Umsetzung dabei sein. Der Eigentümer des Haues Hoherodskopfstraße 24 habe sich aufgeschlossen gezeigt, freut sich Schneider.

Auf Anregung von Ortsvorsteher Rudi und einer weiteren Familie sollen zudem vorm Haus Hoherodskopfstraße 61 vier Stolpersteine eingelassen werden. Sie werden an die Familie Reiß erinnern.

Es gibt noch weitere Opfer aus dem Ort, wie zu erfahren ist. In der Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel finden sich insgesamt 21 Namen von ermordeten Bobenhäuser Juden.

Darunter sind auch Hermann, Betty und Ida Reiß. Auch ein Mitglied der Familie Reiß möchte im Herbst gern an der Verlegung der Stolpersteine teilnehmen, wie Schneider mitteilt.

Er verweist darauf, dass Ulrichstein bereits seit dem 14. Jahrhundert eine lange jüdische Geschichte hat. Jüdische Gemeinden bestanden in der Kernstadt Ulrichstein und Bobenhausen. Daran erinnern noch die Friedhöfe und das Gebäude der ehemaligen Synagoge. Im September 1942 sind die letzten Bobenhäuser Juden verschleppt worden. Es waren Sally Joseph, Paula Joseph, Hellmut Joseph und Lydia Joseph.

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