Lehrer im All

Physiker fliegt in die Stratosphäre

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Der Alsfelder Lehrer Mario Cimiotti will Sternen bei der Geburt zusehen. In den USA steigt er dafür in ein fliegenden Teleskop.

Mario Cimiotti gehört zu den vier Lehrern, denen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die seltene Chance einräumt, nahe Los Angeles mit einer Wissenschaftler-Crew im fliegenden Teleskop SOFIA aufzusteigen. Nächste Woche wird Cimiotti Klassenzimmer und Büro an der Albert-Schweitzer-Schule mit einer kühlen Druckkabine tauschen. In dem Rumpf einer umgebauten Boeing 747 sind neben dem Teleskop auch die Arbeitsplätze für 20 Wissenschaftler, Techniker, Piloten und Lehrer untergebracht. Das fasziniert den begeisterten Hobby-Astronomen, wie beim Gespräch mit der Alsfelder Allgemeinen Zeitung deutlich wird. Cimiotti ist eher ein ruhiger Typ, ein Gefühlsausbruch ist schon, wenn er sagt, »es ist sehr spannend, die Objekte mit eigenen Augen zu sehen und astrophysikalisch zu erklären, was man sieht«.

Der Lehrer für Physik und Mathematik liest sich seit Wochen in Astro-News ein, um sich auf den großen Flug vorzubereiten. Genau genommen sind es sogar zwei, denn er steigt mit dem fliegenden Teleskop zweimal in den klaren Nachthimmel über der Mojave-Wüste. Die Flugbasis liegt etwa eine Stunde von der Kalifornien-Metropole entfernt, der Flug dauert etwa zehn Stunden.

Geburtsort neuer Sonnensysteme

Etwas kühl wird es an Bord sein, aber nicht dramatisch, wie Cimiotti über die Umstände des wissenschaftlichen Abenteuers sagt. An Bord der Boeing 747 sind Messgeräte eingebaut, die auf minus 265 Grad herabgekühlt sind, in der Druckkabine der Boeing herrschen deshalb frische 15 Grad Celsius. Eine Besonderheit ist die Konstruktion des Fliegers, denn er hat im hinteren Rumpfteil eine große Luke, deren Rolltor in 15 Kilometern Höhe hochgefahren wird. Darin steht das Teleskop, um oberhalb der Troposphäre Licht- und Infrarotmessungen von Sternen, Nebeln und Sternhaufen vorzunehmen. Dabei ist Cimiotti besonders auf die Wärmemessungen gespannt, denn das kann man nur oberhalb der Erdatmosphäre machen.

Bei dem zehnstündigen Flug wird eine genau berechnete Route genommen, denn das Teleskop ist starr eingebaut. Um das Zielobjekt durchgehend im Visier zu haben, muss die Crew sehr exakt steuern. Wissenschaftler aus aller Welt nutzen die Flüge des SOFIA-Programms, um vorher eingereichte Fragestellungen anzugehen. Meist fliegen sie mit selbst entwickelten Geräten mit, denn nur die Konstrukteure können mit den Spezialentwicklungen umgehen.

Der Aufwand für den Physik- und Mathelehrer lohnt sich, davon ist Cimiotti überzeugt. Er begeistert sich für die Spuren im Weltall, aus denen sich für einen Astro- Physiker ein immer klareres Bild des Ungreifbaren ergibt. So werden diesmal der bekannte Orion-Nebel, die Whirlpool-Galaxie und der Geisternebel genauer betrachtet.

Das Infrarot-Teleskop zeichnet die Wärmestrahlung auf. Es ist so exakt, dass Erwärmungen innerhalb einer kosmischen Staubwolke sichtbar werden. Die Staubwolken sind als Geburtsorte neuer Sonnensysteme besonders interessant. Denn im Laufe der Zeit ballen sie sich unter dem Einfluss der eigenen Schwerkraft mehr zusammen. »Die Klumpen verdichten sich, erhitzen sich und werden schließlich zu Sonnen,« erläutert Cimiotti. Lichtteleskope können nicht in das Innere der Staubwolken schauen. Die Messgeräte können anhand der Lichtstrahlung feststellen, welche Elemente und Moleküle in der Wolke schweben. Cimiotti ist schon sehr gespannt, was die Messungen ergeben. So kann ein Infrarotmessgerät Kohlenmonoxyd über viele Lichtjahre hinweg zuverlässig anzeigen.

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