Nachspiel vor Gericht

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Am Ende war die Staatsanwältin davon überzeugt, dass die junge Frau nicht vergewaltigt worden ist und beantragte Freispruch für einen 31-jährigen Vogelsberger. Er war angeklagt, seine Ex-Freundin im Oktober 2017 zum Sex gezwungen zu haben. Doch an der Schilderung der 23-Jährigen hatte das Gericht erhebliche Zweifel. Zudem hatte die junge Frau einige Monate später wieder ein Verhältnis mit dem Mann.

Am Ende war die Staatsanwältin davon überzeugt, dass die junge Frau nicht vergewaltigt worden ist und beantragte Freispruch für einen 31-jährigen Vogelsberger. Er war angeklagt, seine Ex-Freundin im Oktober 2017 zum Sex gezwungen zu haben. Doch an der Schilderung der 23-Jährigen hatte das Gericht erhebliche Zweifel. Zudem hatte die junge Frau einige Monate später wieder ein Verhältnis mit dem Mann.

So kam das Gericht nach kurzer Beratung dazu, die Vergewaltigung sei nicht mit Sicherheit bewiesen. Der 31-Jährige berichtete von einer zweijährigen Beziehung, die kurz vor jenem Oktobertag geendet hat. Noch drei Tage zuvor habe man Sex gehabt und den Gallusmarkt in Grünberg besucht. Die beiden zofften sich über die Frage, ob die junge Frau eine gute Mutter für ihren Sohn ist.

So sah der 31-Jährige das Kind nicht gut betreut, wenn die junge Frau ausging. Er sei nach Hause gegangen und später habe sie ihn angerufen. Sie sei gegen 23 Uhr in seine Wohnung gekommen. Man habe kaum geredet, er habe sie ins Schlafzimmer geschoben und mit ihr geschlafen. "Ich habe gedacht, sie will das", beteuerte er. Nach einigen Minuten habe sie nicht mehr so mitgemacht, da habe er aufgehört. Sie habe mit einer Freundin telefoniert und sich angezogen.

Dann habe sie ihm noch gesagt, dass sie kürzlich mit einem anderen geschlafen hat und sei gegangen.

Der wenig romantische Akt hatte eine Vorgeschichte, so der Angeklagte, sie habe es gemocht, wenn er dominant war, hin und wieder gab es Fesselspiele. Dass sie später von einer Vergewaltigung gesprochen hat, das führt er auf den Streit wegen des Sohnes zurück. Die 23-Jährige bestätigte den Streit beim Gallusmarkt, der dazu führte, dass sie mit dem Ex-Freund noch einmal sprechen wollte. Beide waren angetrunken, er hatte zehn Bier und einige Schnäpse intus, sie dieselbe Menge Bier und ein paar Apfelwein. Sie sei in die Wohnung gekommen und man habe über den Streit gesprochen.

Affäre mit dem Täter?

Dann sei die Situation gekippt, eventuell als sie ihm sagte, sie habe mit einem anderen geschlafen. Er habe sie gegen einen Türrahmen gedrückt, zum Bett geschoben und gewaltsam Sex mit ihr gehabt. Dabei habe er sie festgehalten, was ihr wehgetan habe. Sie habe mehrmals Nein gesagt und um Hilfe gerufen, er habe erst von ihr abgelassen, als das Telefon klingelte.

Etwas umständlich kam zutage, dass die Angabe des 31-Jährigen korrekt war, wonach es nach dem Vorfall eine mehrwöchige Beziehung gab. Zunächst sagte die 23-Jährige, man habe sich nur Textnachrichten geschrieben, gab dann aber den sexuellen Kontakt zu. Auf Nachfragen sprach sie von einer lockeren Beziehung von zwei Monaten und einem guten Dutzend sexueller Treffen. Aber an jenem Oktoberabend sei sie zum Sex gezwungen worden, so die 23-Jährige. Eine Nachbarin, die Freundin der jungen Frau und weitere Zeugen wurden angehört.

Die Staatsanwältin hatte erhebliche Zweifel an der Schilderung der 23-Jährigen. Sie beantragte Freispruch und verwies auf die erhebliche Alkoholisierung der Beteiligten. Der Verteidiger fügte an, der 31-Jährige habe nicht erkannt, dass der Sex gegen ihren Willen geschah. Die Aussage der 23-Jährigen sei nicht ganz glaubhaft, weil sie sich nur an das Belastende für den 31-Jährigen erinnert. Zudem habe die Nachbarin keine Schreie aus der Wohnung gehört. Der medizinische Sachverständige fand keine Verletzungen. Der Richter sagte, die Situation sei "total freaky" gewesen. Die Beteiligten hatten getrunken, sich gestritten und Sex. Um einen Mann für eine Vergewaltigung zu verurteilen, müsse die Aussage des Opfers deutlich glaubwürdiger sein. Nach der angeblichen Vergewaltigung hatte sie eine Affäre mit dem 31-Jährigen, was schwer nachzuvollziehen sei.

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