lkl_Kulturplattform_0412_4c
+
Kulturdezernent Jens Mischak tauschte sich zum Thema »Wie kann regionale Kulturförderung gelingen?« mit Frederik Bewer, Bürgermeister Angermünde, Carolina Romahn vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Barbara Brod, Team »TraVogelsberg« und Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes aus. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Anne Grabosch von der Philipps-Universität Marburg.

»Ohne Kultur fehlt etwas«

Vogelsbergkreis (pm). Kultur sei Teil der Daseinsvorsorge, genau wie eine funktionierende Infrastruktur, Schulen und Nahversorgung - so resümierte Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, in einer Podiumsdiskussion zum Thema »Wie kann regionale Kulturförderung gelingen?« in der Adolf-Spieß-Halle in Lauterbach.

Wenn einer dieser Faktoren verloren gehe, dann fehle etwas Entscheidendes, so Völckers, die sich beeindruckt vom Engagement vor Ort und dem bisher Erreichten zeigte. Das Projekt »TraVogelsberg - eine Region bricht auf« hatte rund 90 Kulturschaffende aus nah und fern zu einer ersten Kulturplattform eingeladen, bei der Vorträge, künstlerische Impulse, das Netzwerken untereinander sowie zwei Podiumsdiskussionen im Fokus standen.

Völckers war der Diskussionsrunde via Livestream zugeschaltet, um sich mit Kulturdezernent Jens Mischak (CDU), Barbara Brod, stellvertretend für das Team »TraVogelsberg«, Carolina Romahn vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie Frederik Bewer (parteilos), Bürgermeister der Kleinstadt Angermünde in der Uckermark in Brandenburg, auszutauschen.

Während der Podiumsdiskussion, die von Anne Grabosch von der Philipps-Universität Marburg moderiert wurde, betonte Mischak die Bedeutung von Kultur in der Gesellschaft, die gerade im Laufe der Pandemie sehr deutlich wurde. »In Zeiten des Lockdowns wurde ich immer wieder in meiner Funktion als Gesundheitsdezernent gefragt, wann wieder Chor- oder Theaterproben, Ausstellungen, Konzerte und dergleichen stattfinden können. Da haben wir alle gemerkt, wie viel fehlt, wenn es mal keine Kultur gibt. Es wäre - für uns alle - schlimm, wenn wir noch einmal in solch eine Situation kommen würden.« Mit dem Projekt »TraVogelsberg« zeigte sich Kulturdezernent Mischak bislang zufrieden. »Wir hätten zwar gern noch viel mehr gemacht, allerdings hat uns da eben die Pandemie ziemlich ausgebremst.«

Er hofft aber darauf, dass auch nach Ende der Förderperiode des Projektes eine Vernetzung der Kulturschaffenden untereinander, aber auch gemeinsam mit der Politik weiter vorangetrieben wird. »Danach darf nicht einfach Schluss sein, schließlich sollen die ganzen Anstrengungen, die hier unternommen wurden, nicht umsonst gewesen sein. Der Landkreis, die Städte und Gemeinden und die Kulturschaffenden müssen sich allerdings einig sein, wie es nach dem Sommer 2024, wenn die Förderung ausläuft, weitergehen soll.«

Barbara Brod, Projektmitarbeiterin beim Vogelsbergkreis, stimmte Mischak zu und ergänzte: »Man könnte sagen, wir sind eine Art Prozessbildhauer, Menschen aus der Verwaltung und die Kulturschaffenden, und wir befinden uns gemeinsam auf dem Weg, um Grenzen aufzubrechen und sichtbar zu machen, was der Vogelsbergkreis zu bieten hat. Und daran müssen wir weiterarbeiten, auch über 2024 hinaus.«

»Ich denke, der Vogelsbergkreis hat eine Menge zu bieten und hier gibt es zudem viele Kulturschaffende, denen man zutrauen kann, die Transformation, für die ›TraVogelsberg‹ steht, hinzubekommen«, erklärte Carolina Romahn vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Entscheidung, den Vogelsbergkreis als eine von sieben Projektregionen in Deutschland für eine Förderung auszuwählen.

Bürgermeister Frederik Bewer hob die Bedeutung von Kulturförderung hervor und erläuterte: »Mit Fördermitteln können Bürgerinnen und Bürger unterstützt werden, die etwas bewegen wollen - und wenn es auch nur kleine Projekte sind. Politik kann an dieser Stelle Prozesse anstoßen und so etwas finde ich sehr wichtig, da wir ja auch wollen, dass die Menschen sich wohlfühlen und stolz auf ihre Heimat sind.«

Das Projekt »TraVogelsberg« wird gefördert in »TRAFO - Modelle für Kultur im Wandel, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes«, durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und den Vogelsbergkreis. Das Projekt wird vom Vogelsbergkreis gemeinsam mit den Kooperationspartnern Lauterbacher Musikschule und Kulturzentrum Kreuz in Fulda, umgesetzt.

Mit TRAFO hat die Kulturstiftung des Bundes ein Programm initiiert, das ländliche Regionen in ganz Deutschland dabei unterstützt, ihre Kulturinstitutionen für neue Aufgaben zu öffnen. Die beteiligten Museen, Theater, Musikschulen und Kulturzentren reagieren auf gesellschaftliche Herausforderungen in ihrer Region und entwickeln ein neues Selbstverständnis.

Sie ermöglichen Begegnungsorte, öffnen ihr Programm und ihre Räume für die Inhalte Dritter. Sie schaffen Gelegenheiten für den Austausch und die Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Kulturakteuren und ehrenamtlichen Initiativen. Und sie richten den Blick auf die Anliegen der Menschen in ihrer Region. TRAFO soll demnach dazu beitragen, »die Bedeutung der Kultur in der öffentlichen Wahrnehmung und die kulturpolitischen Strukturen in den Kommunen und Landkreisen dauerhaft zu stärken.«

Von 2015 bis 2021 unterstützte TRAFO vier Regionen bei der Weiterentwicklung ihrer kulturellen Infrastruktur. In der zweiten Phase werden von 2019 bis 2024 sechs weitere Regionen gefördert, darunter der Vogelsbergkreis.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare