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Gericht

Mit dem Werkzeug der Feuerwehr auf Beutezug

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Ein offenbar gründlich geplanter Raubzug im Kreis endete in einer Aprilnacht 2016. Jetzt sitzt ein 38-Jähriger in Alsfeld vor dem Richter. Er schweigt. Von den mutmaßlichen Komplizen fehlt jede Spur.

Für die Feuerwehren bedeutete der Einbruch in ihre Gerätehäuser einigen Ärger. So vermissten die Brandschützer aus Romrod nach dem 5. April 2016 ihr schweres Gerät. Das brauchen sie, um nach Unfällen Autos aufzuschneiden oder nach schweren Unwettern Bäume zu zersägen.

Die ungebetenen nächtlichen Besucher hatten anderes vor. Mit den schweren Hebel- und Brechwerkzeugen wollten sie an den Geldautomaten der Volksbank Mittelhessen. Weil kurz zuvor bei der Feuerwehr in Atzenhain ebenfalls ein Brechwerkzeug und zwei Handlampen gestohlen wurden, geht die Polizei davon aus, dass die Täter auch dort aktiv waren.

Die Verhandlung gegen den Angeklagten sollte schon im vergangenen November stattfinden. Auf der Fahrt nach Alsfeld blieb der Berliner, der in Albanien geboren wurde und 1992 nach Deutschland kam, damals nach einem Lkw-Unfall im Stau stecken. So muss das Verfahren jetzt neu aufgerollt werden. Der 38-jährige Lkw-Fahrer hat zehn Jahre seines Lebens in Haft verbracht, unter anderem wegen schweren Raubs und Körperverletzung.

Staatsanwaltschaft und Polizei gehen davon aus, dass der Mann Mitglied einer Bande war. Obwohl er kräftig ist, hätte er die schweren Werkzeuge nicht allein tragen können. "Es ist lebensnah, wenn wir annehmen, dass zwei bis drei Leute diese Geräte getragen haben", meinte auch der Richter. Zudem wurde in der Nähe des Tatortes ein Fußabdruck gefunden, der nicht zum Angeklagten gehört.

Gemeinschaftlich hätten sie Geldautomaten aufbrechen wollen, um sich Geld zu beschaffen, so die Staatsanwältin. Im Schlitzer Stadtteil Michelsrombach hat der Plan funktioniert. Doch in der inzwischen geschlossenen Bankfiliale in Groß-Eichen lösten sie Alarm aus. Ob der Mann auf der anschließenden Flucht seine Komplizen irgendwo absetzte, bleibt unklar.

Jedenfalls blieb beim übereilten Aufbruch in Groß-Eichen Werkzeug zurück. Das spielt beim Gerichtsverfahren eine Rolle, deshalb wurden die Geräte in den Saal gebracht. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Nur einmal sagte er etwas, als es um die Felgen am silbernen Fluchtmercedes ging und die Frage, ob der Wagen Standardfelgen hat oder außergewöhnlich teure. "Es sind Standardfelgen," meinte der 38-Jährige, zum Ärger seines Pflichtverteidigers, der zu seinem Schützling meinte, er solle lieber die Klappe halten.

Eine Polizeibeamtin schilderte den Ablauf in der betreffenden Nacht, als nach dem Mercedes gefahndet wurde. Der wurde später auf der Autobahn in der Nähe von Friedewald gestoppt, der Angeklagte war zuvor mit sehr hohem Tempo unterwegs und saß allein im Wagen. Im Autos fanden sich etliche Handys, Funkgeräte und ein Benzinkanister. Dumm gelaufen: Der Angeklagte hatte ein Firmenfahrzeug verwendet und die beiden Kameras am Autos hatten die komplette Fahrtstrecke ab der Schweiz aufgezeichnet.

Deshalb sah die Polizei auf den Filmen, dass der Angeklagte vor der Tat in zwei Baumärkten Äxte und Vorschlaghämmer gekauft hatte. Und dann gibt es noch den Nachbarn der Bankfiliale in Groß-Eichen. Er überwacht seinen Hof, der ganz in der Nähe der früheren Bankfiliale liegt, mit einer Videokamera. Auch auf seinem Film ist der silberne Mercedes gut zu sehen.

Am ersten Verhandlungstag wurden weitere Polizeibeamte gehört, die mit dem Fall befasst waren. Nur einer konnte nicht mehr erscheinen. Der 36-jährige Polizist ist Anfang Mai bei einem schweren Autounfall zwischen Alsfeld und Fischbach ums Leben gekommen. Die Verhandlung wird in der nächsten Woche fortgesetzt.

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