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Original-Zunftbrief von 1665 für das Stadtarchiv

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Diana Allendorf-Schilling übergibt den Zunftbrief von 1665 an den ehrenamtlichen Stadtarchivar Dr. Norbert Hansen (l.) und Bürgermeister Stephan Paule. © Red

Alsfeld (pm). Eigentümerin Diana Allendorf-Schilling hat jüngst einen Zunftbrief aus dem Jahr 1665 an das Alsfelder Stadtarchiv übergeben. Bürgermeister Stephan Paule und ehrenamtlicher Stadtarchivar Dr. Norbert Hansen freuten sich über diese wertvolle Ergänzung.

Vor Kurzem informierte Allendorf-Schilling aus Berfa den Bürgermeister über den Fund eines Zunftbriefes, den sie in alten Unterlagen ihres verstorbenen Großvaters entdeckt habe. Sie könne ihn leider nicht lesen, aber vielleicht sei er für die Stadt interessant. Das Stadtarchiv erstellte daraufhin von der 15-seitigen Handschrift eine Transkription, also eine Übertragung in eine heute lesbare Schrift.

Das Titelblatt lautet: »Lower Zunfftbrief zu Alsfeldt de a[nn]o 1665«. Lower steht hier für Löber, eine andere Bezeichnung für den früheren Handwerksberuf der Lohgerber. Mit der Lohe, einem pflanzlichen Gerbmittel aus zerkleinerter Baumrinde, konnten Tierhäute nachhaltig konserviert und dadurch zu strapazierfähigem Leder für Schuhsohlen, Stiefeln oder Sätteln verarbeitet werden. Noch heute erinnert die Löbergasse in Alsfeld an das alte Handwerk.

Der Zunftbrief war 1665 von Landgraf Ludwig VI (1661-1678) ausgegeben worden. Er trägt ein Siegel und ist vom Kanzler Philipp Fabricius unterzeichnet. Nach der üblichen formelhaften Einleitung »Von Gottes Gnaden, wir Ludwig, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Hersfeld, Graf zu Catzenelenbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda usw.« erfährt man viele Einzelheiten über die damaligen Zunftordnung. Besonders auffällig die häufige Erwähnung von Gebühren und Strafen, bei denen der Landgraf meist die Hälfte für sich beanspruchte. Deshalb war jede Landgrafengeneration bestrebt, bei Dienstantritt Zunftbriefe zu erneuern.

Was die Alsfelder Lohgerber angeht, befinden sich Zunftbriefe bereits von 1605 im Staatsarchiv Darmstadt. Damals gab es in Alsfeld zehn Zünfte; im 18. Jahrhundert waren es bereits 20.

Zum umfangreichen Aktenbestand über Zünfte im Stadtarchiv Alsfeld gehört auch ein Konvolut über die Weißgerber, allerdings erst mit einem Zunftbuch von 1700 beginnend. Der jetzt übernommene Zunftbrief von 1665 wäre damit das früheste Dokument innerhalb dieser Sammlung und stellt eine wertvolle Ergänzung dar. Seine Entstehung geht wahrscheinlich auf das Jahr 1662 zurück, als Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt wegen missbräuchlichen Entwicklungen innerhalb der Alsfelder Zünfte eine Revision der Zunftordnung veranlasste.

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