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Vogelsberger wollen lieber Glasfaser von der Telekom

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Breite Ablehnung für das Glasfaserkabel einer Göttinger Firma bei über 90 Teilnehmern einer gemeinsamen Ortsbeiratssitzung.

Von der Resonanz war Richard Fleischhauer überrascht. Der Ortsvorsteher von Appenrod begrüßte über 80 Besucher zu einer gemeinsamen Sitzung mit seinen Ortsvorsteherkollegen aus Dannenrod und Erbenhausen, Carsten Wagner und Willi Österreich. Einziges Thema: Breitbandanschluss. In den drei Homberger Stadtteilen hat das Göttinger Unternehmen GöTel die Verteilerkästen, die sogenannten "Kabelverzweiger", reserviert, um in eigener Regie die Haushalte an Glasfaserleitungen anzuschließen. Das lehnen die drei Ortsbeiräte ab und auch in der Versammlung im Gemeinschaftshaus Appenrod sprach sich kein Besucher für eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen aus.

Einen Überblick über den Stand der Breitbandverkabelung gab Richard Fleischhauer, Ortsvorsteher von Appenrod. "Der Breitbandausbau startet durch", sagte er mit Blick auf den Spatenstich der bei Kreis angesiedelten Breitband-Infrastrukturgesellschaft Oberhessen Bigo. Dabei schließt die Telekom für die Bigo private Haushalte an, die Bigo will bringt Gewerbegebiete und Schulen ans schnelle Datennetz. Zentrale Punkte beim Ausbau sind die Kabelverzweiger, bis zu denen die Telekom Glasfaserkabel legt. Von dort aus geht es mit Kupferkabeln bis ins Haus, das bietet bis zu 250 MBit, was für private Haushalte vollkommen ausreiche. GoeTel will hingegen Glasfaserleitungen bis ins Haus legen, bei einer Präsentation durch einen Firmenvertreter habe das sehr gut geklungen. GoeTel hatte vor einiger Zeit die Firma OR Network übernommen.

Fleischhauer meint, es liege beim Kunden, ob er einen Anschluss durch die Telekom oder das Göttinger Unternehmen bevorzugt. Fleischhauer spricht sich für die Telekom aus, "weil man dann den Internetanbieter selbst wählen kann". Beim Ausbau durch die Göttinger sei man an das Unternehmen gebunden. Wenn man nachträglich zur Telekom wechseln wolle, sei das teuer. Willi Österreich verwies darauf, dass mindestens 60 Prozent der Haushalte im Dorf mitmachen müssen, bevor die Firma ausbaut. Wenn man viele Ältere im Ort hat, die das nicht wollen, sei der Ausbau schon dadurch blockiert. Es wurden auch mehrfach Zweifel laut, ob die Firma den Ausbau finanziell bewältigen kann.

Ein besonderes Problem stelle sich in Erbenhausen, weil die Telekom im Ortsnetz Kirtorf, zu dem der Homberger Stadtteil zählt, demnächst ausbauen will. Wenn die Telekom mit diesem Ausbau fertig ist und der Kabelverzweiger erst danach wieder frei wird, bleibe Erbenhausen unerschlossen.

Einige Besucher sprachen sich für den Vorschlag Fleischhauers aus, mit einer Unterschriftenliste gegen den Ausbau durch das Göttinger Unternehmen zu protestieren. Das ist zwar nicht bindend, soll aber zeigen, dass die Bevölkerung in den drei Orten lieber durch die Telekom angeschlossen werden will. Einstimmig beschlossen die drei Ortsbeiräte, dass sie einen Anschluss von Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen durch Telekom und Bigo anstreben. Das soll dem Göttinger Unternehmen mitgeteilt werden, kündigte Fleischhauer an.

Hombergs Erste Stadträtin Petra Wolf meinte, die drei Stadtteile hätten enorme Nachteile, weil sie nicht gut angeschlossen sind. "Wir geben gerne die Eingabe der Ortsbeiräte mit einem Begleitschreiben weiter." Inzwischen haben die Ortsbeiräte fleißig Unterschriften gegen den Ausbau durch das Göttinger Unternehmen gesammelt. In Appenrod würden noch vor Abschluss der Sammlung über 60 Prozent der Haushalte die Aktion unterstützen. Auch in Erbenhausen und Dannenrod seien die Bewohner überwiegend gegen den Anschluss durch GoeTel.

Trotz mehrfacher Nachfragen dieser Zeitung, was die weiteren Ausbaupläne angeht, wurde von der Firma aus Göttingen nur folgender Satz schriftlich übermittelt: "Die GoeTel-Gruppe plant zur Zeit den FTTH-Ausbau des gesamten Vogelsbergkreises". FTTH bedeutet "Glasfaser bis ins Haus".

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