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Warum Frauen weniger als Männer verdienen

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Die Vogelsberger verdienen weniger als Gießener und Wetterauer. Frauen sind noch schlechter dran, sie haben im Monat 500 Euro weniger als Männer. Das hat verschiedene Gründe.

Es sind recht wenige Zahlen, doch sie haben es in sich. Die Arbeitsagentur Gießen hat für ihren Zuständigkeitsbereich, zu dem der Vogelsbergkreis gehört, Durchschnittsgehälter aufgearbeitet. Das Ergebnis wirft für 2018 ein Schlaglicht auf regionale und auf Geschlechterunterschiede. So zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Verdiensten in Vogelsberg, Gießen und Wetterau, zwischen geringer und höher Qualifizierten und zwischen Männern und Frauen. Und es zeigt sich, dass sich die Einkommenskluft zwischen Gießen und Vogelsberg über die Jahre hinweg nicht schließt.

Arbeitsplätze im Vogelsberg sind etwas schlechter dotiert als in den mittelhessischen Nachbarregionen. Im Raum Gießen oder Wetterau profitieren Arbeitnehmer bereits von den höheren Löhnen, die im Rhein-Main-Gebiet gezahlt werden. Das Durchschnittseinkommen betrug 2018 im Vogelsberg brutto 3042 Euro/Monat. In Gießen waren es 3334 Euro, in der Wetterau 3237 Euro. Das ist ein Unterschied, aber der ist nicht so erheblich wie beim Blick auf den Wohnort: Vogelsberger haben, egal, wo sie tätig sind, durchschnittlich 3152 Euro auf dem Gehaltszettel, Gießener 3399 und Wetterauer sogar 3538 Euro. Das lässt sich vor allem durch den jeweiligen Anteil an Akademikern und höher Qualifizierten erklären.

Viele im unteren Entgeltbereich

Die Auflistung der Arbeitsagentur Gießen unterscheidet in drei Qualifizierungsgrade der Arbeitnehmer, lässt aber Beamte und Selbständige außen vor. Menschen ohne Berufsabschluss erhalten in den drei Kreisen zwischen 2380 und 2409 Euro monatlich, solche mit einem "anerkannten Berufsabschluss" 3050 bis 3300 Euro. Spitzenreiter beim Entgelt sind Akademiker, die im Vogelsberg durchschnittlich 4380 Euro verdienen, in Gießen 4811 und der Wetterau fast 5000 Euro. Agentursprecher Johannes Paul erinnert daran, dass aus dem Vogelsberg mehr Handwerker kommen, während Gießen mit der Universität viele Akademiker hat.

Eine andere Statistik der Arbeitsagentur belegt die Qualifizierungsunterschiede zwischen den drei Landkreisen: So arbeiteten 2017 rund 22,4 Prozent der Vogelsberger im unteren Entgeltbereich, 18,6 Prozent hatten Jobs mit komplexen Tätigkeiten. Zum Vergleich: 18,6 Prozent der Gießener lagen im unteren Entgeltbereich. Komplexe Tätigkeiten übten 27,4 Prozent der Gießener und 27,8 Prozent der Wetterauer aus.

Im Vergleich das Durchschnittsentgelt 2017: Vogelsberg 2954 Euro, Gießen 3237 und Wetterau 3156 Euro. Diese Lücke hat Tradition. Zehn Jahre zuvor verdienten Vogelsberger im Schnitt knapp 2400 Euro, Gießener 2650 und Wetterauer 2630 Euro. Das bundesweite Durchschnittseinkommen betrug im Jahre 2017 rund 3200 Euro.

Noch eine Zahl erstaunt: Frauen verdienen weiter deutlich weniger als Männer. Beim Arbeitsort im Vogelsberg liegt das Entgelt von Männern bei 3166 Euro, bei Frauen sind es 2556 Euro monatlich.

Dafür nennt Agentur-Sprecher Johannes Paul gleich mehrere Ursachen. So unterbrechen Frauen ihre Berufslaufbahn für Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen. Das wirft sie gehaltsmäßig zurück. Kinder sind für Männer karrierefördernd, für Frauen offenbar nicht. Übrigens sind in die Statistik nur Vollzeitstellen eingeflossen, also beeinflusst der höhere Teilzeitanteil bei Frauen diese Statistik nicht.

Aber Frauen sind häufiger in geringer bezahlten Berufen zu finden, wie die Pflege und Friseurhandwerk. Paul verweist zudem darauf, dass Männer eher für höhere dotierte Jobs ausgesucht werden als Frauen, "Mann fördert Mann". Vielleicht spielt es eine Rolle, dass Führungskräfte Menschen bevorzugen, die ihnen ähnlich sind. Nicht zuletzt seien Frauen eher mit einfachen Positionen zufrieden und weniger aufstiegsorientiert. Paul: "Bei uns im Arbeitsamt arbeiten 70 Prozent Frauen, in Führungspositionen sind sie aber weniger vertreten."

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