Villa Raab

Nach langem Leerstand Hotel/Restaurant in Alsfeld

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Jahrzehnte rottete die prachtvolle Villa Raab in Alsfeld dahin. Dann entdeckte ein Unternehmerpaar sein Herz für das Jugendstil-Kleinod neben einer alten Tabakfabrik und rettete es in letzter Minute.

Das weiße Gebäude hat seine frühere Vornehmheit wieder. Lange war es hinter Gerüsten und Planen verborgen. Künftig bekommt die Villa Raab an der Altenburger Straße ein neues Leben als Ort für Konferenzen oder Geburtstagsfeiern. Auch ein Restaurant soll in dem Komplex mit drei Nebengebäuden Ende des Sommers öffnen.

Es sind die Details, die begeistern. Genau nimmt Tanja Bohn das schmiedeeiserne Balkongeländer in den Blick und ist zufrieden mit dem Werk des Schlossermeisters. Die Villa Raab verbindet eine fast schlossartige Fassade und Stuckdecken mit zeitgemäßer Technik. Der Stil des alten Bauwerks wird gewahrt. Aber der Komfort für Feiern, Konferenzen und im künftigen Restaurant ist absolut zeitgemäß, wie Besitzerin Tanja Bohn und Hotelgeschäftsführer Bastian Heiser sagen. Im hinteren Bereich des Grundstücks entsteht ein Hotel mit Konferenzräumen in drei Neubauten.

Stuckdecken werden ergänzt

Die Villa stand lange Zeit leer, bis sich Tanja und Ralf Bohn seiner annahmen. Da war die alte Pfeifenfabrik daneben schon eingestürzt, die Villa gammelte vor sich hin. 2014 fasste das Unternehmerehepaar den Beschluss, "die Schönheit hinter dem Gebüsch" zu kaufen. Im Folgejahr begann der Umbau, wie Tanja Bohn beim Rundgang auf der Baustelle erzählt. "Es wurde auch Zeit, wenig später wäre das Gebäude nicht mehr zu retten gewesen."

Im Gebäude mussten Fenster und Balken der Zwischendecken erneuert werden. Über die Balkone lief Wasser in die Mauern, und die aufsteigende Nässe war zu unterbinden. Das schöne Buntglasfenster aus dem Treppenhaus ist noch bei einem Restaurateur. Inzwischen sind die Außenarbeiten an der Villa erledigt. Im Inneren werkeln die Verputzer bei fauchenden Heizlüftern. Die Türen sind aufgearbeitet und die Stuckdecken ergänzt. Am Balkon haben Schlosser das restaurierte schmiedeeiserne Geländer wieder eingebaut. Aufträge werden bevorzugt an heimische Handwerker vergeben, betont Bohn. Bohn und Heiser, Geschäftsführer vom hôtel villa raab, verweisen beim Rundgang auf die Details. So ist das Mauerwerk in einem Gesellschaftsraum im Keller freigelegt, um die Atmosphäre zu wahren. Das Betriebskonzept läuft auf ein Café-Restaurant in der Villa sowie einen Hotelbetrieb in den hinteren Gebäuden hinaus. Angrenzend an die Villa wird an einem zweigeschossigen Gebäude gearbeitet, das die Lobby des Hotels und Seminarräume aufnimmt. Daran schließen sich zwei Gebäude an, die 36 Hotelzimmer umfassen, getrennt durch den rauschenden Bach des Mühlgrabens.

Hotelkonzept aus Romrod

Es war eine Auflage der Denkmalpflege, die Neubauten auf den Flächen der bisherigen Bebauung zu errichten. Anstelle der beiden Mühlengebäude gibt es nun das Hotel, der Konferenzbereich steht auf dem Grundriss der Fabrikhalle für Tabakpfeifen. "Die alten Gebäude waren statisch nicht mehr zu retten", erläutert Bohn. Die kleinteilige Bebauung lässt auch die alte Villa optisch stärker hervortreten.

Das Hotelkonzept haben die Bohns und die Betreiber von hôtel schloss romrod gemeinsam entwickelt. "Gastronomie hat es in Alsfeld nicht leicht, mit dem Hotel und Seminarbetrieb gibt es bessere Möglichkeiten", sagt Bohn. Heiser sieht darin auch einen Weg, den Alsfeldern das vertraute Gebäude wieder zugänglich zu machen. Die komplette Küche des Hotels mit Frühstück, Mittagstisch und Abendessen wird über das Villa-Restaurant abgewickelt. Die Marktanalyse hat ergeben, dass ein Restaurant jenseits der bestehenden Pizzerien in Verbindung mit dem Hotel eine Chance hat. Es wird aber nicht abgehoben, das versprechen Bohn und Heiser: "Unser Arbeitstitel ist Alsfelder Wohnzimmer", um zu zeigen, dass das Haus allen offen steht. "Wir wollen einen Ort schaffen, an den die Menschen gerne gehen", fügt Tanja Bohn an. "Man kann auch in der Jogginghose kommen und ein Stück Kuchen essen", meint Heiser.

Zwei stilvolle Hochzeitssuiten

Die Villa weist mehrere Bereiche auf. Im Erdgeschoss sind Küche und Restaurant, übrigens auch für das Hotel. Im Keller ist ein Gesellschaftsraum, der für Verköstigungen genutzt werden kann. Im Obergeschoss ist der Bankettbereich, am Wochenende steht er für Geburtstage und Jubiläen zur Verfügung. Unter dem Dach gibt es zwei stilvolle Hochzeitssuiten mit Lounge und Schlafbereich.

Technisch muss das gesamte Ensemble hohe Standards erfüllen. Dabei gestalteten sich der Einbau eines Fahrstuhls in der alten Villa und das Verlegen der heutzutage geforderten Lüftungsanlage als besonders schwierig. Die Hotelzimmer sind in Brauntönen wegen der Tabakfabrik oder in Blau wegen der früheren Mühle gestaltet.

Eine Neuerung betrifft die Zufahrt, weil der Bereich direkt an der Villa für Abbiegeverkehr zu gefährlich ist. Eine neue Brücke über den Krebsbach ermöglicht künftig den Zugang etwas unterhalb.

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