khn_knusperriegel_121121_4c_3
+
Marie Ueckeroth hat bisher Riegel in drei Geschmacksrichtungen entwickelt.

Alternative zum ungesunden Snack

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
    schließen

Einen Snack zu sich zu nehmen, muss nicht immer ungesund sein. Davon ist die 27 Jahre alte Marie Ueckeroth überzeugt. Die Gießener Studentin will deshalb ein Start-up gründen und eine gesunde Alternative zu Chips und Co. produzieren.

Der Snack ist in der Regel der natürliche Feind des Menschen. So viele natürliche Feinde hat er ja nicht mehr, dann schafft er sie sich eben selbst. Mal schnell im Homeoffice an den Kühlschrank gehen und etwas essen, um den Kopf freizubekommen. Oder die gefürchtete Schublade im Büro öffnen, in der der Süßkram versteckt ist. Den Vorsatz, nur ein Gummibärchen zu essen, können vermutlich die wenigsten einhalten - dem schlechten Gewissen zum Trotz. Marie Ueckeroth sieht genau in diesem Umstand eine Marktlücke: Snacks, sagt sie, müssen nicht zu fettig oder zu süß sein. Sie will mit ihrem Start-up »Herzhaft« eine gesunde Alternative anbieten.

Ueckeroth kommt ursprünglich aus dem Ruhrgebiet und studiert in Gießen Ernährungswissenschaften im Master. Die 27-Jährige erzählt, sie habe schon immer gerne gekocht und sich mit gesunder Ernährung beschäftigt. Gleichzeitig habe sie immer mit einem Start-up geliebäugelt. »Aber irgendwie fehlte mir bisher der Mut.« Dies änderte ein Praktikum in der Produktentwicklung von Proteinshakes. Kein Produkt, das Ueckeroth begeistert - aber sie sieht, wie der Prozess von der Idee bis hin zu einem fertigen Erzeugnis funktioniert. Im August sei ihr schließlich nachts die Idee gekommen, es selbst mit herzhaften, gesunden Snacks zu versuchen, sagt sie.

Mit Stabmixer und Küchenmaschine

In einem ersten Schritt experimentierte die Studentin mit Zutaten und entwickelte Rezepte. Sie nutzt dazu eine handelsübliche Küchenmaschine und einen Stabmixer.

Die Basis ihrer Riegel sind Erbsen und Reisprotein, dazu kommen glutenfreie Mehle. Diese Basis kann dann mit weiteren Zutaten kombiniert werden. Verkostungen bei Hofflohmärkten oder anderen Veranstaltungen halfen ihr bei der Auswahl der Geschmacksrichtungen. Aktuell produziert sie zu Hause die Sorten Kürbis-Zwiebel, den veganen Cheesy-Paprika-Riegel sowie Süßkartoffel-Humus.

Dann, erzählt Ueckeroth, habe sie sich an das Gründungszentrum der Justus-Liebig-Universität Gießen gewandt. Sie nahm an deren Ideenwettbewerb teil - und gewann auf Anhieb den Publikumspreis. Auf ihrem Blog im Internet schreibt sie: »Als die Bekanntgabe des Publikumvotings erfolgte und ich den Namen ›Herzhaft‹ hörte, dachte ich, ich spinne. Ich war völlig perplex und unfassbar gerührt zugleich.«

Für Ueckeroth ist der Gewinn des Preises ein wichtiges Signal, auf dem richtigen Weg zu sein. Sie sagt, die Nährwerte von klassischen Snacks seien in der Regel schlecht. Doch es gebe einen Bedarf an gesunden Speisen, die zwischendurch gegessen werden können.

Dafür wirbt sie nun auf unterschiedlichen Gründermessen oder -veranstaltungen. Netzwerken ist beim Gründen einer eigenen Firma schließlich das A und O. »Ich habe ganz großen Respekt vor der Gründung«, sagt Ueckeroth, »aber gleichzeitig große Lust darauf.« Sie reize vor allem die Freiheit, selbst entscheiden zu können.

Dass Menschen wie Ueckeroth den Mut haben, ein eigenes Unternehmen zu gründen, hängt sicherlich auch mit den Rahmenbedingungen zusammen. Galt dieser Schritt eine Zeit lang als zu risikobehaftet, ändert sich mittlerweile der gesellschaftliche Blick auf das Thema.

»Nicht mehr das Risiko steht im Mittelpunkt, sondern die Motivation«, glaubt Ueckeroth. Gleichzeitig fördere die Politik Start-ups besser; außerdem gebe es zahlreiche Anlaufstellen für Interessierte wie die Uni oder die IHK.

Ein langer Weg mit viel Arbeit

Ueckeroth ist sich im Klaren darüber, dass noch ein langer Weg mit viel Arbeit vor ihr liegt. Ende des Jahres will sie eine Produktionsstätte für ihre Riegel gefunden haben. Mitte nächsten Jahres soll dann die Gründung ihres Unternehmens abgeschlossen und der Markteintritt geschafft sein. Dabei hat sie ein klares Ziel vor Augen: »Irgendwann soll es eben nicht nur die Bifi überall geben, sondern auch die gesunden Riegel.« Es klingt so, als könne sie es gar nicht abwarten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare