Coronakrise

Reisebranche hofft inständig auf die Zeit "danach"

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Viele Branchen leiden unter den Einschränkungen durch die Coronakrise, ganz besonders diejenigen, die auf Urlaubsträume setzen.

Die Menschen sind zur Zeit auf das Haus und die Wohnung verwiesen, niemand will oder darf mehr reisen. Das trifft die Branche naturgemäß hart "Das ist existenziell für uns", sagt Birgitt Jux. Die Inhaberin des Reiseladens in Homberg und ihre zwei Mitarbeiter sind im Moment zwar gut ausgelastet, aber nur, um alle Reisen der nächsten vier Wochen rückabzuwickeln. "Es wird derzeit zu 100 Prozent storniert und damit müssen wir auch alle Provisionen zurückzahlen", berichtet Jux. Denn Urlaub in der Osterzeit wie etwa Kreuzfahrten und andere Pauschalreisen ist normalerweise ein wichtiges Standbein des Homberger Geschäfts. Auch bei Philippi Reisen in Mücke stehen die Räder still, was den Busverkehr und die Ausflugsreisen angeht. In den Reisebüros werden die Reisen für April storniert. Für Mai hofft Firmenchef Mark Philippi darauf, "dass das Leben weitergeht nach Corona". Trotz Kurzarbeit setzt er künftig auf eine positive Entwicklung, man müsse trotz allem "nach vorne gehen".

Dabei zehrt die Ungewissheit zusätzlich an den Nerven, weil nicht absehbar ist, wie lange die Einschränkungen andauern.

"Es kann sein, dass wir erst im Herbst wieder etwas verdienen können", sagt Birgitt Jux. Das wäre allerdings existenzgefährdend für den kleinen Betrieb. Mehr als zwei bis drei Monate kann sie nicht durchhalten, schätzt Jux. Das werde sehr schwierig für die Mitarbeiter, die auf das gekürzte Kurzarbeitergeld angewiesen sind. In dieser Woche will sie zumindest versuchen, einen Zuschuss aus dem Programm für Kleinbetriebe zu erhalten. Irgendwann werden die Bewegungseinschränkungen in Deutschland wieder aufgehoben und Reisen in andere Länder möglich. "Wir hoffen, dass die Kunden dann so fair sind und beim örtlichen Reisebüro buchen und nicht online", hofft Jux. Das sei wichtig, um die Geschäfte vor Ort am Leben zu erhalten.

Buchen per Internet habe zudem kaum Vorteile, sagt die Reisefachfrau. Die Pauschalreisen kosteten dort genauso viel wie im Reisebüro vor Ort - bei dem man noch eine kompetente Beratung habe.

Mark Philippi hat sich am Freitagmorgen darüber gefreut, als Kunden eine Reise gebucht haben. "Die wollen uns unterstützen", das sei genau das Zeichen, das die Branche braucht. Dabei ist die Firma Philippi in Mücke mit ihren drei Sparten mehrfach getroffen. 70 Busfahrer und Bürokräfte sind in Kurzarbeit, viele wegen des ausfallenden Schülerverkehrs. Den März und April kann man auch bei den selbst angebotenen Busreisen abschreiben. Die Klassenfahrten bis zu den Sommerferien sind alle abgesagt worden. In den beiden Reisebüros ist die Lage ähnlich schwierig wie beim Homberger Reiseladen.

So warten die Philippi-Mitarbeiter, wie sich die großen Reiseveranstalter entscheiden. Da ändere sich immer wieder die Lage. Positiv sei, "dass die Kunden zu 90 Prozent sehr verständnisvoll sind". Es gebe nur wenige Stornierungen von Reisen, die ab Mai geplant waren, sagt Philippi. Manchmal will ein Kunde mit einer Vorerkrankung das Risiko eines Auslandsaufenthalts nicht auf sich nehmen. Nun hofft Philippi auf den Mai, traditionell ein starker Reisemonat. "Ich denke, ab Ostern läuft es langsam wieder an." Die Politik unterstütze die Wirtschaft und die Verwaltungen arbeiteten zügig, so beispielsweise beim Kurzarbeitergeld.

Spannend findet es Philippi, "was man so alles über seine Mitmenschen in einer solchen Krise lernt". So freut er sich über das Verständnis der Kunden. Für ihn ist klar, "es geht nur gemeinsam." Die Krise biete die Chance, zu erkennen, "was wir an offenen Grenzen in Europa haben".

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