Nicht nur nostalgische Miniaturwelt in Samt und Spitzen

Alsfeld (kl). Stadtführerinnen und -führer trafen sich dieser Tage im Alsfelder Märchenhaus und lauschten sichtlich angetan den Ausführungen von Beate Rudolph-Reith aus Herbstein.

Alsfeld (kl). Stadtführerinnen und -führer trafen sich dieser Tage im Alsfelder Märchenhaus und lauschten sichtlich angetan den Ausführungen von Beate Rudolph-Reith aus Herbstein. Eine der bedeutendsten Puppenstubensammlungen in Deutschland, im Eigentum der Familie Reith, hat vor drei Jahren im Alsfelder Märchenhaus eine neue Heimstätte gefunden. Die mehreren hundert Puppen und 83 Puppenstuben und -küchen, die aus alter, erzgebirgischer Familientradition stammen, sind genaue Abbildungen der wirklichen Welt, in der unsere Omas und Uromas aufwuchsen. Die Besucher können in den bis zu schrankgroßen Puppenstuben, die jetzt im zweiten Stockwerk des Märchenhauses ein Domizil als Dauerausstellung gefunden haben, die Einrichtungsmode zweier Jahrhunderte nachvollziehen und bestaunen.

Ein Blick in die Puppenstuben verrät viel über den Alltag damaliger Zeiten. Sie zeigen nicht nur eine nostalgische Miniaturwelt aus Spitzen, Samt und Seide, sondern historische und kulturelle Aspekte einer bürgerlichen Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Anhand der chronologisch aufgebauten Puppenstuben, -häuser, -küchen, -läden und Puppen sowie der zugeordneten zeitgenössischen Kinderbildnisse wird die kulturgeschichtliche Veränderung der vergangenen 200 Jahre sichtbar und begreifbar.

Der Besucher tritt ein in die Guckkastenwelt der Puppenstuben und erfährt en miniature, was zu einem gutbürgerlichen Haushalt unserer Vorfahren gehörte. Die vielen längst vergessenen Details rufen bei älteren Besuchern Erinnerungen hervor und bei Jugendlichen wird vergangenes Leben anschaulich.

"Puppen sind ein Bindeglied zwischen Kindheit und Wirklichkeit, welches wir Erwachsenen allzu schnell verlieren. Doch leben wir weiter in der Hoffnung, uns diese größte Kostbarkeit, den Kindheitstraum, zu erhalten." Zu bewundern sind die Puppenstuben im dritten Obergeschoss des Märchenhauses, das seit 2004 durch die Eheleute Gudrun und Hans-Willi Grünberg mit vielen märchenhaften Exponaten bestückt wurde und das insbesondere durch die Märchenerzählungen von Gudrun Grünberg lebendig wird. Die Puppenstuben des Ehepaares Reith dokumentieren ein Stück deutscher Wohnkultur aus den 50er und 60er Jahren.

Beate Rudolph-Reith erläuterte Sinn und Zweck dieser Puppenstubensammlung und unternahm mit den Stadtführerinnen und -führern eine Zeitreise in die Vergangenheit. "Märchenhaus und Puppenstuben", so Simone Wilhelm, die für den Bereich Stadtmarketing und Tourismusarbeit nach der Neugliederung zuständig sein wird, "sind wichtige touristische Eckpfeiler für die Stadt Alsfeld als Tor zum Rotkäppchenland und Mitgliedsort der Deutschen Märchenstraße". Gerade der Bereich Märchenhaus müsse künftig offensiver vermarktet und touristisch ausgebaut werden.

Wünschenswert wäre natürlich auch, dass das Märchenhaus von den Alsfelder Bürgern, Vereinen, Kindergärten und Schulen - beispielsweise auch für Kindergeburtstage - stärker genutzt wird. "Mit dem Märchenhaus haben wir in unserer Stadt einen Schatz, den es zu entdecken gilt. Auch von Erwachsenen."

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