Claus Rosenstein (re.) und Bernhard Blümel (3. v. r.) von der DEGES stellen eine 7 Hektar große Aufforstungsfläche zwischen Stadtallendorf und Niederklein vor. FOTO: JOL
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Claus Rosenstein (re.) und Bernhard Blümel (3. v. r.) von der DEGES stellen eine 7 Hektar große Aufforstungsfläche zwischen Stadtallendorf und Niederklein vor. FOTO: JOL

Alte Eichen und Wasserbüffel

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Das laufende Gerichts- verfahren zum Weiterbau der Autobahn 49 hindert die Planungsgesellschaft DEGES nicht daran, die Vorbereitungen für den Asphalt-Lindwurm voranzutreiben. Die Planer stellten nun Aufforstungen und neue Tümpel vor.

Umweltschutz und eine neue Autobahn passen nicht gut zusammen. Deshalb sind im Rahmen des Projektes erhebliche Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben. 750 Hektar Landschaft werden dabei bepflanzt, umgestaltet und vernässt, damit Tiere und Pflanzen abseits der Auto-Strecke künftig bessere Lebensbedingungen vorfinden. Am Mittwoch stellte Claus Rosenstein (DEGES) beispielhaft eine Umwandlung von Acker in Wald, die tierfreundliche Umgestaltung eines Eichenwaldes bei Niederklein und Nasswiesen für Kiebitze bei Amöneburg vor.

Dabei betonte DEGES-Planungsleiter Bernhard Blümel, dass "750 Hektar für Umweltmaßnahmen ausgesprochen viel für 30 Kilometer neue Autobahn sind". Auf der anderen Seite müssen 85 Hektar Wald gerodet werden. Insgesamt 160 Umweltmaßnahmen werden umgesetzt. Zwischen Stadtallendorf und Niederklein sind sieben Hektar Acker und Grünland mit Eichen, Hainbuchen, Kirschen und Feldahornen bepflanzt worden.

35 000 kleine Pflanzen sind auf den beiden Flächen neben der geplanten Autobahnauffahrt Stadtallendorf-Süd kaum auszumachen. Bereits in fünf Jahren sollen die Bäumchen etwa fünf Meter hoch sein. Auf einem Teil der Fläche sind Reisighaufen für Kammmolche aufgeschüttet, drei Tümpel sind für die Amphibien angelegt. Die Fläche liegt in einem Trinkwasserschutzgebietes II und vermindert auch den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln. 200 Meter weiter zeigt Rosenstein ein frisch gelichtetes Waldstück.

Nur einige große Eichen sind stehen geblieben. Das Auslichten in Teilbereichen eines größeren Waldstücks bringt eine größere Vielfalt an Tieren in den Nutzwald. Denn die Forstwirtschaft sorge für dichte Bestände, damit die Bäume gerade nach oben wachsen, so Rosenstein.

Deshalb sei für den Bau der A 49 eine Aufwertung des Eichenwalds in die Wege geleitet worden. Die frei stehenden Baumkronen würden dann bessere Anflugmöglichkeiten für Rotmilane bieten und auch manche Fledermausarten bevorzuge lichte Wälder. Zudem ist für alte Eichen ein Fällungsverbot für einige Jahrzehnte vereinbart worden.

Bachlauf wird umgeleitet

In ausgewählten Bereichen werden neue Eichen gepflanzt und mit einem Gatter vor Rehverbiss geschützt. Ziel sei ein gesunder Eichenmischwald. Übrigens verzichtet man in Absprache mit Forstexperten auf Eschen, deren Bestand von einer nicht behandelbaren Krankheit vernichtet wird. Die Eichenmischwälder an der Autobahn sollen Platz für Waldlaubsänger, Habicht, Grau- und der Mittelspecht bieten. Darüber hinaus würden Weidenkörbe für Waldohreulen, Nistkästen für den Raufußkauz, Fledermauskästen und Fledermaushöhlen aufgehängt, um diese Arten zu unterstützen. Eine der größeren Umweltmaßnahmen ist auch das Vernässen des sogenannten "Bekassinenlochs" zwischen Amöneburg und Rüdigheim. Dort leben schon lange keine Bekassinen mehr, aber der gefährdete Kiebitz.

Arbeiter haben bereits eine Flutmulde und vier Tümpel hergestellt. In die Flutmulde ist der Lamborn-Bachlauf mithilfe einer kleinen Wehranlage umgeleitet. Nach rund 800 Meter neuem Verlauf fließt das Wasser über eine Rampe in die Ohm. Aktuell steht Wasser auf dem Gebiet, aber die Tümpel speisen sich künftig weitgehend aus Regenwasser.

Die Erdarbeiten seien bodenschonend ausgeführt worden, indem Stahlplatten als Fahrwege der Baufahrzeuge dienten. Auf rund 18 Hektar Wiese sollen demnächst Wasserbüffel weiden. Rosenstein verweist besonders auf den Elektrozaun, der eine zusätzliche Litze kurz über dem Boden aufweist. "Das soll gegen Füchse und Marder schützen". Zudem schrecken die massigen Büffel die kleinen Raubtiere davon ab, die Gelege der Kiebitze auszuräumen.

In einer kleinen Fläche sind die Drainagerohre zerstört worden. Dort soll der Große Wiesenknopf wachsen, um dem schwarzblauen Ameisenbläuling als Wirtspflanze zu dienen.

Die Nutzung als Weide sei Ergebnis eines intensiven Abstimmungsverfahrens unter Beteiligung der Oberen und der Unteren Naturschutzbehörde und von interessierten Naturschutzverbänden, wie DEGES-Vertreter Blümel betont. Auch dieses neue Feuchtbiotop war bislang landwirtschaftliches Grünland.

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