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Revue durch acht Jahrhunderte

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Wichtige Stationen der Stadtgeschichte werden in der Revue dargestellt, so auch der erste Wochenmarkt im Jahr 1497. © Linda Buchhammer

Alsfeld (bul). »Donnerwetter. Vor diesen Akteuren ziehen wir dermaßen den Hut«, zollten am Samstagnachmittag etliche Zuschauer den Laiendarstellern der Alsfelder Marktspielgruppe um Johanna Mildner und Jenny Wagner großen Respekt für deren Ausharren in den dicken Kostümen und Gewandungen sowie theatralischen Leistungen auf der Theaterbühne vor dem Alsfelder Rathaus bei überaus sommerlich-heißen Temperaturen:

Angesagt war die Premiere der »Revue durch acht Jahrhunderte« im Rahmen der Feierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen der Stadt.

Zur Premiere des Marktspiels bevorzugten die Zuschauer den Mittelweg mit einem schattigen Plätzchen unter den Sonnenschirmen der ansässigen Eisdiele und im Bereich der Bühne mit dem spritzigen Erfrischungs-Service des Alsfelder Carneval-Clubs. Deutlich sichtbar war in Sachen Zuschauerzahl noch Luft nach oben. Wer allerdings da war, genoss die szenische Aufarbeitung der Alsfelder Stadtgeschichte in vollen Zügen.

Passend zum 800. Stadtjubiläum arbeiteten sich die Frontfrauen der Marktspielgruppe als Theaterautorinnen durch den großen Berg der Geschichte. Basierend auf allem, was jemals in Alsfeld passiert ist und zeitlich hätte sein können, schrieben sie mit all ihren Finessen ein stattliches, kurzweiliges und tiefgründig-gespicktes Theaterspektakel.

Wer nun bereits die Handschrift der federführenden Damen Mildner und Wagner kennt, konnte sich schnell sicher sein, dass die neue Inszenierung weitaus mehr sein werde als eine Nachhilfestunde in Geschichte: Den Stoff aufgeteilt in acht Jahrhunderte, bekamen wichtige Zeitgenossen, Ereignisse, Entwicklungen und Krisen der angesprochenen Ära durch Wort, Gewandung, Requisite, szenische Darstellungskunst und viel Humor ihren großen Auftritt: Landgraf Ludwig von Thüringen (später auch Pfalzgraf von Sachsen) und seine Gemahlin, die heilige Elisabeth, Kaiser Friedrich II. und ein gewitzter Herold mit Schreiberqualitäten erwiesen dem Publikum genauso ihre Gunst wie Gaukler, Mönche, Marktmeister, Bürstenhändler, der Sensemann sowie Jahrhunderte später die Alsfelder Fabrikanten Rudolph Bücking und Johann Raab (Pfeifen) und der seinerzeit amtierende Bürgermeister Ernst Arnold.

Ab der Entdeckung der Stadt Alsfeld durch einen Edelmann, dem als der Hut vom Kopf fiel, und der Verleihung der Stadtrechte am 13. März 1222, tobte in Alsfeld durch »Gewohnheit« buchstäblich der Bär. »Es wurde hier und da mal erwähnt. Das ein oder andere Mal aufgeschrieben. Und jetzt ist es halt so«, brachte das Erzählerduo Mildner und Wagner den Ursprung der Stadtrechte mit gefühltem Achselzucken auf den Punkt.

Viel passiert in dieser Zeit

Seither sei unglaublich viel passiert - fast zwei Stunden sprachen die Kapitel und Szenenbilder Bände. Ein investigativer Schreiberling durfte mächtig viel für die Nachwelt notieren.

So wurde die Position der Alsfelder Kirchen gehörig durchleuchtet mit dem kleinen Teufel im Detail. Das Alsfelder Marktrecht brachte dem Handel im 15. Jahrhundert wirtschaftlichen Wachstum, Stärke und Macht.

Hundert Jahre später traten die Baumeister von Rathaus, Weinhaus und Hochzeitshaus zusammen, sahen sich fachmännisch am Markplatz um und entdeckten manchen »Pfusch am Bau«. Das Herzstück der Stadt bekam allerhand zu sehen und durfte mit seiner Prachtkulisse im Laufe der Zeit ebenso vieles erleben. Wochenmärkte, Schwerttänze, Passionsspiele und Theaterstücke, Aufbruchstimmung, Digitalisierung, Corona.

Aber auch Quacksalber, Krankheiten, Krisen und Sorgen durch Pest, Krieg und graue Zeiten. Kurzum: das Leben in Alsfeld quasi durch die Jahrhunderte live in Aktion und Bewegung mit der schlussendlich nachhallenden Erkenntnis: »Manche kommen. Manche gehen. Manche wieder. Manche bleiben für immer. Das, was aber immer bleibt, ist Alsfeld, zumindest in unseren Herzen. Und die Reise geht weiter…«, so lautete das Fazit der Zeitreise in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Wer die Revue am Wochenende nicht hat sehen können, bekommt an den nächsten beiden Wochenenden nochmals am Samstag und Sonntag um 17 Uhr die Gelegenheit dazu. Es lohnt sich auf alle Fälle. Der Eintritt ist zur ereignisreichen Zeitreise frei.

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