Blicken auf ein Rekordjahr 2019 zurück (v.l.): Vorstand Roman Kubla, Sparkassenchef Frank Dehnke, die Landräte Manfred Görig und Jan Weckler sowie Vorstand Thomas Falk. FOTO: PM

Bilanzen

Zeitenwende für die Sparkasse Oberhessen

Am Tag, an dem der DAX wegen Corona einbrach, vermittelte die Sparkasse Oberhessen eine deutliche Botschaft: Die krisenerprobte Bank wird sich auch davon nicht ins Wanken bringen lassen.

Wegen des anhaltenden Niedrigzinses bröckelt den Banken die Haupteinnahmequelle weg. Und weil immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte online erledigen (möchten), die Sparkasse Oberhessen aber auch ihr Filialnetz möglichst aufrechterhalten will, muss der seit Jahrenbeginn neue Vorstandsvorsitzende Frank Dehnke wie sein Vorgänger Günter Sedlak den Spagat wagen. Der 50-Jährige, der zuvor bei der Stadtsparkasse Remscheid vom Azubi zum Vorstandsvorsitzenden aufgestiegen war, geht diese Aufgabe drangvoll an. Er kündigte bei der Pressekonferenz am Montag in Nidda eine Digitalisierungsoffensive an. "Wir stehen an einer Zeitenwende. Auch die Sparkasse Oberhessen wird sich ein Stück weit neu erfinden müssen." Die Bank müsse zum "Überall- Finanzdienstleister" werden, sagte der gebürtige Bochumer. Bankgeschäfte müssten leichter machbar sein, auch von unterwegs am Mobiltelefon. Das vor etwa einem Jahr eingerichtete Online-Beratungs-center, in dem Kunden über Videoberatung, Chat, Whats-App, Mail und Telefon mit den Bankberatern in Gespräch kommen, werde ausgebaut. Auch werde die Sparkasse künftig selbstbewusster und offensiver vorgehen, wenn es etwa um Gebührenerhöhungen oder Filialschließungen gehe. "Weil die Kunden das in der Regel auch verstehen."

Auch das ist neu bei der Sparkasse: Vorstand Thomas Falk, der die Geschäfte seit Sedlaks Abschied übernommen hatte, kündigte an, dass in Ober-Schmitten bald eine SB-Filiale gemeinsam mit der Volksbank Main-Kinzig/Büdingen betrieben wird. In Nieder-Gemünden können Sparkasse-Kunden seit Kurzem den Geldautomaten der VR-Bank-Filiale kostenfrei zum Abheben nutzen. Weitere Kooperationen seien angedacht, ansonsten bis 2021 keine Veränderungen am Filialnetz geplant.

Landkreise sollen profitieren

Auch wenn sich die Sparkasse am Scheideweg befindet: Im Jahr 2019 hat sie weiter gutes Geld verdient. Der Bilanzgewinn von erneut 10 Millionen Euro - bei einer Rekord-Bilanzsumme von 4,88 Milliarden Euro - soll vorbehaltlich der Zustimmung des Verwaltungsrats wieder zu einem Teil (wohl 20 bis 25 Prozent) an die beiden Eigentümer, die Landkreise Wetterau und Vogelsberg, gehen. Der Rest fließt ins Eigenkapital.

Wie Falk sagte, hätten auch volle Auftragsbücher bei den Handwerkern, eine weit unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote und vor allem die rege Bautätigkeit im Immobiliensektor dafür gesorgt, dass die Sparkasse das "beste Kreditgeschäft ihrer Unternehmensgeschichte" erlebte - unter dem Strich trotzdem vergleichsweise weniger verdiente. Der Zinsüberschuss fiel mit 80,3 Millionen Euro fast zehn Millionen Euro niedriger aus als noch 2017.

Wachstumspotenziale sieht der Vorstand gleichwohl noch vorhanden - auch bei den eigenen Kunden. Schließlich "horten" (Falk) die Sparkassen-Kunden auf ihren unverzinsten Tagesgeldkonten und Sparbüchern derzeit gut 3,8 Milliarden Euro. Geld, das zur Renditesteigerung besser investiert werden sollte, auch am Aktienmarkt, wie Falk betont. Eine langfristige Anlage in Wertpapieren hätten in den meisten Fällen bessere Erträge gebracht.

"Apple Pay" bald mit Girocard

"Wir erleben einen Paradigmenwechsel im Finanzwesen", sagte der Wetterauer Landrat Jan Weckler, derzeit Vorsitzender des Verwaltungsrats. Schuldner würden durch die EZB-Politik belohnt, Sparer "kalt enteignet". In diesem Klima sei es gut, mit der Sparkasse einen stabilen Anker zu haben. Wie sein Kollege Manfred Görig (Landrat Vogelsbergkreis) freute sich Weckler, dass der Wechsel an der Spitze der Bank so geräuschlos vonstatten gegangen sei. "In anderen Sparkassen gab es da ein Hauen und Stechen."

Vorstand Roman Kubla kündigte in der Pressekonferenz an, dass der Dienst "Apple Pay" in Kürze auch mit der Sparkassen-Girocard funktionieren soll. Bislang muss die Kreditkarte hinterlegt werden. Android-Nutzer können bereits seit Längerem die App "Mobiles Bezahlen" nutzen.

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