Rot-Milan: Windpark weicht zu Autobahn A 5 aus

Alsfeld (jol). Etwas ungewohnt startete die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag: In einem Kurzvortrag umriss Planer Peter Becher die Pläne für zwei Windparks, die seine Gesellschaft WSB bei Elbenrod und Fischbach plant.

Alsfeld (jol). Etwas ungewohnt startete die Stadtverordneten-Sitzung am Donnerstag: In einem Kurzvortrag umriss Planer Peter Becher die Pläne für zwei Windparks, die seine Gesellschaft WSB bei Elbenrod und Fischbach plant. Überraschend war seine Mitteilung, dass wegen eines Rot-Milans die Anlagen von Elbenrod weg und näher an die Autobahn gerückt werden sollen. In der Folge beschlossen die Stadtverordneten einstimmig eine Normenkontrollklage gegen den Regionalplan Mittelhessen wegen der Windkraftflächen. Einhellig war man für den Verkauf einer Gewerbe-Fläche an die Raiffeisen Waren-Zentrale, Kauf von Feuerwehr-Schutzanzügen und die Verschiebung der Haushaltsberatung auf April.

Vor dicht gedrängten Zuschauerreihen nahmen sich die Stadtverordneten bei der Sitzung am Donnerstag in der Stadthalle mit Windkraft und Gewerbeansiedlung zwei "harte Themen" vor. Ein Gutteil der Zuhörer waren Anwohner aus dem Bereich Landgraf-Hermann-Straße, wo das Ärztehaus geplant ist, hinzu kamen einige Windkraft-Kritiker. Ihnen präsentierte Becher von der Leipziger Firma WSB Pläne für 17 Windkraftanlagen bei Fischbach sowie Eudorf/Elbenrod. Bei Fischbach sind zwei Anlagen am Waldrand geplant, weil sie dann auf Alsfelder Grundstücken liegen, was für die Kommune lukrativer ist.

Die beiden Anlagen sind rund 830 Meter von der Ortslage entfernt, der Regionalplan schreibt mindestens 750 Meter vor. Drei ebenfalls rund 190 Meter hohe Anlagen sollen im Wald entstehen. Der viel kritisierte Windpark Eudorf-Elbenrod werde umgeplant, weil die Planer den Horst eines Rotmilans am Waldrand bei Elbenrod gefunden haben. Um die Brutstätte gilt eine 1000-Meter-Grenze, weshalb WSB nun zwei Windkraft-Flächen plant: Zwei Anlagen sollen auf Bitte der Stadt am Waldrand Richtung Eudorf erreichtet werden, und "maximal zehn Anlagen" im Wald nahe der Autobahn. Damit rückt der Windpark weiter weg von den Dörfern, der Feldbereich zwischen Eudorf und Hattendorf/ Elbenrod fällt für Windkraft praktisch weg, so Becher.

Einstimmig votierte die Stadtverordnetenversammlung später für eine Normenkontrollklage gegen den Regionalplan, zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung gab es nur in der Frage, ob der Kreis aufgefordert werden soll, die Klage zu unterstützen. Bürgermeister Ralf A. Becker verwies auf einen Runden Tisch aus Politik, Bürgerinitiativen und Rechtsanwälten, bei dem diese Vorgehensweise abgesprochen worden sei. Er sah "teilweise eklatante Mängel" im Plan, deshalb habe man gute Chancen auf einen Erfolg.

Im Regionalplan seien Flächen enthalten, "zu denen wir nicht gehört wurden, da darf man empört sein". Kritisch würdigte er auch die Empfehlung der Regionalversammlung, die Windkraftanlagen sollten 1000 Meter von der Wohnbebauung entfernt stehen - "das kann man vergessen". Die CDU will den Kreis in die Klage einbinden, wie Burkhard Weck begründete, dann könne man "mit breiter Brust" in die Klage gehen. Jürgen-Udo Pfeiffer verwies auf die zwei Windkraftflächen, die die Stadt bei Billertshausen und Lingelbach ausgewiesen hat. Damals hieß es, dass keine weiteren Flächen nötig würden, nun "werden wir nicht mal mehr gefragt". Rolf-Peter Stein (FDP) kritisierte, dass die Regionalversammlung der Stadt die Planungshoheit auf dem eigenen Gebiet nehme. Michael Riese (ALA) unterstützte die Klage, monierte aber das eigene Versäumnis, nicht früher aktiv geworden zu sein. Die Politik verkomme zum Reparaturbetrieb eigener Schlafmützigkeit. Er wandte sich gegen die Einbeziehung des Kreises.

Einstimmig beschloss die Versammlung unter Leitung von Heinz Heilbronn den Verkauf eines rund 10000 Quadratmeter großen Gewerbeareals im Bereich Elpersweide bei Altenburg an der Bundesstraße 254. Mit einem Kreisel soll das Gelände angeschlossen werden. Dort plant die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main ein Landmaschinen-Zentrum. Bürgermeister Becker freute sich, dass sich ein hiesiges Unternehmen erweitert. Martin Räther (UWA) fand es nur schade, dass das große Gelände unterhalb des STI-Werkes nun zerschnitten wird. Neue Planungen werden mit dem Industriegebiet Ost II (Sealed Air/ Firma Gorsler) angestellt, besonders was die Entwässerung angeht. Geplant sind dort kleinteilige Gewerbeflächen.

Bei einer Nein-Stimme wurde die Beratung über den Doppelhaushalt 2010/11 auf die Zeit nach den Kommunalwahlen im März verschoben. Heinrich Muhl (UWA) kritisierte, dass der Haushalt erst so spät vorgelegt werde. Ohne Gegenstimmen wurde die Anschaffung von Einsatzkleidung für die Feuerwehren bewilligt. Gesamtkosten: 44000 Euro.

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