Von Rohrstock und Schiefertafel zu Active Boards

Alsfeld (ml). Als "eine der Vorzeigeschulen im Vogelsberg" bezeichnete Landrat Manfred Görig die Stadtschule beim Festakt zum Jubiläum des Hauptgebäudes. Am Samstag feierte die Grundschule das 100-Jährige Bestehen des Schulgebäudes mit einem Tag der offenen Tür.

Zum Festakt konnte Konrektorin Bettina Sorg nicht nur Gäste aus Politik und Wirtschaft begrüßen, auch viele ehemalige Schüler und Lehrer kamen an ihre einstige Wirkungsstätte. Sorg erklärte, 100 Jahre Hauptgebäude bedeuteten 9000 Schüler, zirka 70000 Zeugnisse und etwa 500 Lehrkräfte, aber nur sieben Hausmeister. Schule sei ein "gesellschaftspolitischer Spiegel ihrer Zeit", und die Stadtschule habe einige Veränderungen erlebt. Von Rohrstock und Schiefertafel hin zu Mediathek und Active Boards.

Die Stadtschule habe eine erhebliche Strahlkraft nach innen und außen, meinte Landrat Görig. Es werde dort nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch das Zusammenleben in der Gesellschaft, und soziale Kompetenzen spielen eine wichtige Rolle. Ein lobenswerter Schwerpunkt sei heute die pädagogische Mittagsbetreuung, die in vorbildlicher Weise organisiert sei. Ebenso betonte Görig die Ausgaben des Kreises zur Unterhaltung die Schulen, was man auch in Zukunft ernst nehmen müsse. Als Geschenk überreichte er Schulleiter Peter Schwärzel am Ende auch einen Kauknochen für Schulhund Rasmus. Rolf Heckeroth vom Staatlichen Schulamt sagte in seinen Grußworten, dass Grundschulen in die "Welt des Lernens" einführten, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftssinn förderten und den Grundstein für den weiteren Lebensweg legten.

Sie übernähmen daher eine sehr wichtige Aufgabe für die Gesellschaft. In der heutigen Zeit brauche die Jugend mehr denn je Orientierung in einer sich schnell verändernden Konsumgesellschaft. Und auch die veränderten Familienstrukturen machten sich in den Schulen bemerkbar, so Heckeroth. Angenehme Lernatmosphäre, unterstützende Elternschaft und engagierte Lehrer seien wichtig für die Schule, im Mittelpunkt stünden aber immer die Schüler. An der Stadtschule seien die Säulen pädagogischer Arbeit gefestigt und ausgebaut.

Auch Erster Stadtrat Jürgen Udo Pfeiffer lobte das Schulklima der Stadtschule, das die Einrichtung unverwechselbar mache. Auch Pfeiffer ging auf die erheblichen Veränderungen der letzten 100 Jahre ein. Ausstattung und die Qualität der Räume seien heute sehr wichtig für die Schulen und würden oft unterschätzt. Schulen seien eine Stätte, an der Kinder miteinander wachsen würden. An der Qualität der Räume zeige sich auch die Wertschätzung der Bildung. Nach weiteren kurzen Grußworten durch die Elternbeiratsvorsitzende Heike Rößner wurde diese mit einem kleinen Präsent von Schwärzel verabschiedet.

Zum Abschluss der Grußworte folgte ein Rückblick auf die Geschichte der Schule und des Schulwesens. Dabei erklärte Schwärzel, dass eine genaue Gründung der Stadtschule oder Volksschule nicht datierbar sei. Der Name Stadtschule existiere allerdings seit 1612. Ebenso erwähnte er den katastrophalen Zustand der Schule im 19. Jahrhundert, weil sie damals von der Stadt eher stiefmütterlich behandelt worden sei. Dass das Gebäude in der Volkmarstraße gebaut wurde, habe man dem Druck des Ministeriums zu verdanken. Eine Erweiterung der Realschule zur Oberrealschule bekam Alsfeld nur, wenn auch zeitgleich ein neues Gebäude für die Stadtschule errichtet werde. So konnte der Neubau am 20. Oktober 1912 eingeweiht werden. Nachdem die Schule im Zweiten Weltkrieg als Lazarett diente, gab es nach Kriegsende enorme Personalsorgen. 499 Schüler mussten von gerade einmal sieben Lehrern unterrichtet werden. So wie die Vergangenheit werde auch die Zukunft viele Veränderungen mit sich bringen. Zwei Wünsche äußerte Schwärzel am Ende seines Kurzvortrags. Vom Kreis wünschte er sich eine bessere Ausstattung für die Nachmittagsbetreuung, die bisher nur mit einer halben Stelle finanziert werde. Eine ganze Stelle sei schon eine erhebliche Verbesserung. Und von der Stadt wünschte er sich eine verbesserte Parkplatzregelung in der Volkmarstraße.

Zum Abschluss des Festaktes folgte dann noch eine Darbietung der Theater-AG unter Leitung von Heike Wolf. Zwei Fassungen von Goethes Zauberlehrling wurden gezeigt, zunächst von ehemaligen Schülern, danach präsentierten die aktuellen Schüler ihre Fassung. Im Anschluss führten die kleinen Zauberlehrlinge die Gäste durch die Schule und erläuterten die frühere und heutige Nutzung der Räume. So gab es Begegnungen mit den "früheren Geistern der Schule".

Am Nachmittag folgte dann der Tag der offenen Tür, bei dem Spiel, Spaß und Unterhaltung auf dem Schulhof und im Gebäude im Mittelpunkt standen. Dosenwerfen, Bobbycar-Rennen oder Seilspringen wurden ebenso angeboten wie Filmvorführungen, Diashows oder eine Ausstellung, die von der 100-jährigen Geschichte des Gebäudes erzählte.

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