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Ein Landwirt hat einen Wolf bei Ober-Seibertenrod fotografiert.

Parlament fordert Entschädigungen

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Vogelsbergkreis (jol). Der Wolf ist im Vogelsberg angekommen und bewegt die Gemüter. Nach den jüngsten Berichten von Sichtungen und dem vermuteten Reißen von Tieren durch den Vierbeiner beschäftigten sich auch die Abgeordneten des Kreistags mit der Thematik. Am Ende gab es eine fast einstimmige Entscheidung für einen Antrag der FDP, wonach die Landesregierung aufgefordert wird, Entschädigungen für Tierhalter zu bieten. Zudem soll bei problematischen Tieren das Abschießen möglich werden.

Ein Hintergrund der Initiative ist die "Unruhe in der Bevölkerung", wie es Mario Döweling (FDP) formulierte. In den vergangenen Monaten sei immer wieder ein Einzeltier gesichtet worden, zuletzt im Bereich Feldatal und Ulrichstein. Er selbst habe auch schon einen Wolf gesichtet, sagte Döweling. Es gebe den Verdacht, dass er auch Tiere auf der Weide gerissen hat. Deshalb müsse das Land Hessen den "Managementplan" zum Thema Wolf aktualisieren. "Dabei sind Entschädigungszahlungen bei Wolfsrissen, Herdenschutzmaßnahmen und Ausgleichszahlungen bei sonstigen durch den Wolf entstehenden Schäden zu berücksichtigen", heißt es im Antrag. Zudem soll der Wolf in das Jagdrecht aufgenommen werden. Denn bislang ist er im Naturschutzrecht erfasst, ein Abschuss bei gefährlichen Tieren sei nicht möglich.

Landrat Manfred Görig, wie Döweling auch Jäger, pflichtete ihm bei. Denn die im Vogelsberg weit verbreitete Mutterkuhhaltung sei direkt betroffen. Wenn ein Wolf ein Kalb reißt, solle es unbürokratische Entschädigung geben. Er verwies darauf, dass erst dieser Tage in Berlin die gesetzliche Grundlage geschaffen wurde, Wölfe zu schießen. Claudia Mävers (Grüne, Försterin) unterstützte die Forderungen. Es sei sinnvoll, den Managementplan von 2015 zu aktualisieren. Entschädigungszahlungen seien wichtig.

Gegen den Antrag stimmte nur Dieter Boß, dem die Forderung nicht weit genug ging. Der CDU-Abgeordnete und Landwirt aus Storndorf hat von einem Kollegen ein Video erhalten, das einen Wolf auf einer Wiese bei Meiches zeigt. Der Landwirt hat es aus der Kabine seines Schleppers aufgenommen. Boß meint, es müsse mehr geschehen, um die Landwirtschaft vor Schäden zu bewahren. Denn die Wölfe seien schlau, kämen in Dorfnähe und würden Zäune leicht überwinden. Das zeige die Erfahrung in Brandenburg. Dann von einem Landwirt zu erwarten, dass er jedes Mal einen Zaun mit Untergrabschutz errichtet, wenn er eine Rinderherde auf eine Weide stellt, sei unrealistisch. Denn die Tiere grasten ja immer wieder andere Flächen ab, es sei nicht machbar, so viele stabile Umzäunungen aufzubauen.

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