Der Feuersalamander ist vom Aussterben bedroht. FOTO: TERBINA/OTTFRIED SCHREITER
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Der Feuersalamander ist vom Aussterben bedroht. FOTO: TERBINA/OTTFRIED SCHREITER

Trockenheit

Vogelsberger Feuerwehrsalamander droht auszusterben

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Der Klimawandel hat schon jetzt spürbare Auswirkungen. Aber für wen genau? Dieser Frage geht das Land nach und benennt "Klimaverlierer" unter den Tieren. Einer ist der Feuersalamander.

Im November startete das hessische Umweltministerium ein Landesprogramm gegen das Artensterben. Als Symbolfigur für diese Kampagne wurde der Feuersalamander gewählt. Bei der Vorstellung der Kampagne beklagte Ministerin Priska Hinz angesichts der trockenen Sommer 2018 und 2019, dass das wiederholte Trockenfallen insbesondere der Bäche im Vogelsberg zum Verlust der dortigen Feuersalamander führen kann. Das Ministerium will mit einem Förderprogramm helfen, Bäche und Quellen zu renaturieren, um für Salamander und Co. bessere Lebensräume zu schaffen.

Ob solche Maßnahmen allerdings das Überleben des heimischen Feuersalamanders sichern können, ist fraglich, schreibt die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV). "Nicht nur weil sie mit großer Verspätung daherkommen, sondern auch weil alles Renaturieren nichts nutzt, wenn das Wasser fehlt". Und das werde im Vogelsberg immer rarer, weil die Grundwasserneubildung abnimmt.

Für Bäche, Quellen und Feuchtgebiete aber sind die Grundwasservorräte gerade in langen Sommern die einzigen Speicher, aus denen sie gespeist werden können. Und so haben fehlender Schnee wie aktuell in diesem Winter wieder, schnellere Oberflächenabflüsse und immer längere Trockenperioden dazu geführt, dass in den vergangenen 30 Jahren in manchen Gebieten bis zu 70 Prozent der Quellen verschwunden sind und dass zunehmend Gewässer trockenfallen.

Dieser Wassermangel werde durch die Grundwasserentnahmen für das Rhein-Main-Gebiet gewaltig verschärft. Besonders in langen heißen Sommern, also in Zeiten, in denen der Naturraum mehr denn je auf Grundwasser angewiesen ist, werde in den großen Vogelsberger Gewinnungsgebieten "gepumpt, was das Zeug hält," klagt Cecile Hahn von der Schutzgemeinschaft. Dass dann die Entnahme von Tagesspitzenmengen das Todesurteil für bedrohte Tier- und Pflanzenarten sein kann, "das scheint bislang noch nicht wirklich verstanden zu werden". So hätten die Genehmigungsbehörden ansonsten die "sommerlichen Höchstfördermengen schon längst reduzieren müssen". Denn das Grundwasser im Boden zu lassen sei eine der wenigen Handlungsmöglichkeiten, die zu einer Verbesserung der unterirdischen Vorkommen und damit auch zum Überleben des Vogelsberger Feuersalamanders beitragen könnten.

"So weiterzumachen wie bisher und dabei auf Regen zu hoffen, der die Vorräte wieder auffüllt, ist in unserem Jahrhundert des Klimawandels, in dem es zu letzten Male 2002 ein Nassjahr gegeben hat, nicht nur riskant, sondern auch naiv und gefährlich".

Auf all diese Probleme und Risiken weise die Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) seit vielen Jahren vehement hin. Und doch werde Gewinnung von Grundwasser für Rhein-Main eher ausgeweitet als eingeschränkt. Aus dem Vogelsberg fließen jährlich rund 20 Millionen Kubikmeter Wasser nach Frankfurt.

Um hier gegenzusteuern, hat die SGV diese Zusammenhänge, die Ursachen und die Verursacher sowie die notwendigen Problemlösungen analysiert. Nächste Woche will die Vereinigung in Nidda ein neues Wasserschutzkonzept vorstellen.

Beim Verschwinden von Feuersalamandern und Fischen der Quellregionen stehe an erster Stelle bei den Ursachen die gewaltige Grundwasserentnahme im Vogelsberg und den Randregionen, meint auch Kurt Orth aus Laubach. "Wenn man im Frühsommer die Quellgebiete unserer Flüsse wie Wetter, Horloff und Seenbach, um nur einige zu nennen, aufsucht, dann wird man entweder nur traurige Rinnsale oder überhaupt kein Wasser mehr vorfinden," schreibt er.

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