Die Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus) macht sich auf Flächen schnell breit. Heimische Kräuter haben dann das Nachsehen. FOTO: AU
+
Die Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus) macht sich auf Flächen schnell breit. Heimische Kräuter haben dann das Nachsehen. FOTO: AU

Weitere Flächen gekauft

  • vonDieter Graulich
    schließen

Vogelsbergkreis(au). Kürzlich trafen sich in Crainfeld Vertreter des Bundes, des Landes, des Vogelsberg- und Wetteraukreises, mehrere Städte- und Gemeindevertreter sowie Angehörige aus den Arbeitsbereichen Forst, Landwirtschaft und Naturschutz, um sich über den Stand beim Naturschutzgroßprojekts Vogelsberg (NGP) zu informieren. Anja Püchner, Vorsitzende des Trägervereins Natur- und Lebensraum Vogelsberg, betonte, dass die Trockenheit des dritten Sommers in Folge auch die Verantwortlichen beim Naturschutzgroßprojekt vor große Herausforderungen stellt. Es seien jedoch auch Erfolge zu verzeichnen, so eine Zunahme der Braunkehlchen-Population im Wiesenbrüterhabitat bei Vaitshain.

Projektleiter Ruben Max Garchow informierte über die Umsetzung von Maßnahmen. 2019 wurden die Anforderungen im Bereich Grunderwerb gar nicht erfüllt, da es wegen der Flächenknappheit schwer sei, Flurstücke für den Kauf zu finden, jedoch laufe es in diesem Jahr besser. Eine Fläche in Ruppertenrod wurde bereits erworben, zwei weitere Ankaufsprozesse laufen.

Ein großer Erfolg im Grunderwerb sei zudem die Vertragsunterzeichnung für eine Langfristpacht von Flächen von Flächen in Grebenhain.

Weitere Maßnahmen, die sowohl 2019 als auch 2020 durchgeführt wurden, sind zum Beispiel Wiesendrusch, Entbuschungen, Heckenpflege, Entnahme von Fichtenriegeln. Besonders hob Garchow die Beweidung mit Wasserbüffeln hervor. Sie habe mit zur Erhöhung des Braunkehlchen-Bestandes beigetragen. Ein neues größeres Teilprojekt soll ab Herbst umgesetzt werden: Die Gewässerrenaturierung am Waaggraben bei Vaitshain.

Stolz ist das Projektteam außerdem auf den Fotowettbewerb. Das Team hofft, dass auch im August wieder viele schöne Fotos, diesmal zum Thema "Weidetiere bei der Arbeit", eingehen.

Braunkehlchen vermehren sich

Michaela Fedeli, stellvertretende Projektleiterin, und Julia Blumensaat, Praktikantin, stellten dann die Neophyten- Bekämpfung vor, genauer gesagt die Bekämpfung der invasiven Vielblättrigen Lupine (Lupinus polyphyllus). Die Pflanze stammt aus Nordamerika. Sie wird auf bodensauren Standorten häufig zur Bodenfestlegung, Gründüngung, als Zwischensaat in Gehölzpflanzungen sowie als Wildfutter ausgebracht. So gibt es Vorkommen auf Straßen- und Eisenbahnböschungen, an Säumen sowie in Wäldern. Besonders von Veränderungen durch die Lupine betroffen sind magere Wiesen- und Weidegesellschaften in Mittelgebirgen und andere schutzwürdige Vegetationstypen. Der dichte, hohe Wuchs der Lupinen und der Eintrag von Stickstoff bewirken nachhaltige Vegetationsveränderungen, von denen in mageren Grünlandgesellschaften auch seltene Arten betroffen sein können. Fedeli erläuterte das Lupinen-Management des NGP, welches hauptsächlich auf dem Ausstechen der Pflanzen beruht. Es wurde dargestellt, wie kosten- und arbeitsintensiv diese Maßnahme ist, dass sie auf vielen Flächen sehr gute Erfolge erzielt, sich auf einigen "Problemflächen" bisher allerdings kaum positiv auswirkte. Aus diesem Grund wurde nach neuen Lösungsansätzen gesucht.

Schließlich hörten die Veranstaltungsteilnehmer noch einen kurzen Vortrag von Uwe Prihoda vom Landesbetrieb Hessen Forst. In bestimmten Waldbereichen werden abgesehen von der Verkehrssicherung keine Eingriffe in die natürliche Waldentwicklung mehr vorgenommen. Während der Geländebegehung diskutierten die Teilnehmer erneut über die Lupinen-Bekämpfung. Die Exkursion führte zu Flächen, auf denen die Vielblättrige Lupine eine Rolle spielt. Die erste Station an der Herchenhainer Höhe zeigte, wie gut die Erfolge des Ausstechens sein können. Die zweite Station am nordöstlichen Ortsrand verdeutlichte hingegen, wie massiv die Vielblättrige Lupine eine Fläche beherrschen kann. Ohne etwas zu unternehmen, gehe der wertvolle Lebensraum mit heimischen Kräutern verloren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare