Geklaut und gezündelt

Zwei Jahre Haft für Brandstiftungen in Alsfeld

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Monatelang hielt die Kleinstadt den Atem an: Ein Brandstifter machte sich nachts an Gartenhütten zu schaffen. Jetzt verurteilte ein Schöffengericht einen 31-Jährigen zur Haft ohne Bewährung.

In fünf Gartenhütten eingebrochen, drei davon noch angezündet - dafür erhielt nun ein 31-Jähriger am Schöffengericht Alsfeld eine Strafe von zwei Jahren Haft. Eine Bewährung ist nicht vorgesehen, der Mann kann Berufung einlegen. Damit setzt das Gericht einen Schlusspunkt hinter eine Serie an Bränden im Vorjahr in Alsfeld. So soll er in der Nacht zum 24. Januar zwei Hütten der Kleingartenanlage an der Karl-Metz-Straße geknackt haben. Dabei verschwanden ein Fernseher und ein Benzinkanister. Beide Hütten wurden angezündet, der Sachschaden liegt bei rund 35 000 Euro. Drei weitere Einbrüche in der Nacht zum 5. September werden ihm zur Last gelegt. Diesmal waren Gartenhütten am Fulder Tor dran. Gestohlen wurden ein Fernglas, Bierflaschen und kleinere Dinge. Eine Gartenhütte wurde angezündet, dabei wurden zwei angrenzende Hüttchen beschädigt.

Eingestellt wurde ein Verfahren wegen einer Brandstiftung in der Nacht zum 27. August in der Grünberger Straße. Bei einer Wohnungsdurchsuchung beim 31-Jährigen hatte die Polizei einen Akkuschrauber gefunden, der aus dieser Gartenhütte gestohlen worden war. Der 31-Jährige sagte, er habe das Gerät von einem Bekannten namens Juri zur Aufbewahrung erhalten. Einige Tage nach dem Einbruch ist das massiv hergestellte Hüttchen angezündet worden, doch man fand keine Spuren des Angeklagten am Tatort.

Kriminalist ist sich sicher

Zentraler Bestandteil des Verhandlungstages am Montag war die Aussage des Kripo-Beamten, der die Tatorte untersucht hat. Er ging zweifelsfrei davon aus, dass die drei Hütten angezündet wurden. Dabei blieb die Brandursache unklar, Brandbeschleuniger wurde nicht festgestellt. Einen technischen Defekt oder andere Ursachen schloss der 56-jährige Polizist aus. Nahe der im Januar abgebrannten Gartenhütte im Bereich Steinkaute sicherten die Beamten einen Arbeitshandschuh. Die anhaftenden DNA-Spuren verwiesen auf den 31-Jährigen, der wegen einer anderen Straftat in Schweden polizeilich registriert war.

Auch im Fall der im August abgebrannten Gartenhütte im Bereich Bonfeld war der Beamte sicher, dass dort ein Feier absichtlich gelegt wurde. Wenige Minuten nach dem Feueralarm hatten Polizisten den 31-Jährigen mit Beute an der nahen Hersfelder Straße festgenommen. Dabei habe er nicht nach Rauch gerochen. Deshalb fragte der Staatsanwalt nach, ob ein Brandstifter immer nach Rauch rieche. Der Beamte verneinte, denn wenn man einen brennenden Grillanzünder auf ein Sofa legt, komme man nicht mit Rauch in Kontakt. Die Polizei hat keine Hinweise auf eine Tätergruppe an den Brandorten gefunden, so der Beamte.

Gab es Mittäter?

Der Staatsanwalt forderte zwei Jahre und drei Monate Haft für fünffachen Einbruchsdiebstahl und dreifache Brandstiftung. Der 31-Jährige habe nur das zugegeben, was er nicht leugnen konnte. So habe er die Diebstähle eingeräumt, weil die Beute in seiner Wohnung war. Dass er sie für andere aufbewahren sollte, nannte der Staatsanwalt absurd. So wurde der 31-Jährige nach dem Einbruch am Bonfeld mit der kompletten Beute festgenommen. Dann hätten sie angeblichen Mittäter nichts genommen.

Der Verteidiger sah nur die Diebstähle als gesichert an. Die Brandstiftungen ließen sich nicht beweisen, die Mittäter habe es wirklich geben können. So gab es am gefundenen Handschuh Spuren von zwei bis drei Personen und die Gartenanlage am Bonfeld sei so unübersichtlich, dass weitere Täter hätten fliehen können. Ein Jahr Haft mit Bewährung seien ausreichend.

Das Gericht erkannte auf zwei Jahre, weil man keine Zweifel an allen Taten habe. Die unbekannten Mittäter habe es nicht gegeben. Dafür spreche der angebliche Ablageort der Beute vom Januar-Einbruch in offenen Gelände. Zudem sei es absurd, dass die Hütte im Bereich Fulder Tor erst brannte, als der 31-Jährige weggegangen war.

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