Ein ruhiges Buch über den Umgang mit dem Tod

Alsfeld (ml). "Die Figuren müssen mich durch die Geschichte führen", sagte die Autorin Judith Hermann bei ihrer Lesung am Mittwoch im Alsfelder Marktcafé.

Alsfeld (ml). "Die Figuren müssen mich durch die Geschichte führen", sagte die Autorin Judith Hermann bei ihrer Lesung am Mittwoch im Alsfelder Marktcafé. Im Rahmen der Lesereihe "Der Vulkan lässt lesen" präsentierte die Schriftstellerin dort ihr aktuelles Buch "Alice", das im Frühjahr 2009 erschienen ist. Darin sind fünf Erzählungen enthalten, in denen sich die Protagonistin Alice mit dem Tod ihr nahe stehender Menschen auseinandersetzen muss. Andreas Matlé von der OVAG und Helmar Bünnecke von der Buchhandlung "Buch 2000" begrüßten zur ersten Lesung im neuen Jahr rund 50 Zuschauer, ehe Hermann knapp eine Stunde die erste Geschichte aus ihrem Buch vorlas.

Judith Hermann, 1970 in Berlin geboren, gelang 1998 der Durchbruch mit ihrem viel gelobten Buch "Sommerhaus später", für das sie unter anderem mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde. Ihr zweiter Band "Nichts als Gespenster" kam 2007 als Episodenfilm ins Kino und nun setzt sich die in Berlin lebende Autorin in ihrem neuesten Band mit dem Thema Tod auseinander.

In "Alice" beschreibt sie in fünf Erzählungen, wie die Hauptfigur mit dem Tod von Freunden und Bekannten umgeht. Dabei schildert sie weniger die Emotionen, sondern in ruhiger und melancholischer Weise "die Welt um den Tod herum", wie Hermann den Zuschauern im Marktcafé erklärte: "Es ist ein Buch über das Sterben". Sie schildert, wie jemand weiterlebt, während ein anderer stirbt. Dabei geht sie weniger auf das Innenleben der Person ein. Die Geschichten enthalten daher auch viele "Leerstellen".

Lücken, in denen sie auf emotionsgeladene Szenen verzichtet habe. An diesen Stellen sei die Phantasie des Lesers gefragt und er müsse sich eigene Gedanken machen. Am Ende jeder Erzählung solle sich der Leser fragen, wie es mit Alice weitergeht. Sie wolle den Leser nicht im Regen stehen lassen, "sondern genau diese Fragestellung erreichen", meinte Hermann.

Von der Idee bis zur Umsetzung eines neuen Buches dauere es ziemlich lange, sagte sie. "Was das angeht, bin ich langsam", sagte Hermann über sich selbst. Sie überlege sich ganz genau was sie schreiben wolle und wie sie damit beginne. Dies sei auch der Grund, warum zwischen ihren Büchern rund fünf Jahre Pause liegen. Jede ihrer Erzählungen beginne mit einem Schlüsselsatz, einem Erlebnis aus ihrem Leben, das in dem Buch verarbeitet werde. Daher sei ein Teil autobiographisch, die Details nicht unbedingt.

Wenn sie anfange zu schreiben, habe sie das Ende noch nicht im Kopf. "Die Figuren nehmen mich an die Hand", so Hermann. Sie führen dann zu dem Ende, von dem die Autorin am Anfang noch nichts wusste. Daher könne sie auch nicht sagen, ob sie überhaupt mal einen Roman schreiben werde, da sie die Texte nicht unnötig in die Länge ziehen wolle. Auch mit "Alice" bleibt sich Hermann ihrem Stil treu und das Publikum dankt es ihr, so war auch am Applaus im Marktcafé zu erkennen.

Die laufende Lesereihe wird dann in Alsfeld am 23. Februar im Regionalmuseum mit Christine Gräfin von Brühl fortgesetzt.

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