TNG-Geschäftsführer Dr. Volkmar Hausberg (r.) informiert Landrat Manfred Görig (m.) und Bigo-Geschäftsführer Raphael Kupfermann. FOTO: PM
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TNG-Geschäftsführer Dr. Volkmar Hausberg (r.) informiert Landrat Manfred Görig (m.) und Bigo-Geschäftsführer Raphael Kupfermann. FOTO: PM

"Vom Standstreifen auf Überholspur"

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Vogelsbergkreis(pm). Vom Standstreifen auf die Überholspurt der Datenautobahn - diese Möglichkeit soll sich dem Vogelsberg bieten. Immer wieder haben in der Vergangenheit rechtliche Vorgaben für Zeitverzögerungen beim Breitbandausbau gesorgt, nun entpuppt sich "genau dieser Umstand als Glücksfall," heißt es.

Die Kieler Firma TNG Stadtnetz will den Vogelsberg Stück für Stück mit schnellem Internet versorgen - mit einem eigenen Glasfasernetz und kostenlosen Hausanschlüssen, wie Geschäftsführer Dr. Volkmar Hausberg im Gespräch mit Landrat Manfred Görig und Bigo-Geschäftsführer Raphael Kupfermann ankündigte.

Zahlreiche Glasfaser-Projekte habe TNG im hohen Norden bereits realisiert. "In Schleswig-Holstein sind wir mehr oder weniger fertig, es gibt keine größeren Gebiete mehr zu erschließen", so Hausberg. Daher habe TNG die Aktivitäten auf Hessen ausgedehnt.

Görig blickte auf die vergangenen Jahre zurück. "Unsere Strategie war der FTTC-Ausbau, etwas anderes war für uns nicht finanzierbar." FTTC (Fiber to he Cube) bedeutet: Das Glasfaserkabel wird bis in die grauen Verteilerkästen gelegt, die werden - wie jetzt in vielen Orten im Vogelsbergkreis - mit Vectoring-Technik aufgerüstet, um höhere Bandbreiten zu erzielen. Auf der Strecke von den Verteilerkästen zu den Häusern werden weiterhin die Telefonleitungen aus Kupfer genutzt, die den Flaschenhals darstellen und nur begrenzte Bandbreiten übertragen können. "Ein FTTH-Ausbau - also Glasfaser bis ins Haus - hätte uns über 100 Millionen Euro gekostet, das war nicht zu realisieren", so der Landrat, der noch einmal daran erinnert, dass zunächst die Bigo in Eigenregie den Vogelsberg und die Wetterau erschließen wollte, da kein einziges Unternehmen den Ausbau übernehmen wollte.

Das änderte sich, später trat die Telekom auf den Plan, die im Moment den geförderten Ausbau, also die Erschließung der Gewerbegebiete und Schulen, im Vogelsberg umsetzt.

"Das war ein großer Zeitverlust", bilanzierte Görig und spricht einen weiteren Umstand an, den der Vogelsbergkreis nicht beeinflussen konnte. Parallel zum geförderten Ausbau wollte die Telekom die Kabelverzweiger mit Vectoring ausrüsten, doch ein Großteil der grauen Kästen ist durch ein weiteres privates Telekommunikationsunternehmen reserviert, das Teile des Kreises ebenfalls privatwirtschaftlich erschließen will. Der privatwirtschaftliche Ausbau hat Vorrang vor dem öffentlich geförderten Ausbau, so die Bundesnetzagentur. "Jetzt haben wir die Chance auf die Glasfaserhausanschlüsse mit Bandbreiten von bis zu 1000 Mbit/s", so der Landrat. Volkmar Hausberg pflichtet bei: "Glasfaser ist die Zukunft."

Daher biete TNG nun in den ersten Kommunen im Kreis die Erschließung bis ins Haus an. In einer Pilotgemeinde soll Anfang nächsten Jahres mit den Bauarbeiten begonnen werdem. Die ersten Anschlüsse könnten demnach "in der zweiten Jahreshälfte" freigeschaltet werden, kündigt der TNG-Geschäftsführer an.

"Die Menschen hier haben lange auf schnelles Internet gewartet, es ist gut, wenn auch der privatwirtschaftliche Ausbau zügig umgesetzt werden kann", betont der Landrat. "Wenn ein Unternehmen Glasfaser zu uns bringt und die Bevölkerung es annimmt, dann ist das eine Sache, die positiv ist für den Vogelsbergkreis." Und: "Sie ist auch wirtschaftspolitisch interessant." Gerade in jüngster Zeit gebe es Zuzug in den Vogelsbergkreis - vor allem in Gemeinden, die eine gute Verkehrsanbindung haben. "Aber die erste Frage ist stets: Gibt es hier Internet? Wenn es das nicht gibt, wird das Dorf sofort von der Liste gestrichen."

Von daher: Auch der Wert einer Immobilie wird davon abhängig sein, ob ein Glasfaseranschluss vorhanden ist oder nicht. "Wenn wir neben unseren Gewerbegebieten auch die Wohnviertel in den Städten und Dörfern mit schnellem Internet ausstatten können, gewinnen wir als Region insgesamt", so Görig. "Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren - und da setzen wir auch auf Sie", so Görig an die Adresse des TNG-Geschäftsführers.

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