Wirtschaftsexperte empfiehlt Rückkehr zu »ALS«

Alsfeld (aaz). Wie aus dem Nichts taucht es ab und zu noch einmal auf den Straßen im Vogelsbergkreis auf. Häufig sieht man es an älteren Pkw oder Traktoren aufblitzen: Das veraltete Alsfelder Stadtkennzeichen »ALS«.

Alsfeld (aaz). Wie aus dem Nichts taucht es ab und zu noch einmal auf den Straßen im Vogelsbergkreis auf. Häufig sieht man es an älteren Pkw oder Traktoren aufblitzen: Das veraltete Alsfelder Stadtkennzeichen »ALS«. Der jüngeren Generation erscheint es oftmals ungewohnt und fremd, oder sie erkennt es gar nicht erst. Eine Initiative der Heilbronner Hochschule möchte das auslaufende Altkennzeichen nun aus der Versenkung holen.

Bereits seit einem Jahr beschäftigen sich der Dekan der Fakultät für Wirtschaft, Prof. Dr. Ralf Bochert, und seine Studenten mit der Fragestellung, einige Altkennzeichen, die im Zuge der Reformen vor vielen Jahren wegfielen, wieder neu einzuführen. So auch das Kennzeichen »ALS« für Alsfeld, das 1972 durch »VB« für Vogelsbergkreis abgelöst wurde. Am Montag abend lud Dr. Bochert daher zu einem Pressegespräch mit Bürgermeister Ralf Becker ins Rathaus ein.

Im Hinblick auf das unbedeutend wirkende Thema erklärte Bochert: »Es ist kein Hirngespinst.« Dies verdeutlichen auch die Ergebnisse der Untersuchung. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurden insgesamt 11000 Personen aus 51 deutschen Städten dazu befragt. Die Zahlen sprechen für sich: Eine große Mehrheit von 73 Prozent äußerte dabei den Wunsch zur Rückkehr zu ihrem jeweiligen Altkennzeichen. Dem gegenüber lehnten nur zwölf Prozent eine erneute Änderung ab. Der Rest enthielt sich.

Besonders stark werde der Wunsch in den neuen Bundesländern vertreten, da die Reformen dort erst vor wenigen Jahren oder gar erst kürzlich durchgeführt wurden. Darum ist es umso überraschender, dass auch rund zwei Drittel der Menschen in den alten Bundesländern das Altkennzeichen bevorzugen, obwohl die Gebietsreformen da weiter zurück liegen. »Dies zeigt, welche Langfristigkeit und Nachhaltigkeit das Thema hat,« so Bochert.

Auch in Alsfeld zeigen die Umfragewerte ein ähnliches Bild: 61,2 Prozent der Kfz-Besitzer würden eine Rückkehr zum »ALS«-Kennzeichen begrüßen. Als Grund für die starke Neigung der Menschen, die auslaufenden Kennzeichen wieder einführen zu wollen, führt Bochert vorrangig die Verbindung der Bürger zu ihren Wohnorten an. Die Landkreise schafften keine emotionale Zuordnung, die Identifikation erfolge über die Städte. Zudem habe das Auto an sich für viele Menschen eine große Bedeutung. Kombiniert mit der sentimentalen Verbindung zum Heimatort sei die Bedeutung des Kennzeichens nicht zu unterschätzen.

Auf der anderen Seite lehnten 24,5 Prozent der Alsfelder den Vorschlag ab. Abgesehen von der Tatsache, dass die Bevölkerung Veränderungen gewöhnlich zunächst skeptisch gegenübersteht, so scheuten die meisten Bürger den Aufwand und die Kosten, die eine solche nach sich ziehen würde. Da sieht Bochert jedoch Aufklärungsbedarf. Technisch sei die Umsetzung kein Problem. Das Modell mehrerer Kennzeichen in einem Landkreis, wie es derzeit schon im Main-Kinzig-Kreis mit dem eigenen Hanauer Kennzeichen »HU« durchgeführt wird, verursache nach einer einmaligen Umstellung keine weiteren Verwaltungskosten.

Es sei nicht nötig, neue Zulassungsstellen für die Kennzeichen zu etablieren. Auch auf die »Träger« der neuen alten Kennzeichen würden keine zusätzlichen Gebühren zukommen: Sollte das Altkennzeichen als Pflicht für alle Alsfelder eingeführt werden, so enstünden nur die üblichen Kosten bei der Anmeldung eines Neuwagens, da das »VB«-Kennzeichen für Altfahrzeuge weiter zulässig bliebe.

Trotz dieser Vorbehalte gebe es eine überzeugend große Zahl an Befürwortern. Diese Mehrheit veranlasst Bürgermeister Ralf Becker dazu, den Antrag auf Zulassung bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung einzureichen. Ein eigenes Kennzeichen sei ein kostenloses Marketinginstrument, welches der Stadt Alsfeld zu mehr Wahrnehmung verhelfe und einen hohen Wiedererkennungswert aufweise. Die Vermarktungspotenziale hinsichtlich Tourismus, Wirtschafts- und Imageförderung seien zu markant, um den Vorschlag fallen zu lassen.

Weiterhin gebe es keine Stadt im Vogelsberg, die den gesamten Kreis eindeutig präge. Aus diesem Grund sei ein eigenes Kennzeichen eine nachvollziehbare Konsequenz. Becker erinnerte dabei jedoch auch an die Einwohner Lauterbachs, die man bei dem Entscheidungsprozess nicht vernachlässigen dürfe. Auch der Kreisstadt stehe die Möglichkeit zur Werbung in eigener Sache durch das Symbol »LAT« zu. Darum sollte man die Umfrage zunächst auch auf die restlichen Gebiete des Kreises ausdehnen.

Die Verwaltungen der Landkreise selbst verhielten sich anfangs äußerst reserviert, wenn sie mit der Fragestellung des Projektes konfrontiert wurden. Einerseits fürchteten sie den Verlust einer Kreisidentität und größere Schwierigkeiten bei der Werbung für den Gesamtkreis. Andererseits räumte man ein, von den Einnahmen aus der Kennzeichenvergabe profitieren zu können. Generell überwog jedoch der Wunsch nach Einheitlichkeit und damit die Ablehnung der regionalen Kennzeichen.

Borchert und seine Mitarbeiter plädieren für die Wiederaufnahme der Altkennzeichen in den Straßenverkehr. »Das »ALS«-Kennzeichen ist ein Symbol für die Marke Alsfeld«, meinte Bochert. Die Stadt solle diese kostenlose Marketingmöglichkeit nutzen, zumal ein Großteil der Einwohner die »Reform der Reform« offenbar willkommen heißen würde. Den Landkreisen entstünden dadurch keine Nachteile: »Wem schadet es also?«

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