Sehr wahrscheinlich ohne Öffentlichkeit

  • Kerstin Schneider
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Alsfeld/Homberg(ks). Ende September soll vor dem Alsfelder Amtsgericht das Strafverfahren gegen einen jungen Homberger beginnen. Nach sehr langwierigen Ermittlungen, die sich über viele Monate hinzogen, hatte die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt vor Kurzem Anklage erhoben (die Alsfelder Allgemeine Zeitung berichtete).

Der junge Mann hatte Anfang 2019 bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt, weil er im Internet Daten von Politikern, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens ausgespäht haben soll. Der Homberger, der sich im Internet "G0d" nannte, hatte ein Geständnis abgelegt. Er soll von August 2015 bis Januar 2019 personenbezogene Daten (Telefonnummern, Anschriften, Kreditkartendaten, private Bilder und Kommunikation) von Politikern, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens abgefischt haben. Zur Beschaffung der Zugangsdaten soll er E-Mail-Anbieter getäuscht haben.

Zudem soll er versucht haben, Bundestagsabgeordnete zu erpressen. Das Hauptverfahren soll vor einem Jugendschöffengericht in Alsfeld stattfinden. Die Verhandlung wird trotz des erwarteten großen Interesses aller Voraussicht nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen, wurde jetzt mitgeteilt.

Großes Interesse

Dies hänge mit dem zum Tatzeitpunkt noch jugendlichen Alter des Angeklagten zusammen, sagte der Amtsgerichtsleiter Klaus Schwaderlapp, und er nannte als Grundlage das Jugendgerichtsgesetz (JGG), bei dem es im Kern um "Erziehung statt Strafe" gehe. Das Jugendschöffengericht kann Strafen bis zu fünf Jahren gegen Jugendliche und gegen zur Tatzeit Heranwachsende von bis zu zehn Jahren verhängen, so Schwaderlapp.

Es steht zu erwarten, dass die Öffentlichkeit vom Verfahren ausgeschlossen wird. Das werde aber der zuständige Vorsitzende Richter Dr. Süß zu Beginn der Verhandlung entscheiden. Weil angesichts des seinerzeit betroffenen Kreises von Opfern, darunter Prominente und Politiker wie etwa der Grünen-Chef Robert Habeck, mit einem großen Medienauflauf zu rechnen ist, müssten beim Amtsgericht besondere Vorkehrungen getroffen werden.

Auch hier hält sich Gerichtssprecher Schwaderlapp mit Hinweisen zurück, was die mögliche Abwicklung des Verfahrens angeht. Er werde dem Schöffengericht nicht vorgreifen.

Die Frage, ob im Zweifelsfall ein Ausweichen vom Gerichtssaal in die Alsfelder Stadthalle denkbar wäre, wurde von Schwaderlapp klar verneint.

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