Staatsanwalt sieht besondere Schwere der Schuld

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Alsfeld(jol). Das Verfahren am Landgericht Gießen um das Tötungsdelikt auf einem Alsfelder Kleingartengelände geht in die Schlussphase. Am Freitag sagte ein letzter Zeuge aus. Der psychiatrische Gutachter erläuterte, weshalb der Angeklagte zur Tatzeit unter keiner psychischen Erkrankung litt. Sehr deutlich wurde Staatsanwalt Thomas Hauburger in seinem Plädoyer. Er forderte lebenslänglich für einen Heimtückemord mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Zum Auftakt sagte der ehemalige Vorsitzende des Kleingartenvereins aus. Er hat B. als hilfsbereiten Menschen erlebt, der gerne bei Arbeitseinsätzen geholfen hat. 2018 gab es einen Streit, als B. Steine durch die Hecke auf die Parzelle des späteren Opfers M. geworfen hat. Dabei sei B. "wie von der Tarantel gestochen auf M. losgegangen". Der Nebenklagevertreter warf dem Zeugen eine Mitverantwortung für die Tat vor, weil der Vorstand B. nicht früher aus dem Verein geworfen hat. Das wiesen Staatsanwalt und Verteidiger zurück und die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze verbat sich Schuldzuweisungen gegenüber Zeugen.

Der psychiatrische Sachverständige erläuterte, weshalb er beim Angeklagten keine tief greifende Persönlichkeitsstörung erkennt. Vielmehr sei ein lang andauernder Nachbarschaftsstreit eskaliert. Er attestierte dem Angeklagten B. Schuldfähigkeit. Zwar war B. dreimal in psychiatrischer Behandlung, doch zum Tatzeitpunkt in diesem Frühjahr habe es keine Anzeichen einer Erkrankung gegeben. So habe er mit dem Angeklagten die Stunden vor der Tat rekonstruiert und keine Bewusstseinsstörungen feststellen können. Bei der Tat sei B. zudem zielgerichtet vorgegangen.

"Sie haben das Opfer zum Objekt ihrer Wut gemacht", sprach Staatsanwalt Hauburger den Angeklagten im Plädoyer an. Bei einem Streit um eine Hecke habe das spätere Opfer auf Polnisch geflucht, was B. wohl falsch verstanden hatte. Deshalb musste M. zwei Jahre später sterben, das sei kaum nachvollziehbar. Erschüttert war Hauburger von der Brutalität, einen so stark verletzten Schädel habe er noch nicht gesehen.

Da B. von hinten zugeschlagen hat, sei es ein klassischer Heimtückemord. Hauburger forderte lebenslänglich und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Dann kann B. nach 15 Jahren nicht aus der Haft entlassen werden.

Ein Grund hierfür sei das "krasse Missverhältnis von Anlass und Tat". Das Opfer habe aus nichtigem Anlass sterben müssen. Und er habe auch von der Tat nicht abgelassen, nachdem ihn eine Zeugin zur Räson gerufen hatte.

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