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Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes laufen derzeit bei Grebenhain weitere Arbeiten. So werden zu mächtig gewordene Büsche entfernt. FOTO: AU

Wieder mehr Weidefläche erhalten

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Vogelsbergkreis(au). Bereits seit Ende vergangenen Jahres wird auf Weideflächen nahe Grebenhain-Bermuthshain in Etappen am Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg weiter gearbeitet. Das Wetter hat es der Firma aus Schlüchtern nicht ganz leicht gemacht. Denn was sie für ihre Arbeiten braucht, das sind längere Frostperioden oder Trockenheit. Beides hielt dieser Winter nur sehr spärlich bereit.

Da nur in der Zeit zwischen Anfang Oktober bis Ende Februar an Hecken und Feldgehölzen gearbeitet werden darf, blieb nur wenig Zeit für die komplette Erledigung der Arbeiten im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes. So wurden in der vorgeschriebenen Zeit Büsche entfernt und jetzt bei geradezu idealem Wetter der Abtransport mit einem Rückefahrzeug vorgenommen.

Schlehen schwer in Zaum zu halten

Auf der weitläufigen Weide waren die Büsche in Teilbereichen zu übermächtig geworden. Oft ist es für die Land- wirte sehr schwer, gerade den "unzähmbaren" Schwarzdorn (Schlehe) unter Kontrolle zu halten.

Vor allem überall dort, wo man nicht mit dem Traktor nachpflegen kann. Die Rinder, die sich den Sommer über um die saftigen Gräser und Kräuter kümmern, verschmähen Sträucher wie den dornen- bewehrten Schwarzdorn.

Auf den Weideflächen bei Bermuthshain ist so nach und nach immer mehr Grünland verlorengegangen und Pflanzenarten, die typisch für extensives Grünland sind, waren verschwunden.

Eine Situation die sowohl für den Landwirt als auch den Naturschutz unbefriedigend war. In enger Zusammenarbeit mit dem Landwirt und den Flächeneigentümern hatte das Projektteam die Planung für eine großflächige Ent- buschungsmaßnahme abgeschlossen und ein Unternehmen für die Umsetzung gefunden. Bei der Entbuschung auf knapp einem Hektar werden alle Gehölze vollständig gerodet mit dem Ziel, im Anschluss wieder Grünland zu etablieren.

Nach dem Fällen der Bäume werden die Flächen aufgeräumt und neben den Bäumen möglichst viel Reisig und Astwerk entfernt. Letzteres ist in mühseliger Handarbeit zu bewältigen, aber ein entscheidender Schritt hin zum "richtigen" Grünland.

Je sauberer bei diesem Arbeitsschritt gearbeitet wird, desto weniger holzige Bestandteile bleiben auf der Fläche. So entsteht nach dem Mulchen ein ideales Saatbeet. "Wenn die Startbedingungen stimmen, zieht sich bereits Anfang Mai ein erster grüner Flaum über die neu entstandenen Freiflächen", so Michaela Fedeli beim Telefoninterview, da durch das Coronavirus ein Ortstermin nicht möglich war.

Bäume bleiben erhalten

Nach dem Mulchen wird die Fläche Mitte April mit Saatgut eingesät, das im Sommer mit einem speziellen Mähdrescher auf Vogelsberger Bergmähwiesen gewonnen worden war. Auch wieder eine Arbeit, die nur per Hand erledigt werden kann. An dieser Stelle übernimmt der Landwirt. Neben der Entbuschung sollen die überalterten Hecken auf den Stock gesetzt werden. Dabei werden die Sträucher zwar bodentief abgeschnitten, aber die Wurzel bleibt unbeschädigt. Die Gehölze können im nächsten Sommer neu aus-treiben.

Dies dient der Verjüngung der wertvollen Heckenzüge. Die Gehölze, vor allem Haselsträucher und Weiden, bilden meist schon im nächsten Jahr ein schützendes Blätterdach und ein dicht verzweigtes Geflecht aus Ästen. Viele Tierarten finden so wieder Rückzugsmöglichkeiten oder einen Brutplatz.

Bei dieser Maßnahme bleiben die großen Bäume erhalten und bilden weiter das Gerüst für den Heckenzug. Unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten werden Hecken immer abschnittsweise auf den Stock gesetzt, damit genügend Grün für die Tierwelt vorhanden ist.

Auf der jetzt geräumten Fläche steht als nächstes der Einsatz eines großen Forstmulchers an, um die Flächen für die Einsaat vorzubereiten.

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