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Wolfgang Pschierer vom Schafhalterverein Vogelsberg, Eduard Scherer und Ortrun Humpert (v. l.) mit dem mazedonischen Herdenschutzhund "Sirma".

Wolf

Schutzhunde gegen Wölfe kommen Schäfer teuer

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Seit der Wolf in Deutschland zurück ist, steigt die Nachfrage nach Herdenschutzhunden (HSH). Doch die Tiere sind teuer.

Dies war bei einer Info-Veranstaltung des Schafhaltervereins Vogelsberg im Hotel Herbstein in Herbstein zu hören. Nach der Informationsveranstaltung zum Thema "Wolf im Vogelsberg - Schutzmaßnahmen und Vorgehensweise beim Wolfsriss" im Juli in der Aula der Sparkasse Vogelsberg ging es jetzt um den Einsatz von Herdenschutzhunden.

Referentin war Ortrun Humpert, Vorsitzende des Schafzuchtverbandes in Nordrhein-Westfalen, die sich auch in der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde engagiert. Sie züchtet weiße, gehörnte und hornlose Heidschnucken sowie Skudden und hat mehrere HSH im Einsatz.

Gute Schutzhunde kosten rund 3500 Euro, Welpen etwa 1000 Euro, informierte Humpert. Nicht jeder Schäfer sei deshalb gewillt mit Herdenschutzhunden zu arbeiten. Deshalb sei die Anschaffung kein Patentrezept, weil die finanzielle Belastung nicht gerade gering. Denn die Hunde arbeiten in der Regel im Team zu zweit, je nach Gelände und Herdengröße sind deshalb mehrere Tiere erforderlich. Damit werde für manchen Schäfer die Weidehaltung unrentabel, obwohl sie für Naturschutz und Landschaftspflege von großer Bedeutung sei. Humpert fordert: "Wenn die Gesellschaft den Wolf will, muss sie auch die Kosten tragen."

Herdenschutzhunde wurden nach Angaben der Referentin in den vergangenen Jahrhunderten in unterschiedlichen Regionen Europas gezüchtet, um Nutztiere und Anwesen vor tierischen und auch menschlichen Angreifern zu schützen. Die bekanntesten Rassen sind neben dem französischen Pyrenäenberghund der ungarische Kuvasz, der kaukasische Owtscharka, der türkische Kangal, der italienische Maremmano-Abruzzese oder der Mazedonische Herdenschutzhund, jetzt Sarplaniac. Ihnen allen gemein seien das imposante Äußere, die hohe Wachsamkeit und die selbstständige Souveränität. Sie könnten stundenlang dösend auf ihrem Beobachtungsposten liegen, um dann bei Gefahr blitzschnell zu reagieren.

Ortrun Humpert und ihr Mann Andreas halten seit 2011 Pyrenäenberghunde, weil damals ein Luchs ihre Herden dezimierte. "Wir haben uns für diese Rasse entschieden, weil sie nicht so aggressiv ist. In unserer Kulturlandschaft muss ein Schutzhund viele unterschiedliche Reize durch Freizeitsportler, Fahrzeuge und Passanten entsprechend einordnen können", betonte sie bei ihrem Vortrag. Optimal sei es, wenn der Welpe in der Schafherde und dabei in der Ablammzeit geboren und aufgewachsen ist. Er wächst mit den Jungtieren zusammen auf, damit werde die Herde sein wichtigster Bezugspunkt und danach erst die betreuenden Menschen.

In ihren Ausführungen ging sie auch auf die derzeitige Gesetzeslage ein und betonte, das Gesetze, die mit Strom eingezäunte Weiden oder Nachtpferche mit Zwingern gleichsetzen würden, die empfohlene und derzeit sicherste Art des Herdenschutzes unmöglich machten. Zudem seien Herdenschutzhunde wetterfest und wollten bei der Herde liegen und nicht in separaten Hütten. Der sachgerechte Einsatz der Schuthunde könne nur funktionieren, wenn Ausnahmen von der geltenden Tierschutz-Hundehaltungsverodnung gemacht würden. Auch solltensich die Bbürger daran halten, nicht durch Tierherden zu laufen und stattdessen die Schilder beachten. An mehreren Beispielen machte Humpert auch deutlich, dass sich der Wolf an die Herdenschutzmaßnahmen wie sicherer Zaun und Herdenschutzhunde hält: "Der Wolf, der die Herdenschutzmaßnahmen akzeptiert, mit dem können wir leben," das betonte sie abschließend.

Zuvor hatte Eduard Scherer aus Ottrau (Schwalm-Eder-Kreis) aus seiner Arbeit mit Hunden der Rasse Sarplaninac berichtet. Er setzt seine Mazedonischen Herdenschutzhunde bei seinen 150 Dorper-Schafen, die er im Nebenerwerb hält, ein.

Entscheidend für den Kauf und Einsatz der beiden Mazedonier war der Ausbruch von zwei Wölfen Mitte Januar diesen Jahres aus dem Tierpark Knüll. Die Hunde stammen von einem Züchter aus Franken, der seine Tiere aus Mazedonien importiert hat. Scherer hatte mit "Sirma" eines seiner beiden Tiere mitgebracht und zeigte eindrucksvoll, wie vertrauensvoll sie gegenüber bekannten Menschen ist. Er machte aber darauf aufmerksam, dass Spaziergänger und Freizeitsportler die Herdenschutzhunde nicht reizen oder streicheln sollen, und riet, im Kontaktfall langsam den Weg zurückgehen, den man gekommen ist: "Es sind keine Angreifer, aber sie schützen ihre Familie", erläuterte ere.

Die Info-Veranstaltung endete mit einer regen Diskussion.

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