Altöl-Unfall

Proben in Alsfelder Bachläufen genommen Rückblick auf den 8. Dezember 2017

  • vonPhilipp Weitzel
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Nach dem Unfall vom 8. Dezember 2017 bei einer Alsfelder Altöl-Firma sind jetzt wieder Gewässerproben genommen worden. Noch steht aus, ob Umweltgifte in dem Altöl enthalten waren.

Die Altöl-Havarie vom 8. Dezember 2017 beschäftigt noch immer die Behörden. So prüft die Staatsanwaltschaft in Gießen, ob ein Vergehen nach dem Paragraphen 324 des Strafgesetzbuches vorliegt. Dieser sieht für die unbefugte Verunreinigung von Gewässern eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor. "Die Akten befinden sich aktuell wieder bei der Polizei, so dass ich inhaltlich leider keine weiteren Auskünfte erteilen kann", teilte der zuständige Staatsanwalt Thomas Hauburger mit. Nach wie vor ist öffentlich unbekannt, um welche Art von Altöl es sich überhaupt handelte. Die damals durch die Polizei entnommenen Ölproben wurden zur Untersuchung in das Landeskriminalamt nach Wiesbaden gebracht, die Analyseergebnisse wurden noch nicht bekannt gegeben. Ob in dem Altöl Umweltschadstoffe wie Halogene oder PCB enthalten waren, ist nach wie vor unbekannt.

Das Regierungspräsidium in Gießen hat jedoch zusammen mit der Unteren Wasserbehörde des Vogelsbergkreises die Ökologie der betroffenen Gewässer in den vergangenen Tagen untersucht. "Ein Experte des RP Gießen hat eine Untersuchung des Makrozoobenthos der Gewässer im Bereich des Erlenteichs in Alsfeld durchgeführt", informiert der Sprecher des Vogelsbergkreises Erich Ruhl-Bady. Unter Makrozoobenthos werden tierische Organismen bis zu einer definierten Größe (mit dem Auge noch erkennbar) zusammengefasst, die auf dem Gewässerboden leben. Wie er sagte, diente diese Untersuchung einer Beurteilung von eventuellen Spätschäden durch die Altölhavarie vom Dezember.

26 000 Euro Kosten

"Die Untersuchungen erfolgten in Abstimmung mit der Stadt Alsfeld als Gewässereigentümerin und wurden an mehreren repräsentativen Stellen im Erlenteich, im Krebsbach und im Mühlgraben durchgeführt", sagte Ruhl-Bady. Nach seinen Angaben konnten keine Anhaltspunkte für eine dauerhafte Schädigung des Makrozoobenthos durch den Altölunfall festgestellt werden. "Die Häufigkeit und das Artenspektrum der angetroffenen Gewässerorganismen deuten erfreulicherweise nicht auf eine Schädigung durch chemische Stoffe beziehungsweise Altöl hin", teilte Ruhl-Bady mit. Weitergehende Gewässeruntersuchungen im Zusammenhang mit der Altölhavarie seien daher nicht mehr erforderlich. Nach Angaben des Vogelsbergkreises betragen die Kosten für die Kreisaufwendungen im Zusammenhang mit der Altölhavarie derzeit 26 000 Euro, eine Rechnung über die Abfallentsorgung stehe jedoch noch aus. "Der Verursacher wird einen entsprechenden Gebührenbescheid erhalten, der Verursacher trägt die Kosten", berichtet Kreissprecher Ruhl-Bady.

Firma weiter stillgelegt

Das Regierungspräsidium Gießen hat dem betroffenem Betrieb nach wie vor den Umschlag von gefährlichen Flüssigabfällen untersagt. "Die Anlage ist weiterhin außer Betrieb, da die Anordnung vom 15.12.2017 noch nicht vollständig umgesetzt worden ist", sagte RP-Sprecher Thorsten Haas. Wie er mitteilte, haben seit der angeordneten Betriebsuntersagung regelmäßige Überwachungen des Regierungspräsidiums stattgefunden. Die letzte Überwachung sei am 30. April erfolgt. "Gemäß den örtlichen Feststellungen sind die Maßnahmen der Anordnung weitestgehend umgesetzt, von der Anlage geht insofern derzeit keine Gefährdung für die Umwelt aus", sagte Haas.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums wurden Reinigungsarbeiten auf dem Betriebsgelände umgesetzt, derzeit werde jedoch die Sicherung der Betriebsflächen per Bauzaun bemängelt, und man warte noch auf schriftliche Belege und Nachweise zur Reinigung und Entsorgung. "Die mit der Anordnung geforderte sicherheitstechnische Prüfung steht ebenfalls noch aus, die Beauftragung eines Sachverständigen ist jedoch erfolgt", meinte der Sprecher des Regierungspräsidiums. Er machte dazu deutlich, dass die Anlage so lange nicht wieder in Betrieb gehen darf, bis die sicherheitstechnische Prüfung durchgeführt worden ist.

Die erste Meldung über das Unglück ging am Morgen des 8. Dezember mit einem Notruf bei der zentralen Leitstelle ein. Ein Anwohner des Krebsbaches meldete einen Ölfilm, daraufhin wurden die Feuerwehr, die Polizei und die Untere Wasserbehörde des Vogelsbergkreises alarmiert. Diese rückten umgehend zu dem gemeldeten Ort aus und stellten eine Verunreinigung des Gewässers mit Öl fest. Sofort wurden durch Feuerwehrleute mehrere Ölsperren errichtet und schwimmendes Ölbindemittel ausgebracht. Die Ursache für die Havarie war zu dem Zeitpunkt jedoch noch völlig unklar, weil der Verursacher die Ölverunreinigung nicht angezeigt hatte. (pwr)

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