"Wir haben 800 Kilometer zu Fuß zurückgelegt"

Alsfeld (mca). Oft würde man den Autoren eines Buches gern fragen, was er sich bei der einen oder anderen Stelle in seiner Lektüre gedacht hat. Woher kam die Idee und gibt es die Personen wirklich?

Diese Möglichkeit hatten jetzt die Klassen 8bR und 8cR der Geschwister-Scholl-Schule. Nachdem die Klassen im Unterricht das Jugendbuch "Auf einem langen Weg" von Gudrun Pausewang gelesen hat, stattete die in Schlitz wohnende Autorin der Schule einen Besuch ab. In der Pausenhalle stellte sie sich den zahlreichen Fragen der Achtklässler.

"Ich habe geweint, als Hitler gestorben ist", gestand die 80-jährige Autorin den Schülern in der Pausenhalle der Geschwister-Scholl-Schule. Die Achtklässler haben sich im Deutschunterricht eingehend mit Nationalsozialismus, Krieg und Vertreibung beschäftigt. Das Buch "Auf einem langen Weg" handelt von eben diesen Themen. Gudrun Pausewang wurde in Böhmen geboren und gehörte selbst zu den Flüchtlingen des Zweiten Weltkriegs.

Die ganze Erziehung sei damals mit dem Bund deutscher Mädchen und der Hitlerjugend darauf ausgelegt worden, den Kindern die nationalsozialistische Ideologie möglichst früh einzutrichtern. "Jugendbücher sind geschrieben und Lieder komponiert worden, nur um uns zu manipulieren", so Pausewang. Die Schüler hörten aufmerksam zu und staunten nicht schlecht, als die Autorin auf die Frage, welche Strecke sie auf ihrer Flucht zurückgelegt habe, antwortete: "Es waren so ungefähr 800 Kilometer".

In unserer heutigen Zeit kaum vorstellbar, eine solche Entfernung zu Fuß zu bewältigen. "Nach zwei Wochen hatte ich mein zweites Paar Schuhe durchgelaufen". Zufällig fand sie am Wegrand einen Schuh, der nur etwas zu groß war und nach einiger Zeit noch einen zweiten. Erzählungen wie diese stimmen die Schüler nachdenklich.

Wenn die Autorin mit kurzen Fragen die Aumerksamkeit ihres Publikums auf sich zog, konnte man merken, dass sie früher selbst Lehrerin war.

Gudrun Pausewang hat in ihrem Leben 87 Bücher geschrieben. Themen, die immer wieder auftauchen, sind: Krieg, Umwelt, Nationalsozialismus und das Leben in Südamerika. Dort lebte sie selbst acht Jahre lang und arbeitete als Lehrerin. "Es war schon immer ein Traum von mir, nach Südamerika zu gehen". Eine Schülerin wollte wissen, warum sie in ihrem Buch gerade über Kinder schreibe. "Kinder sind immer die Leidtragenden in Kriegen. Sie sind am schlimmsten dran", antwortete Pausewang.

Zu vielen ihrer Antworten weiß sie kleine Geschichten zu erzählen. Beispielsweise habe sie in einer ihrer Lesungen einmal eine Frau getroffen, deren Söhne Werner und Achim Adamek heißen, genau wie die beiden Hauptfiguren in ihrem Buch, obwohl die Namen erfunden sind.

Am Ende der Veranstaltung lobte die Schriftstellerin ihr Publikum für die interessanten Fragen. Sie versicherte: "Es wird noch weitere Bücher geben, schreiben ist für mich kein Job, sondern eine Leidenschaft".

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