Sprache lernen: Unterricht an Schule für Flüchtlinge

Alsfeld (pm). Besonders an junge Flüchtlinge zwischen 13 und 20 Jahren richtet sich ein neues Angebot der Max-Eyth-Schule: In einer Sonderklasse wird intensiv Deutsch vermittelt, als Grundlage für die reguläre Schule.

Vogelsbergkreis (pm). Junge Flüchtlinge haben oft viel zu geringe Deutschkenntnisse, um im normalen Schulunterricht mithalten zu können. Ihnen bietet nun die Max-Eyth-Schule Alsfeld eine Sonderklasse an, in der "DaZ – Deutsch als Zweitsprache" unterrichtet wird. Das soll die Startchancen junger Leute, die aus anderen Staaten in die Region gekommen sind, deutlich verbessern. Dabei handelt es sich um einen elementaren und praxisorientierten Deutschunterricht für junge Menschen, die mit dem Ziel nach Deutschland kommen, hier zu bleiben und die deutsche Sprache und Kultur benötigen, um sich überhaupt integrieren zu können. Eine Zielsetzung, die besonders vor dem Hintergrund der neuesten Bildungsstatistiken notwendig geworden ist.

Überdurchschnittlich viele junge Leute mit Migrationshintergrund erlangen häufig keinen Schulabschluss oder bleiben ohne Ausbildungsplatz. Das liegt nicht am Mangel der mentalen und charakterlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Eine besondere Gruppe innerhalb dieser Klientel stellen Flüchtlingskinder und erst seit kurzem in Deutschland wohnende ausländische Jugendliche dar. Ihnen fühlt sich die Max-Eyth-Schule als Europaschule und aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung im Deutschunterricht als Zweitsprache besonders verpflichtet.

Ein Beispiel: Ari (13) und Hassan (15) Haskani sind nach einer abenteuerlichen Odyssee aus Mazar e Sharif in Afghanistan, über den Balkan nach Europa gekommen. Ohne ihre Eltern und vom Krieg in ihrem Heimatland traumatisiert haben sie es nach Deutschland geschafft. Sie leben jetzt in einem betreuten Jugendwohnheim in Hessen. Ohne Deutschkenntnisse, ohne Grundlagen in der Schriftsprache zu haben und mit der Bildung einer afghanischen Koranschule, sollen sie vormittags nun dem Unterricht der Klassen 7 und 9 einer Gesamtschule folgen. Nachmittags sollen sie dann noch ihre Deutschkenntnisse verbessern – eine schulische Integration, die so einfach nicht gelingen kann. Die Folgen dieses bildungspolitischen Spagats sind gerade bei jungen Heranwachsenden unausweichlich und reichen von Nichtversetzung, Ausgrenzung, Isolation über psychische Erkrankungen bis hin zu Aggression, Schulverweigerung und beruflicher Perspektivlosigkeit, wie die Max-Eyth-Schule weiter mitteilt.

Sonderklasse für junge Flüchtlinge – Appell

Damit Flüchtlingskinder zwischen 13 und 20 Jahren im Vogelsbergkreis einen besseren Schulstart haben, geht die Max-Eyth-Schule Alsfeld zusammen mit dem staatlichen Schulamt Gießen/Vogelsbergkreis ab August 2012 innovative Wege. Mit dem neuen Schuljahr wird es eine Sonderklasse "DaZ" (Deutsch als Zweitsprache) geben, die als Intensivlerngruppe vor allem ältere Kinder und Jugendliche besser auf den Schulstart vorbereiten soll. Möglichst schnell, effizient und nachhaltig sollen die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse Deutsch lernen, um es dann im schulischen und beruflichen Alltag anwenden zu können.

Lernatmosphäre schaffen, Lernstrukturen vermitteln, Lernmethoden eröffnen und Perspektiven aufzeigen, wollen die beteiligten Lehrkräfte und SozialpädagogInnen der Max-Eyth-Schule, damit der Start in der neuen Heimat gelingt und nicht zur Bildungsbauchlandung wird. Pädagogisch setzt man dabei genauso auf das Konzept des Miteinander- und Voneinanderlernens, wie auf die die behutsame Integration ins deutsche Bildungssystem. Der Stundenplan dieser Klasse besteht in der Anfangsphase im Wesentlichen zunächst aus Alphabetisierung, Phonetik, Schriftbildfestigung und systematischer Grundwortschatzerweiterung.

Die deutsche Sprache im Alltag anzuwenden, ist primäres Ziel, das den Schülerinnen und Schülern die Angst vor Einkauf, Behördengang, Sportverein, neuer Freundschaft und Schule nehmen soll.

In Phase zwei wird dieser Grundwortschatz systematisch ausgebaut, um je nach Lerntempo dann das Niveau A1/A2 des europäischen Referenzrahmens für Sprachen zu erreichen. Dazu gehören wird der Fachwortschatz Deutsch in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik genauso, wie informationstechnische Grundbildung als Basis für selbstorganisiertes Lernen. Die neue Sonderklasse "DaZ" ist während des gesamten Schuljahres offen für neue Schülerinnen und Schüler. Sie entlässt gleichzeitig je nach individuellem Lernfortschritt mitunter auch ihre Schützlinge bereits vor Schuljahresende in andere Schulformen.

Ein Appell der MES: Wer von ausländischen Jugendlichen oder Kindern weiß, die erst kürzlich nach Deutschland gekommen sind und sich mit der sprachlichen Integration schwer tun, soll sich bitte melden. Kontaktperson an der Max-Eyth-Schule ist Volker Weyandt, Tel. 06631-96700, beim Schulamt ist es Kerstin Gromes, Tel. 0641-4800 3311.

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